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    In Libyen ist die Ölförderung um rund 800.000 Barrel pro Tag zurückgegangen, nachdem die Exporthäfen durch Einheiten der von General Chalifa Haftar befehligten Libyschen Nationalen Armee blockiert wurden.

    Das größte Ölvorkommen Libyens, al-Scharara, wurde gesperrt, berichtete die Nationale Ölkorporation (NOC).

    „Nachdem die Pipeline gesperrt wurde, die das Ölfeld mit der Raffinerie in az-Zawiya verbindet, wurden alle Bohrlöcher von al-Scharara lahmgelegt“, berichten libysche Medien. Neben al-Scharara wurde auch der Betrieb im nahegelegenen Vorkommen al-Fil stillgelegt. Auf den Ölfeldern wurden jeden Tag knapp 400.000 Barrel gefördert.

    Der Vorsitzende der Regierung der nationalen Einheit, Fayez as-Sarradsch, forderte die unverzügliche Wiederaufnahme des Ölexports. „Der Preissprung beim Öl ist eine vernünftige Antwort auf die Meldungen aus Libyen und zeigt, dass der Markt hochgradig nervös ist“, sagte der Analyst von CMC Markets, Michael McCarthy.

    Wie Quellen in den ostlibyschen Stämmen Cyrenaikas (Ostlibyen) gegenüber Sputnik mitteilten, wollen sie die Ölförderung in allen Ölvorkommen des nordafrikanischen Landes stoppen. Ihnen zufolge wurde bereits der Betrieb von 300 Bohrvorrichtungen eingestellt, in den kommenden Tagen werden die Bohrlöcher im Westen des Landes dichtgemacht.

    Diese Informationen bestätigte der Scheich des Stammes Zuwayya, al Sanusi al Khaliq. Ihm zufolge soll die Ölförderung in ganz Libyen gestoppt werden. „Alle Libyer sind gegen ausländische Einmischung, sie sind bereit, ihr Land mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.“

    „Wir kontrollieren 99 Prozent der libyschen Ölvorkommen. Deswegen können wir darüber entscheiden, ob die Förderung aufgenommen oder gesperrt wird. Jetzt sind 372 Bohrlöcher geschlossen. Es wird auch an der Sperrung anderer Bohrlöcher gearbeitet“, sagte al Khaliq.

    Das Oberhaupt der Munizipalität al Kufra (die größte Munizipalität in Libyen, Teil von Cyrenaika), Miftah Abu Khalil, sagte gegenüber Sputnik, dass alle Stämme entschlossen seien, sich gegen jedwede ausländische Einmischung im Lande zu wehren und ihr Land und seine Bodenschätze zu verteidigen. Er sagte, dass alle Stämme auf die vollständige Einstellung der Ölförderung abzielen. Die Menschen meinten, dass es der libyschen Wirtschaft kaum schlechter gehen würde als jetzt. Die regierenden Parteien verkaufen seit 2011 planmäßig alles ins Ausland, was möglich ist.

    Die Lage in Libyen verschärfte sich nach den Forderungen des Chefs der Regierung der nationalen Einheit, Fayez as-Sarradsch, nach der sofortigen Wiederaufnahme der Ölexporte.

    Mit der Sperrung der 800 Kilometer südwestlich von Tripolis gelegenen zwei Vorkommen kam praktisch die gesamte Ölindustrie in Libyen zum Erliegen. Am Samstag rief die Nationale Ölkorporation nach der Einstellung der Öl-Verladung an den Terminalen des „Öl-Halbmondes“ (Küste des Golfes von Sirte) die Alarmstufe „Höhere Gewalt“ aus. Die dort gelegenen Exporthäfen Ras Lanuf, Sidra, Brega, Al Hariga und Zuveytina wurden aus Protest geschlossen. Nach Angaben der Korporation würde das einen Verlust bei der Ölförderung von 800.000 Barrel und von rund 55 Millionen Dollar pro Tag nach sich ziehen.

    Am Freitag erklärten das Forum der libyschen Stämme und der Städte des Ostens die Absicht der Exporteure, die Öl-Verladung in den Häfen einzustellen, bis unter Kontrolle der UN ein spezielles Konto eröffnet wird, auf das die Einnahmen von dem durch den Osten des Landes exportierten Öl eingehen werden. Die Stämme und die Öffentlichkeit der östlichen Region sind äußerst unzufrieden darüber, dass alle Öleinnahmen auf die Konten der Zentralbank des Landes in Tripolis gelangen. Ihnen zufolge werden mit diesen Geldern Extremisten und neue Waffen bezahlt, während der Osten des Landes leer ausgeht.

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    Ölförderung, Fajis al-Sarradsch, Libyen