19:35 16 Juli 2020
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    Im Vergleich zum letzten Besuch von Kurz bei Merkel war die Harmonie diesmal stärker, behauptet Daniel Witzeling vom Humaninstitut Vienna. Sie haben beide mehr gelächelt. Auch Merkel hat für ihre Verhältnisse viel positive Miene gezeigt. Nur bei Migrationsproblemen zeigten sich unwesentliche Unterschiede im Herangehen beider Länder.

    Man habe gesehen, sagte Witzeling im Sputnik-Interview zum ersten Deutschland-Besuch von Sebastian Kurz als Kanzler einer türkis-grünen Koalition, dass er eben diese Migrationsthematik nicht lasse. „Das ist sein Profil, sein Kerninhalt auch bei den österreichischen Wahlen gewesen. Und er will bei diesem Thema Führerschaft in ganz Europa übernehmen. Und da macht er natürlich keinen Kompromiss mit Merkel, obwohl Deutschland ein sehr wichtiger Wirtschaftspartner für Österreich ist. Da steigt er nicht herunter, denn dann würde er zu sehr an Profil verlieren.“

    „Sebastian Kurz ist“, so der Wiener Sozialforscher, „während Merkel geredet hat, sehr selbstsicher, mit aufrechter Körperhaltung und starker Körpersprache gestanden. Und hat fast so wie die Zukunft symbolisiert. Merkel ist zwar die erfahrenere Politikerin, aber Kurz zeigt, dass er auch in der EU mehr schaffen will.“

    Der Experte sagte weiter, dass „die CDU und CSU in Deutschland sehr neidvoll auf Kurz und seinen Wahlerfolg blicken, weil Merkels Werte und die der CDU nicht zu gut im Vergleich zu denen von Kurz in Österreich sind. Und da ist er politisch sicher der Stärkere momentan, die Zukunftshoffnung.“

    Kurz wisse auch, so Witzeling, dass Deutschland finanziell gesehen der wichtigste Partner für Österreich sei. „Und daher ist es eben so, dass er Deutschland nicht ganz durch zu dominantes Verhalten überfordern kann. Das ist wirklich wichtig. Da hat er sogar die Touristen aus Deutschland eingeladen, in Österreich noch einen Kurzurlaub zu machen. Er versucht, ein Doppelspiel aus Dominanz und aber auch dem österreichischen Charme zu spielen.“

    Schwarz-grüne Koalition – ein Modell auch für Deutschland?

    „Wenn man sich die Gesichtsausdrücke von Angela Merkel nach der Idee von Sebastian Kurz genau anschaut“, stellt der Wiener Psychologe fest, „merkt man, dass sie nicht ganz glücklich damit ist. Deutschland hatte schon einmal versucht, eine Jamaika-Koalition zu probieren. Und wenn man jetzt Merkels Mimik und ihr Verhalten richtig liest, ist die Situation einer Koalition zwischen den konservativen Kräften, sprich CDU/CSU und den Grünen in Deutschland eher unwahrscheinlich.“

    Österreich, habe den Vorteil, ein wesentlich kleineres Land zu sein, urteilt Witzeling. Sebastian Kurz ist mit seinem Team, da er die Volkspartei komplett reformiert hat, was in Deutschland noch nicht stattgefunden hat, viel flexibler, dynamischer und sozial intelligenter von einer eher starken Rechtsregierung auf eine konservative Regierung mit linkem Öko-Touch umzuschwenken. Da sind die Österreicher bewegbarer, auch aufgrund der Kleinheit des Landes.“

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    Tags:
    Sebastian Kurz, Angela Merkel