12:28 15 Juli 2020
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    Nach den Worten des russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Ursachen des Zweiten Weltkriegs hat sich Polen „beunruhigt und befremdet“ gezeigt.

    In seiner großen Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag hatte Putin erklärt, die sowjetischen Truppen seien erst in Polen einmarschiert, nachdem die polnische Regierung die „Kontrolle über ihre Streitkräfte und über die Geschehnisse auf dem Territorium des Landes” verloren habe. Die polnische Regierung habe sich zu jenem Zeitpunkt irgendwo in der Nähe der polnisch-rumänischen Grenze befunden. Daher habe man nicht einmal einen Ansprechpartner gehabt.

    Bei der Sitzung der Spitzenpolitiker der GUS-Staaten am nächsten Tag erinnerte der russische Staatschef zudem an das Münchner Abkommen von 1938 und an die Beteiligung Polens an der Aufteilung der Tschechoslowakei.

    Am Sonntag kam dann eine Reaktion aus Warschau: „Mit Sorge und Befremdung betrachten wir die Aussagen der Vertreter der russischen Führung, darunter auch des Präsidenten Wladimir Putin, hinsichtlich des Ursprungs und Hergangs des Zweiten Weltkrieges, die ein falsches Bild der Ereignisse abgeben“, heißt es in einer Stellungnahme des polnischen Außenministeriums.

    Der richtige Weg für den russisch-polnischen historischen Dialog wäre die Wiederaufnahme der Arbeit der sogenannten Gruppe für schwierige Fragen, die einige Errungenschaften vorzuweisen habe, darunter auch die Aufklärung über die Rolle der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg.

    Die Worte des russischen Präsidenten würden die „Zusammenarbeit polnischer und russischer Experten“ sowie die Errungenschaften seiner Vorgänger – Michail Gorbatschow und Boris Jelzin – untergraben, die „ungeachtet der Schwierigkeiten“ versucht hätten, den Weg der Wahrheit und Versöhnung in den russisch-polnischen Beziehungen zu gehen.

    „Ein ehrlicher und kritischer Blick auf die Geschichte anstatt von Propaganda würde auch ermöglichen, Millionen von Opfern von Stalins Repressionen zu ehren – auch von der russischen Seite“, hieß es weiter.

    Seit Jahren vertritt Warschau die Meinung, dass die UdSSR im Jahr 1939 - genauso wie Nazi-Deutschland – Polen überfallen hatte. Als einer der Beweise wird der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt vom 23. August 1939 vorgebracht. Gleichzeitig wurde damals ein geheimes Zusatzprotokoll unterzeichnet, welches die Aufteilung der Einflusssphären der Sowjetunion und Deutschlands festlegte. Zur sowjetischen Einflusssphäre gehörte ein Teil des Baltikums, Westweißrussland, die Westukraine und Bessarabien. Damit wurde die europäische Grenze der UdSSR weiter nach Westen verschoben.

    Moskau reagiert auf Kritik

    Es sei gerade die polnische Seite und nicht die russische, die seit vielen Jahren nicht nur die bilateralen Beziehungen, sondern auch die Arbeit der Experten und Historiker untergrabe, sagte am Sonntag die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa.

    „Die aggressive Rhetorik, das Abreißen der Denkmäler für die Kämpfer gegen den Faschismus, die Vorreiter-Rolle bei der Einführung der antirussischen Sanktionen der EU – das sind direkte Beweise dafür“, fügte sie hinzu.

    Russisch-polnische Gruppe

    Die russische-polnische Gruppe für schwierige Fragen war 2002 beim Besuch Putins in Polen gebildet worden. Das Ziel war, die Lücken in den bilateralen Beziehungen im historischen Kontext ohne deren Politisierung zu schließen. Die Arbeit der Gruppe wurde 2015 faktisch eingestellt, als der Vorsitzende der Task Force von der polnischen Seite seinen Posten verließ.

    ta/gs

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    Hitler, Überfall, Polen, Putin, Deutschland