16:06 23 Februar 2020
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    Der US-Botschafter in Südkorea, Harry Harris, steht in letzter Zeit im Kreuzfeuer der Kritik. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste Grund ist dessen jüngste Kritik am südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In. Doch der zweite ist alles andere als gewöhnlich: Manche Südkoreaner empören sich derzeit offenbar über den Bartwuchs des US-Diplomaten.

    Harris klagte am Donnerstag gegenüber Journalisten über die negativen Kommentare anonymer Nutzer in Bezug auf seinen Schnurrbart. Sein Gesichtshaar sei „aus irgendeinem Grund“ Gegenstand der Aufregung in den südkoreanischen Medien geworden. „Wenn Sie die sozialen Netzwerken verfolgen, da ist alles drin“, sagte Harris.

    Einem Außenstehenden ist vermutlich nicht klar, was an dem Schnurrbart des US-Botschafters auszusetzen ist. Doch offenbar hat das mit der japanischen Besetzung von 1910 bis 1945 zu tun: Der Bartwuchs von Harry Harris ähnelt, so die Kritik, dem der japanischen Kolonialherren, die in jenen Jahren die koreanische Bevölkerung stark unterdrückten. Viele Koreaner wurden damals zudem getötet oder versklavt.

    Alle acht japanischen Generalgouverneure (die „Hauptverwalter” Koreas) trugen während der Kolonialzeit solche Schnurrbärte – auch der japanische Premierminister General Hideki Tojo. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von einem internationalen Militärtribunal zum Tod verurteilt und hingerichtet.

    Was die Sache noch heikler macht, ist Harris’ Herkunft: Er ist Sohn einer japanischen Mutter und eines amerikanischen Vaters. Viele Kritiker verweisen auf diese Tatsache, obwohl Harris US-Staatsbürger ist und seine Herkunft deshalb keine Rolle spielen sollte.

    Die Beziehungen zwischen Japan und Südkorea haben sich seit Oktober 2018 verschlechtert. Damals entschied das oberste Gericht Südkoreas, dass japanische Firmen Entschädigung an Südkoreaner zahlen müssen, die während der Besetzung der Koreanischen Halbinsel Zwangsarbeit leisten mussten. Japan reagierte empört.

    Empörung wegen Kritik am Präsidenten

    Zudem zog Harris die Wut der Südkoreaner auf sich, weil er die Vorschläge des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In zur innerkoreanischen Zusammenarbeit kritisierte.

    Harris hatte am Donnerstag die Regierung in Seoul öffentlich aufgerufen, solche Pläne mit Washington zu koordinieren.

    Darauf folgte sofort eine Reaktion von der Regierung: Es sei von Harris „sehr unangemessen, solche Bemerkungen über Äußerungen des Präsidenten des Gastgeberlandes vor Medien zu machen“, sagte ein Beamter des Präsidialamts am Freitag.

    Es sei zudem Sache der südkoreanischen Regierung, Entscheidungen zur Zusammenarbeit mit Nordkorea zu treffen, so der Beamte weiter. Seoul sei aber ohnehin immer in engen Konsultationen mit Washington.

    ta/gs

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