06:18 16 Juli 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    1647
    Abonnieren

    Warschau versucht laut Russlands amtierendem Außenminister Sergej Lawrow, den westlichen Ländern die polnische Sichtweise auf die Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs aufzudrängen, damit sie diese auf dem World Holocaust Remembrance Forum, das am 23. Januar in Jerusalem staatfindet, vertreten.

     „Wir wissen mit Sicherheit, dass unsere polnischen Kollegen – obwohl Präsident (Polens Präsident Andrzej – Anm.d.Red.) Duda bereits bekanntgab, dass er an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen wird – versuchen, die westlichen Teilnehmer dieser Zeremonie – darunter auch die Vereinigten Staaten und einige europäische Politiker – davon zu überzeugen, in ihren Reden den polnischen Standpunkt über Russlands Positionen zum Zweiten Weltkrieg darzulegen“, sagte Lawrow in einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen der Tätigkeit der russischen Diplomatie 2019 am Freitag.

    Ihm zufolge werden „die Versuche, unser Land bezüglich der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs zu verleumden, die Ursachen des Zweiten Weltkriegs und die Versuche, diese Lüge zu nutzen, um Russlands Position auf der internationalen Bühne zu schwächen“ fortgesetzt. 

    „Solche Methoden sind in Anbetracht des Ereignisses, in dessen Rahmen sie angewendet werden, völlig unanständig“, unterstrich der russische Chefdiplomat.

    Das Forum ist dem 75. Jahrestag der Befreiung des nazistischen Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Truppen am 23. Januar 1945 gewidmet. Der größte Teil der Veranstaltungen soll im Museum Yad Vashem in Jerusalem stattfinden. Eingeladen sind Delegationen aus Dutzenden von Ländern. Der russische Präsident Wladimir Putin, der vom israelischen Präsidenten Reuven Rivlin nach Jerusalem eingeladen wurde, wird voraussichtlich nicht nur am internationalen Forum teilnehmen, sondern auch bei der Eröffnungszeremonie des Denkmals für die Blockade von Leningrad im zentralen Jerusalemer Sacker-Park anwesend sein.

    Putins Idee von Kriegsarchiv

    Russlands Präsident Wladimir Putin gab am Mittwoch in seiner jährlichen Ansprache an die Föderale Versammlung bekannt, Russland werde die größte und umfassendste Sammlung von Archivdokumenten, Filmen und Fotomaterialien zum Zweiten Weltkrieg erstellen, die sowohl den Russen als auch der ganzen Welt zur Verfügung stehen würde. Polen unterstützte diese Initiative und erklärte sich sogar bereit, Hilfe dabei zu leisten.

    Warschau gibt Sowjetunion Schuld am Beginn von Zweitem Weltkrieg

    Der polnische Sejm hat am 9. Januar eine Resolution verabschiedet, der zufolge die Sowjetunion zusammen mit Hitlerdeutschland für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verantwortlich war.

    Das Vorgehen der „zwei damaligen totalitären Mächte“ habe zum Ausbruch des Krieges geführt, so das Dokument. Polen und andere Staaten Mittel- und Osteuropas wären nach dem Molotow-Ribbentrop-Pakt die „ersten Opfer“ gewesen.

    Putins Kritik an polnischem Botschafter

    Im Dezember vergangenen Jahres hatte sich der russische Präsident in einer Sitzung des russischen Verteidigungsministeriums ungewöhnlich scharf zu Josef Lipski, dem polnischen Botschafter in Berlin in den Jahren 1933 bis 1939, geäußert. Er bezeichnete ihn als einen „Lumpen und ein antisemitisches Schwein“, da sich der damalige polnische Diplomat „mit Hitler in seinen  antisemitischen Gesinnungen solidarisiert“ und versprochen habe, Hitler zu Ehren ein Denkmal in Warschau zu errichten.

    Zudem hatte Putin in seiner großen Pressekonferenz am 19. Dezember erklärt, die sowjetischen Truppen seien erst in Polen einmarschiert, nachdem die polnische Regierung die „Kontrolle über ihre Streitkräfte und über die Geschehnisse auf dem Territorium des Landes” verloren habe. Die polnische Regierung habe sich zu jenem Zeitpunkt irgendwo in der Nähe der polnisch-rumänischen Grenze befunden. Daher habe man nicht einmal einen Ansprechpartner gehabt.

    In der Sitzung der Spitzenpolitiker der GUS-Staaten am nächsten Tag erinnerte der russische Staatschef zudem an das Münchner Abkommen von 1938 und an die Beteiligung Polens an der Aufteilung der Tschechoslowakei.

    Polen nimmt Stellung

    Eine Reihe polnischer Politiker hatte darauf mit Vorwürfen gegen Putin reagiert. Dem polnischen Premierminister Mateusz Morawiecki zufolge hat Moskau „eine Reihe ernsthafter Niederlagen“ hinnehmen müssen. So sei es Russland nicht gelungen, sich „Weißrussland vollständig gefügig zu machen“. Unter anderem habe die Europäische Union die Sanktionen wegen der Krim verlängert.

    Der ehemalige Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk hatte die polnische Regierung und die Opposition dazu aufgerufen, gegen Wladimir Putins „Lügen“ gemeinsam vorzugehen.

    Polens Ex-Verteidigungsminister Antoni Macierewicz hatte Putin vorgeworfen, die Zerstörung der „polnisch-amerikanischen“ Allianz anzustreben.

    sm/gs

    Zum Thema:

    Dafür wurde die EU geschaffen – Trump erläutert
    Merkel spricht mit Putin – Konflikt in der Ukraine im Fokus
    Mindestens sieben Schiffe im iranischen Hafen in Brand geraten
    Tags:
    Polen, Zweiter Weltkrieg, Sergej Lawrow