08:32 09 Juli 2020
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    US-Regierungsbeamte behaupten, dass das chinesische Unternehmen Huawei durch „Hintertüren“ heimlichen Zugang zu Mobilfunknetzen weltweit erhalten könnte. Darüber schreibt das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Mittwoch.

    Laut der Zeitung zur Verfügung stehenden Geheimdienstinformationen kann der chinesische Netzwerkausrüster hierzu Schnittstellen nutzen, die nur für die Sicherheitsbehörden vorgesehen seien. Huawei weist die Vorwürfe zurück.

    WSJ erinnert daran, dass Hersteller von Telekommunikationsausrüstungen gesetzlich verpflichtet sind, in ihre Ware eine Funktion einzubauen, die den Behörden Zugang zu den Netzen ermöglicht. Der Hersteller darf dabei ohne Genehmigung des jeweiligen Mobilfunkbetreibers nicht auf das ausgerüstete Netz zugreifen.

    Nach Angaben der US-Regierung hat Huawei Ausrüstungen entwickelt, die den Zugang zu Mobilfunknetzen ohne Genehmigung des Betreibers ermöglichen. Den US-Beamten zufolge zeigten Geheimdienst-Erkenntnisse, das Huawei seit mehr als einem Jahrzehnt über diese Fähigkeiten verfüge. Die USA hätten im vergangenen Jahr unter anderem Großbritannien und Deutschland darüber informiert. Die jüngste britische Entscheidung, Technik von Huawei beim Ausbau der zukunftsträchtigen 5G-Netze zuzulassen, aber aus sicherheitsrelevanten Kernbereichen herauszuhalten, sei mit Kenntnis der amerikanischen Informationen erfolgt, so die Zeitung.

    Unter Berufung auf den US-Sicherheitsberater Robert O’Brien schreibt WSJ, den US-Beamten lägen Beweise dafür vor, dass Huawei heimlichen Zugang zu vertraulichen und persönlichen Daten in den Systemen habe, die es weltweit verkaufe und bediene.

    Laut einem weiteren ranghohen US-Beamten informiert Huawei seine Kunden bzw. die Sicherheitsbehörden des jeweiligen Kundenlandes nicht über die heimliche Zugangsmöglichkeit.

    Huawei weist Vorwürfe zurück

    Huawei steht seit Mai 2019 auf der US-Liste, die es verbietet, US-amerikanische Bauelemente und Technologien zu erwerben. Dabei haben die USA die gegen das Unternehmen verhängten Sanktionen mehrmals zurückgestellt und ihnen erlaubt, US-Waren für die Unterstützung von Mobilfunknetzten und für die Software-Erneuerung zu kaufen. Zuletzt wurde am 18. November 2019 eine Sanktionsaussetzung für 90 Tage angeordnet.

    Die USA beschuldigen Huawei, mit dem Militär und dem Aufklärungsdienst Chinas zusammenzuarbeiten und womöglich auch seine Kunden zu überwachen. Washington hat die US-Verbündeten auf eine Spionage-Gefahr hingewiesen und aufgefordert, auf Huawei-Technik beim Ausbau der 5G-Netze zu verzichten. Das chinesische Unternehmen weist die Vorwürfe als unbegründet und politisch motiviert zurück.

    ls/sb/dpa/sna

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    Tags:
    Wall Street Journal, Huawei, USA, China