04:34 11 August 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    5718278
    Abonnieren

    Der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz hat sich zu der Geschichtsdebatte zwischen Polen und Russland geäußert. Laut dem Außenminister hat Polen in dem Streit Recht behalten – nun sollte eine Normalisierung der Verhältnisse mit Russland folgen.

    Das polnische Parlament hat am 9. Januar eine Resolution verabschiedet, der zufolge die Sowjetunion zusammen mit Nazi-Deutschland für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verantwortlich war. Das Vorgehen der „zwei damaligen totalitären Mächte“ habe zum Ausbruch des Krieges geführt, so das Dokument. Polen und andere Staaten Mittel- und Osteuropas wären nach dem Molotow-Ribbentrop-Pakt die „ersten Opfer“ gewesen.

    Im Hinblick auf diese „historische Wahrheit“ meldete sich nun auch der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz zu Wort, wie viele polnische Politiker bereits zuvor.

    „Unter anderem denke ich, dass wir in dem historischen Streit mit Russland gesiegt haben. Russland hat versucht, seine eigene Darstellung der Geschichte aufzuzwingen, aber das ist nicht gelungen“, sagte Czaputowicz in einem Interview mit der polnischen Nachrichtenagentur „PAP“.

    Der Außenminister betonte, dass die Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei dem diesjährigen Welt-Holocaust-Forum in Jerusalem „nicht gerade antipolnisch“ gewesen sei. Laut Czaputowicz sollten sich nun beide Länder um eine Verbesserung ihrer Beziehungen bemühen.

    „Nun sollten wir uns beruhigen und unsere Beziehungen normalisieren, denn trotz aller Differenzen sind wir doch schließlich Nachbarn“, erklärte der polnische Politiker.

    Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat inzwischen auf die Aussage von Czaputowicz reagiert, wonach Polen im historischen Streit gesiegt habe.

    „So denken alle Napoleons: Sowohl Bonaparte als auch die in der Psychatrie“, schrieb Sacharowa in ihrem Facebook-Eintrag.

    Bereits im Januar hatte das russische Außenministerium erklärt, dass die Initiative für eine Normalisierung des Dialogs zwischen Russland und Polen von Warschau ausgehen müsse, da gerade Polens Vorgehen den normalen zwischenstaatlichen Beziehungen geschadet habe. Moskau erwarte von Warschau einen „entpolisierten und auf verlässlichen Fakten beruhenden Ansatz zur Geschichte“. 

    Geschichtsumschreibung

    Die russische Regierung hatte mehrmals betont, dass einige europäische Länder versuchen, die Geschichte umzuschreiben. Russlands Präsident erklärte Mitte Dezember, dass sie – insbesondere Polen – ein Komplott mit dem faschistischen Deutschland eingegangen seien, und dass Russland über Dokumente verfüge, wie sie diese Gespräche geführt hätten. Nach Ansicht russischer Politiker ist Europa nicht bereit, diesen Teil seiner Geschichte zuzugeben.

    Russlands Präsident Wladimir Putin hatte unter anderem in seiner diesjährigen Ansprache an die Föderale Versammlung bekannt gegeben, Russland werde die größte und umfassendste Sammlung von Archivdokumenten, Filmen und Fotomaterialien zum Zweiten Weltkrieg erstellen, die sowohl den Russen als auch der ganzen Welt zur Verfügung stehen würde.

    mka/gs

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „Weiter so!“ – Oskar Lafontaine platzt bei Olaf Scholz als SPD-Kanzlerkandidat der Kragen
    Hoher Sicherheitsberater: „USA wollen Europa die Luft abschnüren“
    „So wird der Zusammenbruch der USA ablaufen“: US-russischer Autor exklusiv
    Tags:
    Debatte, Geschichte, Moskau, Warschau