03:18 10 Juli 2020
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    Die Bundesregierung hat den iranischen Vergeltungsangriff auf US-Stützpunkte im Irak scharf verurteilt, teilte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Mittwoch mit.

    "Ich kann nur sagen, sicherlich im Namen der Bundesregierung, dass wir diese Aggression auf das Schärfste zurückweisen", so Kramp-Karrenbauer im ARD-"Morgenmagazin". Jetzt müsse alles getan werden, um die Lage zu beruhigen.

    "Es wird jetzt entscheidend darauf ankommen, dass wir diese Spirale sich nicht weiter nach oben drehen lassen", betonte Kramp-Karrenbauer. Die Bundesregierung werde dazu alle Möglichkeiten auf allen Kanälen nutzen. "Es ist jetzt vor allem an den Iranern, keine zusätzliche Eskalation zu betreiben, deswegen geht der Appell insbesondere noch einmal nach Teheran."

    Die Ministerin bestätigte, dass bei den iranischen Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak keine deutschen Soldaten verletzt wurden. Nach ihren Angaben stand die Bundesregierung während der ganzen Nacht im Kontakt mit dem US-Verteidigungsministerium.

    "Das hat sehr gut funktioniert", sagte sie. Am Mittwochfrüh seien die zuständigen Abgeordneten im Bundestag informiert worden. ​​Das Bundesverteidigungsministerium werde nun beantragen, dass die 13 Rahmennationen der internationalen Koalition schnellstmöglich zusammenkämen, um über die weitere Situation zu beraten.

    "Wir fordern Iran auf, alle Schritte zu unterlassen, die zu einer weiteren Eskalation führen könnten", so Bundesminister des Auswärtigen Heiko Maas via Twitter.

    Raketenangriff auf irakische Militärbasen mit US-Truppen

    Nach der Tötung des Chefs der iranischen Spezialeinheit al Quds, General Qassem Soleimani, durch einen US-Luftschlag hatte der Korps der iranischen Revolutionsgarden den Beginn einer „Vergeltungsoperation“ angekündigt. Boden-Boden-Raketen wurden in der Nacht auf Mittwoch vom iranischen Territorium aus auf den Stützpunkt Ain al-Asad in der irakischen Provinz Anbar abgefeuert, wo ein US-Militärkontingent stationiert ist.

    Laut der Nachrichtenagentur AFP wurden neun Raketen auf den irakischen Militärstützpunkt Ain al-Asad abgefeuert. Laut der Agentur Reuters wurden insgesamt 15 iranische Raketen auf US-Ziele abgeschossen. Keine davon sei abgefangen worden. Außerdem seien Hubschrauber und militärische Ausrüstung des US-Militärs schwer beschädigt worden, berichtete Reuters unter Verweis auf das iranische Staatsfernsehen.

    Indes hatte der libanesische TV-Sender „Al Mayadeen“ mitgeteilt, dass bei einem Raketenangriff des Irans auf den vom US-Militär genutzten irakischen Stützpunkt Ain al-Assad in der Nacht auf Mittwoch ein US-Kampfjet zerstört worden sei.

    Zu dem Angriff hat sich die iranische Revolutionsgarde bekannt. Indes hatten einige Medien berichtet, dass nicht eine, sondern mindestens zwei US-Militärbasen im Irak attackiert worden seien. Ein weiterer Militärstützpunkt, der offenbar ebenfalls mit Raketen beschossen wurde, liegt in der nördlichen Stadt Erbil.

    „Selbstverteidigungsmaßnahme“

    Am Mittwoch hatte der iranische Außenminister, Dschawad Sarif, den iranischen Angriff auf einen vom US-Militär genutzten Stützpunkt im Irak, von dem aus eine Attacke auf iranische Bürger und Beamte verübt worden sei, als „Selbstverteidigungsmaßnahme“ bezeichnet.

    „Der Iran hat verhältnismäßige Maßnahmen zur Selbstverteidigung in Übereinstimmung mit dem Paragraphen 51 der Uno-Satzung getroffen, indem er den Stützpunkt angegriffen hat, von dem aus ein feiger Angriff gegen unsere Bürger und ranghohe Amtspersonen verübt wurde“, schrieb Sarif auf Twitter.

    ai/dpa

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