22:03 21 Januar 2020
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    Die schwedische Armee hat einen Mann mit falschem Diplom eines Offizierskollegs in das Nato-Hauptquartier in Belgien geschickt. Darüber berichtet die Tageszeitung „Dagens Nyheter“. Der falsche „Offizier“ diente unter anderem bei Auslandsmissionen und hatte den Zugang zu vertraulichen Informationen.

    Demnach behauptete der Mann, dessen Name nicht genannt wird, 1999 das Offizierskolleg für Fernmeldetruppen in Enköping absolviert zu haben. Tatsächlich habe er dort nie studiert – und ein Diplom mit einer Unterschrift eines nicht existierenden Obersten gefälscht.

    Laut der Zeitung stand im gefälschten Diplom geschrieben, dass der Betrüger seine Abschlussprüfung am 17. Juni 1999 abgelegt hatte. Nach Archivangaben fand die Prüfung im Kolleg in der Tat am 18. Juni 1999 statt.

    Dieses Abschlusszeugnis sei erforderlich, um einen Offiziersdienstgrad zu bekommen, Ämter im Verteidigungsministerium inne zu haben und den Zugang zu vertraulichen Informationen zu erhalten.

    Danach habe der Mann als Hauptmann im Kosovo und als Major in Afghanistan gedient, wo er Soldaten beaufsichtigt habe und für die Informationssicherheit zuständig gewesen sei. Eigentlich hätte er dafür einen Reserveoffizier-Dienstgrad haben und eine Sonderausbildung an dem National Defense College erhalten haben sollen. Beides habe jedoch gefehlt.

    Beim militärischen Geheimdienst tätig

    Zwischen 2007 und 2010 und später, im Jahr 2013, habe der Mann beim Militärischen Nachrichten- und Sicherheitsdienst (MUST) gearbeitet, wo er Systeme zum Management von Krypto-Schlüsseln entwickelt habe, mit denen die Telekommunikation im Verteidigungsbereich verschlüsselt worden sei.

    Außerdem sei er jahrelang in einer Tochtergesellschaft des Verteidigungskonzerns Saab tätig gewesen. Dort habe er sich mit dem Datenschutz für die schwedische Beschaffungsbehörde befasst.

    Dienst beim Nato-Hauptquartier

    Der „Offizier“ sei 2012 ins Nato-Hauptquartier nach Brüssel entsandt worden. Der Betrug sei erst fünf Jahre später von der Küstenwache aufgedeckt worden, wo der Mann einen hohen Posten mit Zugang zu geheimem Material gehabt habe. Die Küstenwache habe behauptet, ihn von seinem Spitzenposten entfernt und die Streitkräfte im Dezember 2018 entsprechend alarmiert zu haben. Der Mann sei jedoch im Sommer 2019 für einen leitenden Posten bei der schwedischen UN-Operation in Mali ausgewählt worden. Das Amt habe er nicht angetreten. Das Militär habe der Küstenwache vorgeworfen, es nicht rechtzeitig über die falschen Referenzen des Mannes informiert zu haben.

    Das schwedische Verteidigungsministerium ermittle in der Sache.

    Schwedens Verteidigungsminister Peter Hultqvist bestätigte, dass sein Ministerium im vergangenen Januar vom Justizministerium offizielle Informationen über den Mann von der Küstenwache mit „zweifelhaftem Lebenslauf“ erhalten hatte, woraufhin die Küstenwache den Mann aus dem Dienst nahm und die Streitkräfte informierte.

    „Schwere Vorwürfe”

    Die Sprecherin des Nato-Hauptquartiers in Brüssel, Juanita Chang, sprach in diesem Zusammenhang von „schweren Vorwürfen“. „Die Nato und Schweden sind enge Partner, und wir werden den Kontakt unterhalten, solange die Untersuchung dieses Falls läuft“, sagte sie gegenüber der „Dagens Nyheter“. Zuständig für die Überprüfung des Mitarbeiters sowie für dessen Zugang zu vertraulichen Informationen sei jedoch sein Herkunftsland, betonte sie. In diesem Fall sei es Schweden.

    Zwar ist Schweden formell blockfrei, in den letzten Jahren hat es jedoch seine Verteidigungszusammenarbeit sowohl mit der Nato als auch mit den USA deutlich intensiviert.

    asch/ip/

     

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    Tags:
    Betrug, Offizier, NATO, Schweden