11:11 11 Juli 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 (44)
    9316455
    Abonnieren

    Der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, hat in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ die Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen die Gaspipeline Nord Stream 2 verteidigt und die Kritik der Bundesregierung zurückgewiesen. Denn ihm zufolge sind die Strafmaßnahmen eine „pro-europäische Entscheidung“.

    „15 europäische Länder, die Europäische Kommission und das Europäische Parlament haben allesamt ihre Bedenken an dem Projekt angemeldet“, sagte der Botschafter.

    „Seit Langem hören wir von unseren europäischen Partnern, dass die Vereinigten Staaten sie bei ihren Bemühungen unterstützen sollten. Darum sind die Sanktionen eine sehr pro-europäische Entscheidung“, so Grenell.

    Viele europäische Diplomaten hätten sich dafür bedankt, dass die amerikanische Regierung Maßnahmen ergriffen habe, betonte er.

    Vize-Kanzler verurteilt US-Vorgehen scharf

    Am Samstag hatte der deutsche Vize-Kanzler Olaf Scholz das US-Vorgehen in Bezug auf die Pipeline Nord Stream 2 auf das Schärfste kritisiert. Die US-Sanktionen gegen die Pipeline Nord Stream 2 könnten auch deutsche Unternehmen empfindlich treffen sowie eine Gefahr für die deutsche und europäische Energiesicherheit darstellen.

    „Solche Sanktionen sind ein schwerer Eingriff in die inneren Angelegenheiten Deutschlands und Europas und die eigene Souveränität. Das lehnen wir entschieden ab”, sagte Scholz in einem Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio.

    US-Sanktionen gegen Nord Stream 2

    US-Präsident Trump hatte am Freitag (Ortszeit) den neuen Verteidigungshaushalt unterzeichnet und damit die darin enthaltenen Sanktionen gegen Nord Stream 2 in Kraft gesetzt. Sie richten sich gegen Firmen, die am Verlegen der Pipeline beteiligt sind, sowie deren Eigner. Als Strafmaßnahmen sind Einreiseverbote und das Einfrieren von Vermögen in den USA vorgesehen.

    Das Nord-Stream-2-Konsortium hat derweil erklärt, die Ostsee-Gaspipeline trotz Sanktionen so bald wie möglich weiterbauen zu wollen. Moskau wird laut dem russischen Außenministerium weiterhin seine Wirtschaftsprojekte realisieren – unabhängig von Sanktionen jeder Art.

    „Russland hat seine Wirtschaftsprojekte realisiert und wird das auch weiterhin tun – unabhängig von Sanktionen jeder Art. Es wird allerdings interessant sein, inwieweit die europäischen Länder souverän sind, von denen – beispielsweise von Deutschland – Washington mit Befehlsstimme verlangt, den US-Energiebereich demütig zu finanzieren und dabei die eigenen Wirtschaftsinteressen zu vergessen“, unterstrich die Behörde.

    Nord Stream 2

    Das Nord Stream 2-Projekt umfasst den Bau von zwei Strängen einer Gaspipeline mit einer Gesamtkapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von der russischen Küste über die Ostsee nach Deutschland.

    Die Gaspipeline verläuft durch Hoheitsgewässer oder ausschließliche Wirtschaftszonen der Russischen Föderation, Finnlands, Schwedens, Dänemarks und Deutschlands.

    Die Ukraine sowie eine Reihe europäischer Länder wie Polen, Lettland und Litauen, aber auch die USA, die den Absatz ihres Flüssigerdgases in der EU fördern wollen, setzen sich gegen das Projekt ein, indem sie die Pipeline als ein für die Energiesicherheit der EU bedrohliches politisches Projekt bezeichnen. Die russische Seite hat ihrerseits mehrmals erklärt, dass Nord Stream 2 ein kommerzielles und wettbewerbsfähiges Projekt sei und keine Aussetzung des russischen Gastransits durch die Ukraine impliziere.

    ns/ae 

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren
    Themen:
    US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 (44)

    Zum Thema:

    Im Schatten von Corona: Dieser US-Pharmakonzern verdient mit Pandemie Milliarden
    „Srebrenica darf sich niemals wiederholen“: Maas erinnert an Opfer des Massakers vor 25 Jahren
    Oberstes US-Gericht spricht Hälfte von Bundesstaat Oklahoma Ureinwohnern zu
    Abschuss von MH17: Niederlande wollen Russland beim EGMR verklagen
    Tags:
    Außenministerium, Donald Trump, Sanktionen, Nord Stream 2, Ukraine, USA, Russland, Deutschland