03:31 06 Dezember 2020
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    Die Mutter von Naama Issachar, einer Israelin, die in Russland wegen Drogenschmuggels zu siebeneinhalb Jahren Strafkolonie verurteilt worden war, hat sich am Donnerstag mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Jerusalem getroffen. Sie bat den Präsidenten darum, ihre Tochter zu begnadigen.

    Das Treffen zwischen der Mutter und dem russischen Staatschef fand während Putins Besuch in Jerusalem statt. Der Kreml hat inzwischen eine Mitschrift des Gesprächs der beiden veröffentlicht. „Ich bin gerührt, dass Sie sich zu einem Treffen mit mir bereit erklärt haben und mir Ihre Zeit widmen. Ich bin sehr aufgeregt“, sagte die Mutter der Verurteilten, Jaffa Issachar.

    Sie fügte hinzu, das ihre Tochter vor ihrer Festnahme in Moskau auf dem Weg nach Israel gewesen sei, um dort eine Familie zu gründen. 

    „Ich bitte Sie sehr darum, Herr Präsident. Bitte, lassen Sie meine Tochter nach Hause kommen. Ich vermisse sie sehr und träume davon, sie in meine Arme zu schließen“, bat die Israelin.

    „Ich bin ein einfacher Mensch, der sich mit Ihnen in der Residenz des israelischen Premierministers trifft. Und ich bitte Sie noch einmal darum, Erbarmen zu haben. Begnadigen Sie meine Tochter und lassen Sie sie heimkehren, zu mir – denn sie ist mein Leben. Ich habe zwei Töchter, und sie bedeuten mir alles“, sagte die Mutter.

    Das Treffen ließ den Präsidenten nicht kalt. Er habe der Mutter angesehen, wie sehr sie sich um ihre Tochter Sorgen mache, so Putin.

    „Ich habe zu ihr gesagt, und das möchte ich noch einmal wiederholen: Alles wird gut“, sagte der russische Präsident.

    Der Kremlchef verwies darauf, dass ihm die Haltung des israelischen Premiers Benjamin Netanjahu zum Fall von Naama Issachar bekannt sei, der darum gebeten habe, die nötigen Schritte einzuleiten. Bei der endgültigen Entscheidung würde dies berücksichtigt werden, so Putin.  

    Zuvor hatte Wladimir Putin neben anderen Staatschefs und wichtigen Politikern am fünften Welt-Holocaust-Forum in Jerusalem teilgenommen. Anlass war der 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee.

    Der Fall Naama Issachar

    Die 25-jährige Israelin Naama Issachar  wurde am 9. April in der Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo bei ihrem Überflug von Delhi nach Tel-Aviv festgenommen. In der Tasche der Frau wurden neun Gramm Marihuana gefunden. Nach der Festnahme befand sie sich in Untersuchungshaft.

    Vor Gericht gestand die junge Frau, Drogen bei sich geführt zu haben, bestritt aber, eine Drogenschmugglerin zu sein. Die 25-Jährige wurde schließlich wegen Drogenbesitzes und Drogenschmuggels zu siebeneinhalb Jahren Strafkolonie verurteilt. Gegen das Urteil legte Issachars Verteidigung beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Berufung ein.

    Nach der Urteilsverkündung soll der israelische Premierminister, Benjamin Netanjahu, Putin um eine Milderung des Strafurteils und eine Verbesserung der Haftbedingungen für Issachar gebeten haben. Der israelische Präsident, Reuven Rivlin, hingegen wandte sich in einem offiziellen Brief an den russischen Präsidenten und appellierte darin an Putins „Mitgefühl“ und bat ihn, die junge Israelin zu begnadigen. Das Urteil könne schreckliche Konsequenzen für das Leben von  Naama Issachar haben, schrieb Rivlin damals. 

    mka/gs

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    Tags:
    Begnadigung, Wladimir Putin, Jerusalem