08:59 04 Juli 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    161069
    Abonnieren

    Am Mittwoch veröffentlichten die Vereinten Nationen eine Liste von 112 Unternehmen, die im besetzten Westjordanland tätig sind. Neben unterschiedlichen israelischen Unternehmen und Banken finden sich auf der Liste auch internationale Unternehmen, z.B. aus den USA, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien, Thailand und Luxemburg.

    Darunter fällt eine Reihe von Reisedienstleistern auf: Airbnb, TripAdvisor, Opodo oder Booking.com.

    Wie Sputnik bereits im November 2018 berichtete, hatte das US-Unternehmen Airbnb, das weltweit günstige Übernachtungsmöglichkeiten vermittelt, nach anhaltender Kritik verkündet, die umstrittenen Angebote im Westjordanland von der Seite zu nehmen. Das Unternehmen habe die Situation unter Einbeziehung von Experten nach verschiedenen Gesichtspunkten geprüft und sei zu der Entscheidung gekommen, die Angebote aus den israelisch besetzten Gebieten im Westjordanland von der Seite zu löschen. Omar Schakir, Direktor von Human Rights Watch Israel, begrüßte damals auf Twitter den Schritt von Airbnb. Die Angebote aus dem Westjordanland von der Liste zu nehmen sei der einzige Weg, der Verantwortung in Bezug auf Menschenrechte zu entsprechen.

    Ein Sprecher von UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet sagte, man sei sich dessen völlig bewusst, dass der nun vorgelegte Bericht für die Menschen auf beiden Seiten eine sensible Angelegenheit darstelle.

    Saeb Erekat, Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), nannte die Datenbank den „ersten konkreten Schritt in mehr als einem halben Jahrhundert, Israel für sein illegales koloniales Siedlungsvorhaben zur Rechenschaft zu ziehen.“ Der palästinensische Außenminister Riyad al-Maliki sprach von einem "Sieg des Völkerrechts".

    Die Veröffentlichung der Liste begrüßte auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International:

    „Die Firmen zu benennen, die in diesem Kontext der illegalen Situation profitieren, sendet eine klare Botschaft der internationalen Gemeinschaft, dass Siedlungen niemals normalisiert werden dürfen.“

    Israel zeigte sich wenig angetan von der Veröffentlichung der Liste und reagierte mit der Einstellung der Zusammenarbeit mit UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet. Aus israelischer Sicht ist die Publikation der Liste unzuverlässig und einseitig. Die diplomatische Vertretung Israels in Genf am Sitz des UN-Menschenrechtsbüros erklärte:

    „Mit der Veröffentlichung dieser Liste hat die UN-Hochkommissarin jegliche Glaubwürdigkeit und Fähigkeit verloren, Menschenrechte in unserer Region zu fördern.“

    In Israel gibt es Befürchtungen, die auf der Liste aufgeführten Unternehmen könnten künftig boykottiert werden.

    Eine „unerbittliche Anti-Israel-Haltung“ bescheinigte den Vereinten Nationen auch US-Außenminister Mike Pompeo und sagte, Versuche, Israel auf diese Weise zu isolieren, würden die Nahost-Friedensbemühungen untergraben. Die Deutsch-Israelische Gesellschaft schlug ähnliche Töne an, indem sie die Veröffentlichung der Liste einen „schwarzen Tag für die Vereinten Nationen“ nannte und unterstellte, man wolle Israel einseitig an den Pranger stellen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    „Geschmacklos ohne Ende“: „Seriöse“ Medien, Drosten und Lockdown im Regierungsviertel missbilligt
    Virologe Streeck zu Coronavirus: Darum wird es keine zweite Welle geben, sondern…
    Bundespolizei stoppt und räumt ICE zwischen Berlin und Hamburg – Grund unklar
    „Ich habe genug Narben davon” – Bolton über Trumps Haltung zu Geheimdienstberichten über Russland
    Tags:
    Palästina, Westjordanland, Nahost-Politik, Nahost-Strategie, Nahost, Michelle Bachelet, UN