01:15 02 Juni 2020
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    Wenn westliche Länder dem Nato-Partner Türkei Militärtechnik verweigern, wird Ankara mit Moskau zusammenarbeiten müssen, schreibt das Portal „Defense News“. Nachdem Russland gerade erst Abwehrsysteme S-400 an das türkische Militär geliefert hat, naht ein weiterer türkisch-russischer Rüstungsdeal.

    Man stelle keine Vorbedingungen, um über den Kauf amerikanischer Flugabwehrsysteme zu verhandeln, erklärte die Führung in Ankara, als sie vor wenigen Wochen Interesse am Luftverteidigungssystem Patriot bekundete. Darauf reagierte die US-Regierung erneut mit heftigem Druck: Das türkische Militär solle das russische S-400-System auf keinen Fall aktivieren, hieß es.

    Vergangenes Jahr erhielt die Türkei die ersten zwei Batterien des Flugabwehrsystems S-400 von Russland. Die Lieferung ist Teil eines 2,5-Milliarden-Dollar-Vertrags, den Ankara unter lautstarkem Protest aus Washington mit Moskau geschlossen hat. Daraufhin haben die USA die weitere Teilnahme der Türkei am Kampfjetprogramm F-35 abgesagt.

    „Auf welche Art auch immer der Westen sich aus politischen Gründen weigert, Technologien mit uns zu teilen, das führt doch nur dazu, dass wir uns nach Alternativen umsehen in Ländern, die keine politischen Probleme mit uns haben. Russland gehört ausdrücklich dazu“, sagte ein türkischer Verteidigungspolitiker laut „Defense News“.

    Russland hat nämlich kurz vor dem Jahreswechsel angekündigt, 2020 mit der vorläufigen Erprobung des neuesten Flugabwehrsystems S-500 zu beginnen. Im Mai 2018 hatte Russland bereits eine Boden-Luft-Rakete mit diesem Abwehrsystem getestet.

    Es herrsche Konsens in Ankara, dass russische Rüstungstechnik soweit es gehe zu erwerben sei, „solange unsere westlichen Partner uns ähnliche Technik vorenthalten“, sagte ein türkischer Diplomat laut dem Portal. „Dies betrifft auch das S-500-System.“ Zum Stand der Verhandlungen darüber sagte der türkische Beamte nichts, außer: „Alles läuft gut, wie geplant.“

    Vorher, im Mai letzten Jahres, hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärt, ein S-500-Deal werde “wahrscheinlich” kommen, “in Form einer Gemeinschaftsfertigung”. Letzten Monat bestätigte Ankara allerdings auch das Interesse am Kauf des amerikanischen Patriot-Systems.

    Außerdem verhandelte die Türkei mit dem französisch-italienischen Rüstungshersteller Eurosam über die Entwicklung eines türkischen Luftverteidigungssystems auf der Basis des Abwehrsystems SAMP/T. Doch vor wenigen Tagen erklärte der Chef der türkischen Rüstungsindustrieaufsicht, die französische Regierung behindere den Fortgang der Verhandlungen.

    Derweil verhandeln Ankara und Moskau über den Kauf weiterer S-400-Systeme, wie der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar im vergangenen Dezember sagte. Dabei gehe es der Türkei um eine Gemeinschaftsfertigung, um Technologietransfer und um das Recht auf den Export des S-400-Systems an Drittländer, erklärte der Minister laut dem Portal.

    Auf die Forderung der Amerikaner, das türkische Militär solle die schon ausgelieferten S-400-Systeme nicht aktivieren, sagte indes der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu laut dem Portal, man habe S-400 nicht gekauft, „um es im Lagerhaus aufzubewahren“.

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    Tags:
    Russland, Patriot, USA, Türkei, S-400, F-35