02:48 26 Oktober 2020
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    Fall Khangoshvili: Der Georgier-Mord in Berlin und seine diplomatischen Auswirkungen (12)
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    Während seiner alljährlichen großen Pressekonferenz hat Russlands Präsident Wladimir Putin die Frage eines Spiegel-Korrespondenten beantwortet, ob es tatsächlich seitens Moskaus Auslieferungsersuchen im Fall des später in Berlin ermordeten Georgiers Zelimkhan Khangoshvili gegeben habe.

    Der Journalist des „Spiegel“-Magazins Christian Esch erinnerte an die Worte des russischen Präsidenten bei einer Pressekonferenz nach dem Normandie-Treffen, dass Moskau mehrmals Gesuche an Berlin um die Auslieferung Zelimkhan Khangoshvili gerichtet habe, wobei die deutsche Seite der Bitte Russlands nicht nachgekommen sei. Außenminister Heiko Maas dementierte dies später. Wer habe nun Recht, Moskau oder Berlin, Maas oder Putin?

    „Beide haben Recht. Russland hat keine offiziellen Gesuche um die Auslieferung des später ermordeten Kämpfers gerichtet", sagte Putin. Dies sei als sinnlos erachtet worden, da auf eine Anfrage auf der Ebene der Ministerien des Innern Deutschland sich geweigert habe, Russland zu helfen. „Die Kommunikation lief auf geheimdienstlicher Ebene“, antwortete Putin.

    Der in Berlin getötete Georgier - ein „absolut blutrünstiger Mörder“ - habe in Russland 98 Menschen getötet und Deutschland habe sich geweigert, diesen auszuliefern. Dabei habe der Georgier auch einen Anschlag in Moskau mitgeplant.

    „Ihr habt freilaufende Banditen in euren Städten“, so Putin.

    In syrischen Gefangenenlagern seien neben Menschen aus Zentralasien und Russland eine große Anzahl von Kämpfern aus Westeuropa zu verzeichnen, darunter Deutschland und Frankreich. Damit solche „Terroristen, Mörder“ sich in Zukunft nicht frei auf den Straßen europäischer Städte bewegen können, sollten westliche Geheimdienste mit Russland besser kooperieren.

    „Und wenn diese Leute, die in den Lagern (in Syrien, Anm. d. Red.) sitzen, zu euch kommen? Wird euch das gefallen? Lasst ihr sie auch so frei durch eure Städte spazieren?“, so der russische Präsident.

    Um so etwas zu verhindern, sei  eine hocheffektive Zusammenarbeit  gefragt. Dies bedeute nicht, dass es eine solche Arbeit nicht geben würde. „Aber das Niveau und die Form sind unzureichend“, fügte er hinzu.

    Mord in Berliner Park

    Am 23. August war Zelimkhan Khangoshvili, ein 40 Jahre alter ethnischer Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit, in einem Berliner Park erschossen worden. Die deutsche Bundesanwaltschaft nannte das Opfer bei einem anderen Namen - „Tornike K.“. Der Täter – angeblich ein 49-jähriger Bürger Russlands – sei noch am gleichen Tag gefasst worden, teilte die Behörde später mit. Er schweigt zu den Vorwürfen.

    Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel warf Russland vor, bei der Aufklärung des Mordes nicht zu helfen. Der Fall wurde von der Bundesanwaltschaft übernommen.

    Am 4. Dezember sind zwei Mitarbeiter der russischen Botschaft in Berlin  mit der Begründung ausgewiesen worden, Russland würde sich unzureichend an den Ermittlungen beteiligen. Am 12. Dezember sind im Gegenzug zwei Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Moskau ausgewiesen worden.

    Was über den getöteten Georgier bisher bekannt ist:

    • Wladimir Putin hatte bei einer Pressekonferenz nach dem Normandie-Treffen in Paris den im Berliner Tiergarten ermordeten Georgier als einen Kämpfer und Organisator von Anschlägen in der Moskauer U-Bahn bezeichnet. Allein bei einem der auch von Khangoshvili mitorganisierten Angriffe im Kaukasus sind 98 Menschen ums Leben gekommen;
    • 40-jähriger ethnischer Tschetschene mit georgischem Pass; kämpfte gegen Russland an der Seite der tschetschenischen Terroristen unter Führung der Islamisten Schamil Bassajew, Abu l-Walid und Aslan Maschadow;
    • war Offizier in der georgischen Armee während ihrer Invasion in Südossetien 2008, wo er ebenfalls gegen Russland sowie gegen südossetische Freiwilligenverbände kämpfte;
    • war Anhänger der islamistischen Terrororganisation „Kaukasus-Emirat“;
    • im Mai 2015 war auf ihn in der georgischen Hauptstadt Tiflis ein Mordanschlag verübt worden. Er wurde verletzt, überlebte jedoch;
    • 2005 zog er aus Georgien über die Ukraine nach Deutschland um;
    • in Deutschland lebte der Mann laut dem „Focus“ seit 2016, nachdem er hier einen Asylantrag gestellt hatte;
    • nach Angaben aus Sicherheitskreisen nutzte er zwei verschiedene Namen;
    • die Berliner Polizei soll ihn eine Zeit lang als „islamistischen Gefährder“ geführt haben.
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    Tags:
    Berlin-Moabit, Auswärtiges Amt, Heiko Maas, Islamist, Zelimkhan Khangoshvili, Tschetschenien, Georgien, Russland, Deutschland, Wladimir Putin