11:12 03 August 2020
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    Moskau wird auf das Nato-Manöver „Defender Europe 2020“ reagieren, in dessen Rahmen Tausende Militärtechnikgeräte der amerikanischen Armee sowie mehr als 20.000 US-Soldaten nach Europa gebracht werden sollen. Dazu äußerte sich Russlands Außenminister Sergej Lawrow gegenüber der Zeitung „Rossijskaja Gaseta“.

    „Insgesamt mehr als 40.000 Menschen werden sich an diesem Manöver beteiligen“, so Lawrow in einem Interview mit der russischen Zeitung.

    „Natürlich werden wir reagieren. Wir können keine Prozesse ignorieren, die uns große Sorgen bereiten. Aber wir werden so reagieren, dass dadurch keine überflüssigen Risiken entstehen“, erläuterte Russlands Außenminister.

    Ferner betonte er, dass formal die Übungen als amerikanische deklariert worden seien, „aber unter Einladung von anderen Nato-Mitgliedern und -Partnern“.

    „Ich weiß nicht, woran das liegt, aber einer der möglichen Gründe ist der, dass es für die Amerikaner viel leichter ist, alles selbständig nach dem eigenen Schema zu planen und umzusetzen und nicht einmal symbolisch durch irgendeine Art von Nato-Disziplin verbunden zu sein.“

    Lawrow unterstrich, dass man in der Nato die Veranstaltung solcher Manöver mit der Erarbeitung der Verteidigung vor einem „aus der Sicht des Nato-Militärpotentials vergleichbaren Gegner“ begründe. In diesem Zusammenhang verwies der Außenminister auf offizielle ausländische Angaben, wonach „nur europäische Nato-Mitglieder, ohne Rücksicht auf amerikanische Ziffern, unsere Streitkräfte um mehr als das Doppelte“ übertreffen würden.

    „Wo sie einen vergleichbaren Gegner gefunden haben, weiß ich nicht“, setzte Lawrow fort.

    Die Kreise, die die Durchführung solcher unbegründeter Militärübungen in Europa initiieren würden, „wollen, dass Gegenmaßnahmen folgen, was zu einer weiteren Verschärfung der Spannung führen wird“.

    Dabei gebe es einen „wesentlichen Aspekt“:

    „Dass wir alles, was wir als Reaktion auf die Bedrohung der Sicherheit Russlands durch die Nato unternehmen, nur auf unserem Territorium tun“.

    Genauso wie sich alle russischen Atomwaffen, im Gegensatz zu den amerikanischen, auf „unserem Territorium“ befinden, hob Lawrow hervor.

    Darüber hinaus verwies der Diplomat darauf, dass es in der EU eine kleine Gruppe von Ländern gebe, die historische Phobien in Bezug auf Russland stärken und ständig zur Eindämmung Russlands sowie dazu aufrufen würden, den  Sanktionsdruck nicht zu mildern.

    „Aber plötzlich begann man die Phobien und das Thema eines möglichen Angriffs auch öffentlich zu besprechen – und auch Amtsleute eines Landes wie Deutschland“, so Lawrow.

    „Vor einiger Zeit hatte Frankreichs Präsident E. Macron von der Notwendigkeit einer radikalen Nato-Reform gesprochen, davon, dass bei der Allianz der ,Hirntod‘ zu beobachten sei und man etwas unternehmen solle. Können Sie sich erinnern, wie Berlin öffentlich mit dieser Schlussfolgerung nicht einverstanden war? Mein Amtskollege, Deutschlands Außenminister H. Maas sagte, dass sie mit Paris nicht einverstanden gewesen seien. Bei ihnen ist es so, dass man, darunter auch Deutschland, die Nato braucht, weil niemand außer der Allianz Deutschland schützen wird. Wir haben uns sogleich bei Berlin erkundigt, vor wem sie sich mithilfe der Nato schützen wollen. Sie haben darauf nichts geantwortet“, sagte Lawrow. „Danach wurde eine ähnliche Erklärung aus dem Munde der Bundeskanzlerin Angela Merkel laut. Und auch haben die deutschen Kollegen bislang nicht erläutern können, vor wem Deutschland Angst hat.“

    „Hirntod der Nato“

    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor dem Militärbündnis den „Hirntod” bescheinigt. Aus seiner Sicht werden strategische Entscheidungen ohne Koordinierung zwischen den USA und anderen Verbündeten getroffen. Zudem plädierte er in einem Interview mit dem Magazin „Economist“ für mehr europäische Eigenständigkeit und bezeichnete die Vereinigten Staaten als keinen zuverlässigen Partner.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Macrons Aussagen als überzogen zurückgewiesen. Sie warf Macron „drastische Worte“ und einen unnötigen „Rundumschlag“ vor.

    Der deutsche Außenminister, Heiko Maas, hatte als Antwort auf die scharfe Nato-Kritik des französischen Staatschefs  die Bildung einer Expertenkommission vorgeschlagen, die Reformvorschläge erarbeiten solle. Die Nato müsse konzeptionell und politisch weiterentwickelt werden. Seinen Vorschlag präsentierte Maas am 20. November bei einem Nato-Treffen in Brüssel.

    „Defender Europe 2020“

    Das Manöver „Defender Europe 2020“ soll im April-Mai stattfinden. Insgesamt nehmen an dem US-geführten Manöver „Defender Europe 2020“ 37.000 Soldaten aus 18 Staaten teil. Aus den USA werden dafür zusätzlich 20.000 Soldaten nach Europa kommen. Laut Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist das „die größte Entsendung von US-Truppen nach Europa seit mehr als 25 Jahren“.

    ak/ae

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    Tags:
    Soldaten, Verteidigung, Defender 2020, Sergej Lawrow, Manöver, NATO, Russland