18:43 18 Januar 2020
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    Seymour Hersh gilt als einer der größten Investigativjournalisten unserer Zeit. Der Mann, der die schlimmsten US-Kriegsverbrechen in Vietnam (Massaker von My Lai) und im Irak aufdeckte, hat in einem Interview für die Schweizer „Weltwoche“ unter anderem über Russlands Präsident Wladimir Putin und dessen US-Amtskollegen Donald Trump gesprochen.

    Der 82-jährige Pulitzer-Preisträger äußerte sich in dem Gespräch mit dem Schweizer Magazin generell positiv über Trumps Außenpolitik: „Ich unterstütze Trumps Bereitschaft, ausländische Führer zu erreichen.“

    Daher habe er wenig Verständnis für die heutigen US-Demokraten: „Wir haben jetzt eine Situation, in der die Demokraten Putin hassen, Russland hassen. Sie hassen Syrien, hassen China, hassen jeden. Wenn Trump mit den Nordkoreanern spricht, was mir sehr rational erscheint, heißt es: ,Nein, das kann er nicht tun. Er ist ein Narr. Er weiß gar nichts.‘“

    Trumps Vorgehen im Iran kritisiert Hersh jedoch mit harten Worten: „Trumps schlechtdurchdachter Mord wird die irakische Regierung ohne Zweifel sofort unter Druck setzen, alle Amerikaner aus ihrem Land zu vertreiben“, so Hersh. Ein weiterer möglicher Verbündeter der USA im Nahen Osten werde sich gegen Amerika wenden, warnt er.

    Man dürfe auch nicht vergessen, dass die iranische Quds-Truppe, angeführt von Soleimani, eine wichtige Rolle bei der Niederschlagung des IS in Syrien gespielt hat - was vermutlich auch ein amerikanisches Ziel gewesen sei.

    „Man kann sich über die anhaltende selbstzerstörerische Dummheit Amerikas nur wundern.“

    Aber auch mit Trumps Vorgänger Barack Obama habe er „enorme Probleme“ gehabt. „Die Außenpolitik während seiner zweiten Amtszeit war sehr schwach, er überspielte die Schwächen mit seinem Charme und seinem Auftreten als hübscher Junge. Ich denke, er war schrecklich. Er ließ Hillary Clinton tun, was sie wollte.“

    An die angebliche russische Einmischung in die US-Wahl, die Trump zum Sieg verholfen haben soll, glaubt der Journalist nicht: „Hillary hat die Wahl verloren. Ich glaube, dass die Russen genauso viel damit zu tun hatten wie ich.“

    Die wirkliche Geschichte sei nicht Russland, sondern das Ausmaß, in dem die Obama-Regierung der CIA erlaubte, mit ihrem Gutachten an die Öffentlichkeit zu gehen. „Was ist ein Gutachten? Es ist keine Einschätzung des Geheimdienstes. Es ist einfach eine Meinung.“

    Putin ist „sehr konservativ und knallhart“

    Die Amerikaner haben laut Hersh den Standpunkt Russlands nie verstanden. „Putin ist heute der mächtigste Leader in Europa, nun da Merkels Stern am Sinken ist; sie hat wegen der Einwanderungsfrage politische Macht verloren. Er ist sehr konservativ und knallhart.“

    Man habe ewig nach den Milliarden von Dollars gesucht, von denen sie behaupten, dass Putin sie irgendwo versteckt habe wie all die anderen KGB-Leute und die Oligarchen – doch sie hätten nichts gefunden.

    Die Legende des Investigativjournalismus hält Wladimir Putin nach eigenen Worten für den klügsten Mann, den es gebe. „Und er hat einen Draht zu Trump, absolut. Und auch Putin und Präsident (Wladimir – Anm. d. Red.) Selenski in Kiew haben offensichtlich zusammengearbeitet, um den Krieg in der Ukraine zu beenden.“

    Aber Selenski habe es mit einer extremistischen, nationalistischen Masse zu tun, mit der er nicht fertig werde. „Wenn er den Krieg morgen beenden könnte, würde er es tun. Aber sie lassen ihn nicht. Sie werden gegen ihn kämpfen.“

    Hersh war bis 2015 regelmäßiger Mitarbeiter beim US-Wochenmagazin The New Yorker. Er deckt schon seit einem halben Jahrhundert militärische Abenteuer der USA auf. Hersh hat unzählige Titelgeschichten der „New York Times” verfasst, von denen viele die Nation erschütterten und US-Präsidenten erzittern ließ.

    ta/gs

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    Tags:
    Wladimir Putin, Donald Trump