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    Die Nato will in diesem Jahr gegen den im Westen umstrittenen russischen Marschflugkörper 9M729 (auch SSC-8) vorgehen. Die entsprechende Arbeit an FlaRak-Systemen und erhöhter Alarmbereitschaft verkündete Allianz-Chef Jens Stoltenberg am Montag gegenüber der dpa.

    Die Nato betrachtet die 9M729-Raketen Russlands als einen Verstoß gegen den INF-Vertrag, der letztes Jahr von den USA gekündigt worden war.

    „Wenn es um die SSC-8 geht, werden wir an Luftverteidigungs- und Flugkörperabwehrsystemen arbeiten, an konventionellen Waffen, an erhöhter Alarmbereitschaft und einer Verlängerung der Vorwarnzeiten“, sagte Generalsekretär Stoltenberg Auf den Rahmen dafür hätten sich die Nato-Verteidigungsminister bereits geeinigt.

    Die Stationierung der SSC-8-Marschflugkörper sei Teil „der russischen Strategie, stark in neue moderne Fähigkeiten zu investieren – einschließlich neuer moderner Atomwaffen“, erklärte Stoltenberg. Darauf reagiere die Nato defensiv und angemessen.

    Zudem betonte Stoltenberg, dass die Nato keine Absicht habe, neue landgestützte Atomraketen in Europa zu stationieren. Ein weiteres Ziel sei, die Rüstungskontrolle zu stärken. Dies ist vor allem auch ein Anliegen von Bündnisstaaten wie Deutschland.

    Raketenstationierung in Europa

    Im vergangenen Jahr schlug der russische Präsident Wladimir Putin der Nato ein gegenseitiges Moratorium für die Stationierung von Mittel- und Kurzstreckenraketen in Europa vor. Der Vorstoß wurde von der Allianz abgelehnt. Eine Sprecherin nannte das Angebot damals unglaubwürdig, denn Russland soll bereits seine Mittelstreckenraketen SSC-8 stationiert haben.

    Dieser Komplex soll laut der Nato in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die sich mit Atomsprengköpfen bestücken lassen und mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können. Moskau weist dies zurück und gibt die Reichweite des Systems mit unter 500 Kilometern an.

    INF-Vertrag

    Am 2. August 2019 war der INF-Vertrag, der Washington und Moskau Produktion, Tests und Besitz von bodengestützten ballistischen Raketen und Marschflugkörpern mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern untersagte, ausgelaufen – nachdem die USA diesen Anfang Februar aufgekündigt hatten. Als Grund für die Kündigung nannten die USA die russischen 9M729-Systeme sowie die Tatsache, dass der INF-Vertrag nur Amerikaner und Russen band, nicht aber aufstrebende Militärmächte wie China.

    Russland hatte die Vertragswidrigkeit seiner Raketen mehrmals bestritten und Vertretern der Vereinigten Staaten vorgeschlagen, das System 9M729 selbst zu inspizieren. Allerdings wurde das Angebot ignoriert. Inzwischen haben die USA nach der Vertragskündigung bereits mehrmals Tests von nichtnuklearen Marschflugkörpern durchgeführt, die zuvor von dem Vertrag verboten waren.

    msch/sb/sna/dpa

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    Tags:
    INF-Vertrag, Russland, NATO, Rakete 9M729, Jens Stoltenberg