01:51 13 Juli 2020
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    Fall Khangoshvili: Der Georgier-Mord in Berlin und seine diplomatischen Auswirkungen (12)
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    Die ZDF-Moderatorin Marietta Slomka hat im „heute Journal“ angedeutet, dass die USA, so wie es jetzt Russland vorgeworfen wird, Auftragsmorde in Berlin potenziell veranlassen könnten. Mehrere FDP-Politiker, darunter Christian Lindner, gehen gegen diese Gleichsetzung an. Die Internet-Nutzer dagegen stärken Slomka überwiegend den Rücken.

    „Wie sehr sich die Welt verändert hat, sieht man auch daran, dass Russland und die USA inzwischen fast gleichermaßen schwierig sind“, sagte Slomka in einer Sendung, bevor die verhängnisvollen Sätze folgten.

    „Gut: Die Amerikaner lassen keine unliebsamen Leute in Berliner Parkanlagen ermorden – soweit man weiß. Aber mit Donald Trump zu verhandeln ist ähnlich ungemütlich wie Rendezvous mit Putin.“

    Der Hintergrund dafür soll der Fall mit dem im August im Berliner Tiergarten ermordeten Tschetschenen mit georgischer Staatsbürgerschaft, Zelimkhan Khangoshvili, sein. Der Bundesgeneralanwalt übernahm den Fall wegen des Verdachts, dass staatliche Stellen in Russland oder der Teilrepublik Tschetschenien den Mord in Auftrag gegeben hätten.

    Dieses indirekte „Soweit man weiß“ sorgt nun seit einigen Tagen für viel Empörung im Netz. „Ohne Beleg wird in den Raum gestellt, die USA könnten vielleicht Auftragsmorde bei uns veranlassen“, kritisierte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner auf Twitter.

    Die Gleichsetzung von USA und Russland sei „abwegig und falsch“. Die ironische Attitüde des Heute Journals verlässt also laut Lindner den seriösen Journalismus, die Redaktion sollte sich distanzieren. Auch der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff warf dem ZDF „fast schon Desinformation“ vor und äußerte gegenüber der „Bild“-Zeitung, der öffentlich-rechtliche Rundfunk erfülle seinen Anspruch, seriös zu informieren, nicht. Der FDP-Politiker Johannes Vogel betonte seinerseits, das Narrativ der Gleichsetzung der USA und Russland habe bei aller Kritik am aktuellen Präsidenten mit der Realität nichts zu tun.

    „Frech? Eher unerträglich“, schrieb der Diplomat und Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, auf die Anmerkung des Zeit-Journalisten Lars Weisbrod dazu.  Weisbrod finde das „So weit man weiß“ als Transatlantiker „ein bisschen frech“.

    Das ZDF seinerseits nahm die Moderatorin in Schutz und sprach von der Ironie in Slomkas Anmerkung. Hunderte von Internet-Nutzern fingen die Diskussion auf, viele von ihnen, um Lindner verbal anzugehen. „Das stimmt. Die Gleichsetzung würde Rußland ziemlich viel Unrecht unterstellen“, schrieb unter anderem der Nutzer Hans Selz. „Vom Drohnenprogramm haben Sie aber schon mal gehört?“, fragte der Nutzer Tobias Reichert. „Ihre Partei sollte sich von Ihnen distanzieren, wenn das nochmal was werden soll“, so der Nutzer Alex Golubowitsch.  „Nach NSA-Skandal und der Geheimdienst-Geschichte in den USA ist das absolut legitim. So sieht neutrale Berichterstattung - frei von politischen Einflüssen - aus. Im Gegenteil: die Kritik daran von Ihnen ist Meinungsmache“, schrieb Markus Wittke.

    Manche Nutzer haben sich allerdings auf die Seit der USA gestellt. „Die Amerikaner sind aber auch der Grund, warum wir in einer freiheitlichen Demokratie leben und maßgeblich dafür verantwortlich das es nach dem 2. Weltkrieg wieder bergauf ging mit unserem Land“, merkte der Nutzer Jan-Niklas Riezler an. „Absolut inakzeptabel vom ZDF… und leider nicht ungewöhnlich für unsere linkslastigen Medien“, so der Nutzer Peter Wulff.

    Mord im Berliner Park

    Am 23. August war Zelimkhan Khangoshvili, ein 40 Jahre alter ethnischer Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit, in einem Park in Berlin erschossen worden. Die deutsche Bundesanwaltschaft nennt das Opfer „Tornike K.“. Der Täter – angeblich ein 49-jähriger Bürger Russlands – wurde noch am gleichen Tag gefasst. Er schweigt zu den Vorwürfen. Nachdem der Bundesgeneralanwalt den Fall übernommen hatte, warf Bundeskanzlerin Angela Merkel Russland vor, bei der Aufklärung des Mordes nicht zu helfen. Russlands Präsident Wladimir Putin seinerseits bezeichnete am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Paris den ermordeten Georgier als Terrorkämpfer und Organisator von Explosionen in der Moskauer U-Bahn. Laut Putin hat Moskau an Berlin Gesuche um dessen Auslieferung gerichtet, die deutsche Seite sei jedoch der Bitte Russlands nicht nachgekommen. Russland werde den deutschen Kollegen trotzdem bei der Aufklärung des Falls helfen. Die Bundesregierung bestreitet bisher derartige Auslieferungsgesuche.

    lk/gs

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    Tags:
    CIA, Alexander Graf Lambsdorff, FDP, Christian Lindner