17:43 22 September 2020
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    Bevor Saskia Esken zur Bundesvorsitzenden der SPD gewählt worden ist, war sie Vorsitzende des Landeselternbeirats Baden-Württemberg. Ehemalige Kollegen aus dieser Zeit erheben nun, laut Medienberichten, schwere Vorwürfe. Esken soll Mitarbeiter ausspioniert und widerrechtlich gekündigt haben.

    Gerne verweist die frisch gewählte SPD-Chefin Saskia Esken auf ihre Zeit als Vorsitzende des Landeselternbeirats Baden-Württemberg. Sie habe den Laden, der „hoch zerstritten“ war, wieder zur Ruhe geführt, wie sie am vergangenen Wochenende in der ARD-Sendung „Anne Will“ berichtete.

    Nie dagewesene Rücktrittswelle

    Nun könnte sie genau wegen dieser Tätigkeit Probleme bekommen. In der ARD Sendung „Kontraste“ berichten ehemalige Kollegen, Esken habe die E-Mail-Konten von Mitarbeitern der Geschäftsstelle bespitzelt. 

    Der ehemalige Vorsitzende des Landeselternbeirats Baden-Württemberg, Christian Bucksch, behauptet gegenüber „Kontraste“, dass es noch nie mehr Rücktritte gegeben habe, als zu Eskens Zeit im Vorstand. Auch hätten Mitglieder massenweise Sitzungen verlassen, „weil man das Gebaren des Vorstands vom Inhalt, vom Umgang miteinander nicht mitmachen wollte. Ich sehe nicht, dass da Frau Esken aufgetreten ist, um die Situation zu befrieden.“

    E-Mail Konto ausspioniert

    Der ehemaligen langjährigen Büroleiterin Gabi Wengenroth wurde gekündigt, weil sie offenbar noch Kontakt zum zurückgetretenen Vorstand hielt. Ihr E-Mail Konto soll laut dem Magazin ausspioniert worden sein. Der Vorstand soll dafür nach den Passwörtern der Mitarbeiter gefragt haben.

    Aus einer E-Mail, die „Kontraste“ vorliegt, geht hervor, dass Esken Wengenroth persönlich eine E-Mail geschrieben und sie vor die Wahl gestellt habe: Entweder solle sie selbst kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Die E-Mail endete mit dem Satz: „Wenn Du das möchtest, dann können wir danach noch gemeinsam in Dein Büro gehen, und Du kannst dort persönliche Dinge mitnehmen.“ Wengenroth habe das Büro danach nicht mehr betreten dürfen, sagt sie selbst. „Einige Tage später hatte ich eine schriftliche Kündigung von Frau Esken im Briefkasten gehabt.“ Den Brief habe Esken persönlich eingeworfen.

    Eine Arbeitsrechtsexpertin bewertet die Kündigung gegenüber „Kontraste“ als rechtswidrig. Ein verhaltensbedingter Kündigungsgrund lag nicht vor. Die Durchsuchung des PC sei „rechtswidrig und strafbewehrt unzulässig“ gewesen.

    Keiner Schuld bewusst

    Esken selbst nahm bisher keine Stellung zu den Vorwürfen. Sie reagierte, laut „Kontraste“, schriftlich auf die Vorwürfe. „Wir haben den Landeselternbeirat Baden-Württemberg als Vorstandsteam ab 2012 demokratisiert und zusammengeführt. Dass das nicht allen gefallen hat und wir dabei auch auf Widerstände gestoßen sind, versteht sich eigentlich von selbst.“

    Anfang Dezember war Esken mit 75,9 Prozent in Berlin zur neuen SPD-Chefin gewählt worden, gemeinsam mit dem ehemaligen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans. Dieser hatte 89,2 Prozent der Stimmen erhalten.

    bs

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    Saskia Esken, SPD