21:02 21 Januar 2020
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    Nach Wunsch des Westens sollte Russland nach der „Niederlage“ im Kalten Krieg „normal“ werden und niemanden stören, so wie die skandinavischen Länder es offenbar tun, bemängelt der einzige französische Außenminister Hubert Vedrin in einem Artikel. Es geht ihm dabei nicht um die „Liebe“ zum Kreml, sondern um das Umdenken der Beziehungen zu Russland.

    Seine Überlegungen zum Thema äußerte Vedrin in einem Gastkommentar für die Zeitung „Le Nouvel Observateur“. So sei die antirussische Welle „manichäisch“, schwarz-weiß. Es würden sich heute nur wenige im Westen daran erinnern, dass die Staatschefs Michail Gorbatschow als „Idealist bei den Beziehungen des künftigen Russlands zum Westen“ sowie später Wladimir Putin und Dmitri Medwedew gegenüber dem Westen offen gewesen seien und übrigens nach dem 11. September 2001 Solidarität gezeigt hätten. Genauso würden die Amerikaner noch weder über die Folgen der wirtschaftlichen „Schocktherapie“ nachdenken, die der Regierung von Jegor Gaidar von den amerikanischen Beratern aufgedrängt worden sei, noch über die Nato-Osterweiterung, die für die einstigen „Volksdemokratien“ von Interesse, für die Russen aber nicht ausgeglichen worden sei.

    Wenigstens bis 2014 seien die Westler aus Triumph, aus Arroganz, aufgrund des mangelnden Interesses an zukünftigen Beziehungen zwischen dem Westen und Russland sowie zwischen Europa und Russland nicht sehr klug gewesen, betont der ehemalige Politiker. Die Initiativen des Präsidenten Jacques Chirac, ein Europa unter Teilnahme Russlands aufzubauen, seien dabei ungenügend gewesen.

    „Warum sind wir daran interessiert, dass die Beziehungen zu Russland schlechter und alarmierender werden, als die zur UdSSR in den letzten 20 Jahren des Kalten Krieges (obwohl die Sowjetunion viel gefährlicher und militärischer gestimmt war)?“, fragt Vedrin. Solch ein „strategischer Starrsinn“ hat laut dem Ex-Politiker eine vereinfachte sowie hochmütige Erklärung.

    „Wir haben gewonnen, sie haben verloren. Deshalb hätten sie (Russen - Anm. d. Red.) normal werden und so etwas wie skandinavische Sozialdemokraten uns nicht mehr stören sollen.“ In gewisser Weise sei man sauer auf die Russen, weil sie Russen und gleichzeitig Europäer geblieben seien, aber auf ihre eigene Weise, so der Politologe. 

    Putin als „sehr nützliche Vogelscheuche“

    „Und dieser Putin! Es geht nicht darum, dass er angeblich besonders gefährlich oder dass Russland so mächtig ist, sondern wie frech er ist! Er hat sich gewagt zu sagen, dass unsere Werte obsolet und unsere Demokratien unwirksam seien.“ Vedrin will Putin weiter keinesfalls schönreden, wirft ihm sogar Mitschuld am Misstrauen oder die „Unterstützung der prorussischen Separatisten im Donbass“ oder die „Annexion“ der Krim vor. Zugleich merkt Vedrin an, dass Putin vom Westen als eine „sehr nützliche Vogelscheuche“ aufgestellt worden sei.

    Deshalb bewegt sich der Westen laut dem Franzosen in Richtung „kriegerischer Moralisierung, eines Geistes der Kreuzzüge, eines ständigen Stellungskrieges und Gleichgültigkeit gegenüber der Annäherung zwischen Russland und China, „die uns Sorge bereiten sollte“.

    „Lasst uns ehrlich sein“, schreibt Vedrin weiter. Es gehe nicht darum, das russische Regime oder Putin zu lieben oder die Russen nicht mehr dazu aufzufordern, „demokratischer“ zu werden, sondern darum, welche Art von Beziehung man zu diesem „großen Land“ haben wolle. Man müsse weg von dem Geist der Kreuzzüge, so der Franzose. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verzeichne damit keine „prorussische Wende“, wie es in den Medien dummerweise hochgeschrieben werde, sondern versuche Frankreich und möglicherweise Europa und den Westen aus der „fruchtlosen Sackgasse“ zu führen.

    lk/gs

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    Tags:
    Westen, Emmanuel Macron, Russland, Frankreich, Jacques Chirac, Wladimir Putin