21:38 05 April 2020
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    Während Schottland und Nordirland sich im Zuge des Brexits ernsthafte Gedanken über eine mögliche Unabhängigkeit von Großbritannien machen, will der britische Premier Boris Johnson eine Brücke zwischen den beiden schlagen – im wörtlichen Sinne.

    Einem Bericht der BBC zufolge wird das Projekt, das laut Johnson „eine sehr interessante Idee“ ist, derzeit von einer Reihe von Regierungsvertretern geprüft. Während der nordirische Premier Leo Varadkar sagte, der Vorschlag sei es wert, geprüft zu werden, gab sich Nicola Sturgeon, Erste Ministerin Schottlands, weniger angetan. Sie sei gegenüber Johnsons Brückenbau-Ambitionen zwar nicht grundsätzlich verschlossen, doch wenn er eine so große Summe übrig habe, gebe es Wichtigeres, wofür Geld ausgegeben werden sollte. 

    Die geschätzten Kosten für den Brückenbau betragen 20 Milliarden Pfund – ein gewichtiger Grund, das Projekt zu kritisieren. Schattenumweltminister Luke Pollard warf Johnson zudem vor, ein „Meister der Ablenkung“ zu sein.

    „Jeder Augenblick, der dafür aufgewendet wird, über eine Brücke zu sprechen, die niemand will, ist Redezeit, in der wir uns nicht auf die Krise konzentrieren, die direkt vor uns liegt“, so Pollard.   

    Zwei mögliche Verbindungen über die Irische See stehen zur Debatte. Kein günstiges Terrain für ein großes Infrastrukturprojekt, wie Kritiker bemerken, denn die Irische See sei voll von Munition aus dem II. Weltkrieg. Der Brückenbau sei trotzdem machbar, sagen hingegen Architekten.

    In seiner Zeit als Londoner Bürgermeister hatte Johnson schon einmal eine Brücke bauen wollen – die Garden Bridge über die Themse. Das Projekt wurde schließlich von Sadiq Khan, dem heutigen Bürgermeister der britischen Hauptstadt, wegen der finanziellen Risiken gestoppt – nachdem es satte 53 Millionen Pfund verschlungen hatte.

    Manche Beobachter scherzen, „Mini-Trump“ Johnson brauche eben auch ein großes Bauprojekt – wenn schon keine Mauer zum Nachbarland, dann wenigstens eine Brücke.

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    Tags:
    Nordirland, Schottland, Leo Varadkar, Nicola Sturgeon, Boris Johnson