15:54 26 Februar 2020
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    Berliner Libyen-Konferenz und Entwicklungen danach (30)
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    Kurz vor dem Beginn der Libyen-Konferenz in Berlin hat der Premier der in Tripolis ansässigen libyschen Einheitsregierung, Fajis al-Sarradsch, im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ die Völkergemeinschaft aufgerufen, Libyen zu Hilfe zu kommen und dafür eine Schutztruppe unter dem UN-Dach zu bilden.

    „Wenn General Chalifa Haftar (der Befehlshaber der Libyschen Nationalarmee/LNA – Anm. d. Red.) seine Offensive nicht einstellt, muss die internationale Gemeinschaft aktiv werden und zwar auch mit einer internationalen Truppe zum Schutz der libyschen Zivilbevölkerung“, sagte al-Sarradsch.

    „Eine solche Schutztruppe muss unter dem Dach der Vereinten Nationen agieren“, sagte al-Sarradsch. Ihm zufolge müssten Fachleute beraten, wer daran teilnehme, „etwa die EU oder die Afrikanische Union oder die Arabische Liga“.

    "Die Europäer kamen zu spät"

    Al-Sarradsch bemängelte die Rolle der EU bei der Beilegung des Libyen-Konfliktes. „Leider war die Rolle der Europäischen Union bisher sehr bescheiden“, sagte er. „Wir hatten erwartet, dass sich die EU klar gegen die Offensive von Haftar stellt und hilft, die aktuelle Krise in Libyen zu beenden“, sagte der Premier. Ihm zufolge müsste die EU Selbstkritik üben. „Die Europäer sind zu spät gekommen“, so Sarradsch.

    Chalifa Haftar hatte bei einem Treffen am Montag in Moskau die Unterzeichnung eines Waffenstillstands vorerst abgelehnt. Es hieß, er wolle sich diesbezüglich noch mit den Stammesältesten beraten.

    Deutschland hat am vergangenen Dienstag eine Konferenz angekündigt, deren Ziel es ist, die Friedensbemühungen der Vereinten Nationen in Libyen zu unterstützen.

    Lage in Libyen

    Nach dem Sturz und der Ermordung des libyschen Staatschefs Muammar Gaddafi im Jahr 2011 hat Libyen praktisch aufgehört, als einheitlicher Staat zu existieren. Es gibt heute eine Doppelherrschaft im Land: Im Osten tagt das vom Volk gewählte Parlament und im Westen – in der Hauptstadt Tripolis – regiert die mit Unterstützung der Uno und der EU gebildete Nationale Einheitsregierung mit Fajis al-Sarradsch an der Spitze. Die Behörden des Ostteils des Landes agieren unabhängig von Tripolis und kooperieren mit der Libyschen Nationalarmee.

    ls/mt

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    Tags:
    EU, Uno, Chalifa Haftar, Fajis al-Sarradsch, Welt am Sonntag, Deutschland, Libyen