05:59 04 Juli 2020
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    Griechenland stuft laut seinem Außenminister Nikos Dendias die Frage bezüglich deutscher Auszahlungen von Reparationen und Entschädigungen für den im Zweiten Weltkrieg zugefügten Schaden und bezüglich der Rückzahlung der Besatzungsanleihe als nicht gelöst ein. Dies erklärte er nach einer Sitzung des Nationalrates für Außenpolitik.

    „Ich habe die Mitglieder des Rates für Außenpolitik über die griechische Antwort an die deutsche Regierung hinsichtlich der Forderungen von Reparationen und Kompensationen und der Rückzahlungen der Besatzungsanleihe informiert“, sagte Dendias.

    „Die griechische Antwort an die deutsche Seite besteht darin, dass diese Frage für Griechenland als nicht gelöst eingestuft wird. Unsere Ansprüche sind gültig und bleiben erhoben, dies richten wir in allen Tönen aus“, so der Minister.

    Dendias teilte mit, er habe dem Rat die Situation im Ostmittelmeer, die „provokatorischen Handlungen der Türkei“, die unbegründeten und rechtlich gegenstandslosen Beschuldigungen gemeldet.

    Immerhin sei Griechenland nach wie vor bereit, offene Kommunikationskanäle aufrechtzuerhalten, erläuterte der Chefdiplomat.

    „Was Libyen anbetrifft, so habe ich über eine Reihe von Kontakten zu Drittländern und über die gegenseitige Übereinkunft und das allgemeine Verständnis grober Verletzungen des Völkerrechts informiert, die in den Vereinbarungen zwischen der Türkei und Tripolis bestehen“, betonte er.

    Dendias teilte zudem mit, dass am 24. Februar in Thessaloniki ein Treffen von Außenministern der Balkanländer und der EU-Länder stattfinden werde, das dem EU-Beitritt der Westbalkanländer gewidmet sei.

    Kriegsreparationen

    Das griechische Parlament hatte am 17. April 2019 eine Resolution mit dem Auftrag an die Regierung verabschiedet, von Deutschland Auszahlung von Kriegsreparationen in Höhe von 309,5 Milliarden Euro für den Schaden während der Jahre des Zweiten Weltkrieges und 9,2 Milliarden Euro für den während des Ersten Weltkrieges zu fordern.

    Darüber hinaus schätze Griechenland die Entschädigungen für den Tod und die Verletzungen von Menschen auf über 107,2 Milliarden Euro.

    Die Regierung fordere zudem die Rückgabe der entführten archäologischen Schätze und Reliquien.

    Laut dem Bericht der interparteiischen Kommission, aufgrund dessen die Resolution angenommen wurde, soll Griechenland während des Zweiten Weltkrieges 558.000 Menschen als ermordet verloren haben, 880.000 Menschen sollen Invaliden geworden sein. 19,7 Prozent der Landesbevölkerung – die 1939 7,335 Millionen Menschen betrug - seien Kriegsopfer geworden.

    Der griechische Botschafter in Berlin hatte am 3. Juni 2019 an das deutsche Außenministerium eine Note übergeben, in der die griechische Regierung die deutsche Seite aufgefordert habe, Verhandlungen zur Regelung der noch nicht gelösten Frage bezüglich der Auszahlung der Reparationen und Entschädigungen vonseiten Deutschlands zu starten.

    Griechenlands Präsidentin Katerina Sakellaropoulou
    © REUTERS / Pool / Orestis Panagiotou
    Deutschland weist alle Forderungen von Athen zurück. Die deutschen Beamten behaupten, dass ihr Land bereits alle Verpflichtungen erfüllt habe, indem es 115 Millionen Deutsche Mark im Jahr 1960 ausgezahlt hatte.

    Vor einigen Monaten wurde ein grundlegendes Dokument veröffentlicht: „Forderungen nach Entschädigung der deutschen Schulden gegenüber Griechenland. Vom Ersten und dem Zweiten Weltkriegen über die Archivdokumente des Außenministeriums“.

    Der Buchautor und Mitarbeiter des Außenministeriums, Aris Radiopoulos, erklärte gegenüber RIA Novosti, dass Griechenland während der Okkupation ausgeraubt worden sei, dass die Deutschen große Reichtümer ausgeführt und das Land ausgeplündert hätten, und seit dem ersten Tag nach der Befreiung befände sich Athen in finanzieller Abhängigkeit von Deutschland. Dies erläutere, warum die Reparationsforderungen nicht früher in harter Form erhoben worden seien, erklärte er.

    Nach seiner Ansicht müsse die endgültige Summe der Reparationen während der Regelung der Frage bestimmt werden.

    ek/mt/sna

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    Tags:
    Regelung, Entschädigung, Schaden, Kriegsreparationen, Griechenland