20:00 16 Juli 2020
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    Nach der offiziellen Anerkennung der Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg als Völkermord durch den US-Senat hat Ankara den US-Botschafter David Satterfield einbestellt. Dies teilt die Agentur RIA Novosti unter Verweis auf eine Quelle im türkischen Außenministerium am Freitag mit.

    „Der US-Botschafter David Satterfield ist wegen der Resolution des US-Senats zu den Ereignissen von 1915 in unser Außenministerium einbestellt worden. Der stellvertretende Außenminister Sedat Önal übermittelte ihm unsere Reaktion auf diese Entscheidung“, so die Quelle.

    Zuvor teilte Fahrettin Altun, Kommunikationschef des türkischen Staatspräsidenten, via Twitter mit, dass Ankara den Beschluss des US-Senats als einen verantwortungslosen Schritt betrachte, der den türkisch-amerikanischen Beziehungen langfristig schaden werde.

    US-Senat spricht von Armenier-Genozid

    Der US-Senat hat am Donnerstag die Verfolgung und Tötung von Hunderttausenden Armeniern im Ersten Weltkrieg im damaligen Osmanischen Reich in den Jahren 1915 bis 1917 als Völkermord anerkannt. Die Senatoren verabschiedeten einstimmig eine Resolution, die jene Massaker als Genozid einstuft. Die Resolution ist zwar rechtlich nicht bindend, besitzt aber eine große Symbolkraft.

    Ende Oktober hatte bereits das US-Repräsentantenhaus ähnlich votiert.

    Ankara weist den Begriff Völkermord zurück

    Die Türkei, als Rechtsnachfolgerin des Osmanischen Reiches, erkennt zwar den Tod von Hunderttausenden Armeniern an, weist jedoch den Begriff Völkermord zurück und fordert eine neue historische Aufklärung. Armenien bemüht sich um eine internationale Anerkennung der Massaker als Völkermord. Bis heute belastet der Streit die Beziehungen zwischen Jerewan und Ankara.

    Bis zu 1,5 Millionen Todesopfer

    Im Ersten Weltkrieg wurden Armenier durch das Osmanische Reich systematisch verfolgt, getötet und auf Todesmärsche geschickt. Historiker sprechen von bis zu 1,5 Millionen Todesopfern.

    Inzwischen haben rund zwei Dutzend Staaten den Genozid offiziell anerkannt. Auch Papst Franziskus sprach vom „ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts“. Der Deutsche Bundestag verabschiedete 2016 eine Resolution, die den Völkermord verurteilte. Als erstes EU-Land hatte Frankreich den Genozid 2001 anerkannt.

    pd/mt/sna/

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    Tags:
    Völkermord, Botschaften, Türkei, Armenier, Genozid, US-Senat, USA, Resolution