12:04 19 Februar 2020
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    Die polnische Bevölkerung hat 1945 die Rote Armee sehr begeistert empfangen, da sie der Vorbote des Kriegsendes war. Der sowjetische Militäraufklärer Alexej Botjan, der eine wichtige Rolle bei der Bewahrung von Krakau vor der Vernichtung durch die deutsche Wehrmacht gespielt hatte, sagte dies in einem Gespräch mit RIA Novosti am Sonntag.

    „Darauf haben alle sehnlichst gewartet, denn Partisanen sind immerhin eine Sache und die Rote Armee eine andere. Und die Leute waren sehr aufgeregt, erfreut, dass der Krieg bald enden würde. Die Rote Armee wurde begeistert begrüßt, von der Bevölkerung, meine ich“, sagte Botjan, der den Ehrentitel „Held der Russischen Föderation“ trägt.

    Dennoch seien die Kämpfer der polnischen „Armia Krajowa“ (AK; dt. Heimatarmee) „nicht zufrieden“ gewesen, da sie ursprünglich eine selbständige Befreiung Polens geplant hätten, präzisierte der heute 102-Jährige.

    Botjan ging außerdem auf die Einzelheiten der von ihm selbst geleiteten Operation ein, bei der die Stadt Krakau gerettet wurde. Ihm zufolge wurde das Jagiellonen-Schloss bei Krakau, in dem die Nazis ein riesiges Sprengstoff-Depot eingerichtet hatten, von sowjetischen Partisanen so gesprengt, dass alle Häuser in der Nähe durch die Wucht der Explosion zerstört wurden.

    „Die Deutschen (die Besatzer – Anm. d. Red.) kamen gerade, um sich dort nachzurüsten. (...) Die Explosion war so stark, dass nicht nur dieses Schloss hochflog, sondern auch alle Gebäude in der Nähe zerstört wurden“, so Botjan.

    Dank seiner Polnischkenntnisse habe er „sehr gute Verbindungen zum polnischen Untergrund“ aufbauen können. Dies habe ihm geholfen, einen Mann polnischer Herkunft zu finden, der im Schloss arbeitete und sich bereiterklärte, dort eine Bombe zu legen. Die Wehrmacht-Soldaten hätten geplant, bei ihrem Rückzug mithilfe des im Schloss deponierten Sprengstoffs einen Damm nahe Krakau zu sprengen und so die Stadt zu überfluten.

    „Somit gab ich Hitler nicht die Gelegenheit, die Stadt Krakau zu zerstören. Sie hatten nichts, womit sie das hätten tun können. (...) Und so haben wir Krakau gerettet. Und dann, als die Rote Armee kam, zogen die Deutschen (die Besatzer – Anm. d. Red.) nicht über die Wege ab, sondern durch die Wälder. Wir fingen sie gruppenweise im Wald. Also war die Offensive sehr effektiv“, fügte Botjan hinzu.

    Befreiung Krakaus

    Am 19. Januar jährt sich zum 75. Mal die Befreiung der polnischen Stadt Krakau durch die Rote Armee. Die deutsche Wehrmacht wollte darin eine Falle errichten und Krakau samt den sowjetischen Soldaten und seinen Bewohnern überfluten lassen. Diese unmenschlichen Pläne konnten dank der Operation einer Gruppe unter dem Kommando von Botjan nicht verwirklicht werden. Dafür wurde er 2007 mit dem Titel „Held Russlands“ ausgezeichnet.

    „Armia Krajowa“

    Die Polnische Heimatarmee – paramilitärische Gruppen – wurde 1942 auf Initiative der polnischen Exilregierung in London gegründet. Sie betrachtete sich als polnische Streitkräfte. Das Rückgrat der Heimatarmee bildeten ehemalige Offiziere der Polnischen Volksarmee. Die AK wollte mit Hilfe der USA und Großbritanniens die polnische Staatlichkeit der Vorkriegszeit wiederherstellen.

    Die Sowjetunion wurde von der „Armia Krajowa“ als situativer Verbündeter im Kampf gegen Deutschland betrachtet. Dann kam hinzu, dass sie einen Aufstand gegen die UdSSR mit dem Ziel plante, alle Gebiete, die bis 1939 Polen gehörten, dann jedoch in Übereinstimmung mit dem internationalen Völkerrecht an die Sowjetunion abgetreten wurden, wieder unter Kontrolle Polens zu stellen. 

    Tatsächlich spielte die „Armia Krajowa“ ein Doppelspiel – es gibt Dokumente, die belegen, dass London die AK instrumentalisierte, um sich heimlich gegen die UdSSR, seinen Verbündeten in der Anti-Hitler-Koalition, zu stellen. Es ist bekannt, dass die AK-Kämpfer, gesteuert durch die britischen Geheimdienste, den Vormarsch der Roten Armee nach Westen behinderten, indem sie subversive Aktivitäten im Rücken ausübte, bis hin zu Morden an sowjetischen Soldaten und Offizieren.

    Warschau will Befreiung von Nazis nicht feiern

    Zuvor hatte der Pressedienst von Warschau bekannt gegeben, dass die Stadt den 75. Jahrestag der Befreiung von den deutschen Besatzern nicht offiziell feiern werde. „Seit vielen Jahren ist der 17. Januar kein Datum, das in Warschau offiziell gefeiert wird“, hieß es.

    pd/sb/sna/

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    Dokumente, Großbritannien, USA, Warschau, Bevölkerung, Wehrmacht, Vernichtung, Operation, Befreiung, Krakau, Polen