18:48 26 Februar 2020
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    Die Kampfhandlungen in Libyen beeinflussen nach Ansicht des russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht nur die Stabilität in der Region, sondern auch Europa. Die Situation im Land sei eines der Haupthemen des Treffens an diesem Samstag in Moskau zwischen Wladimir Putin und Angela Merkel gewesen.

    „Bei der Erörterung der internationalen und regionalen Agenda wurde zunächst die Lage in Libyen besprochen, wo die Feindseligkeiten in großem Umfang unglücklicherweise weitergehen, die terroristischen Aktivitäten zunehmen und die Wirtschaft und die soziale Sphäre sich, unglücklicherweise für alle, verschlechtern“, so Putin während des Treffens.

    Der russische Staatschef betonte, dass all dies nicht nur die Sicherheit und die Stabilität in der Region selbst untergrabe, „sondern auch eine negative Projektion für Europa habe“. „Ich meine illegale Einwanderung, Schmuggel, die Verbreitung von Waffen und Drogen“, sagte Putin.

    Großer Krieg hätte katastrophale Folgen

    Der Präsident hoffe zudem, dass kein großer Krieg im Nahen Osten kommen werde, da er katastrophale Folgen für die ganze Welt haben würde.

    „Was die Situation insgesamt angeht, so hoffe ich, dass es nicht zu größeren militärischen Konflikten kommt. Die Tatsache, dass es dort einen Krieg gibt, können wir bereits sehen, (einen Krieg) sogenannter niedriger Intensität. Aber dies sind ja Kampfhandlungen, Menschen werden getötet. Das ist eine Tatsache. Es wäre sehr wünschenswert, großangelegte Feindseligkeiten zu vermeiden. Wenn diese ausbrechen würden, wäre dies nicht nur für die Region, den Nahen Osten, sondern auch für die ganze Welt eine Katastrophe“, kommentierte Putin die Situation im Nahen Osten.

    Ihm zufolge werden solche Aktionen nicht nur nach Europa, sondern auch in andere Regionen zu einer „erneuten Flucht von Menschen aus den Gebieten des traditionellen Wohnsitzes in großem Maßstab, zu neuen Flüchtlingsströmen“ führen.

    In Bezug auf mögliche russische Söldner in Libyen sagte Putin, dass sie, falls es sie dort überhaupt gebe, „nicht die Interessen Russlands vertreten und kein Geld von Russland erhalten“.

    Libyen-Konferenz in Berlin

    Russland unterstützt laut dem Präsidenten die deutsche Initiative zur Abhaltung einer internationalen Libyen-Konferenz in Berlin unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, aber „einige Sachen bedürfen noch der Vorarbeit“.

    Diese Konferenz könnte der nächste „sehr gute Schritt in die richtige Richtung sein, um negative Phänomene zu verhindern“. „Wir könnten eine schrittweise friedliche Beilegung des Konflikts beginnen“, fügte der Präsident hinzu.

    Lage in Libyen

    Seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Muammar al-Gaddafi vor fast neun Jahren steckt Libyen im Kriegschaos und wird von einer Doppelherrschaft geführt. Im Osten regiert der vom Volk gewählte Abgeordnetenrat, der sich auf die Libysche Nationalarmee um Marschall Khalifa Haftar stützt.

    Diese kündigte am 12. Dezember eine Entscheidungsschlacht um die Hauptstadt Tripolis an. Medien berichteten von Zusammenstößen zwischen Haftars Truppen und den Streitkräften der international anerkannten Regierung in Tripolis. Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate stehen hinter Marshall Haftar, der immer wieder versucht, die Macht in Tripolis zu ergreifen.

    Das türkische Parlament hatte am vergangenen Donnerstag eine mögliche Militärintervention in Libyen genehmigt. Das Gegenparlament im Osten Libyens hatte daraufhin am Samstag für einen Abbruch der Beziehungen zur Türkei gestimmt und das entsprechende Abkommen des westlichen Parlaments abgelehnt.

    Später erklärte der türkische Präsident Erdogan, dass erste Truppen nach Libyen bereits unterwegs seien.

    aa/mt/sna

     

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    Tags:
    Europa, Konferenz, Katastrophe, Krieg, Libyen, Angela Merkel, Putin