04:33 03 April 2020
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    Ein Sputnik-Korrespondent hat in Gebieten in Nordsyrien, die kürzlich von der Terrorherrschaft befreit wurden, verschiedene Dokumente gefunden, die Informationen über Geschäfte zwischen terroristischen Gruppen, Gehaltsabrechnungen für radikale Kämpfer sowie die Verhaftungsakten eines Scheinjustizsystems enthalten.

    Diese Dokumente sollen nach einem hastigen Abzug während des Vorgehens der Regierungstruppen zurückgelassen worden sein und Licht auf die Terrorherrschaft gegenüber der örtlichen Zivilbevölkerung werfen.

    Blutverträge

    Es sei eine vertragliche Vereinbarung in einem provisorischen Gefängnis – einem ehemaligen Einkaufszentrum – in der Stadt Hraytan nördlich von Aleppo gefunden worden, aus der hervorgeht, dass eine lokale Niederlassung der Terrororganisation Hayat Tahrir al-Sham*, Fursan al-Khilafah, einer anderen, kleineren Gruppe, die sich Kitabat Ansar nenne,  Kriegsdienste kaufen sollte.

    Das Dokument sah vor, dass Letztere einen Lohn und einen Teil der Beute erhalten würde. Fursan al-Khalifah versprach auch, die Verletzten von Kitabat Ansar zu behandeln und eine Entschädigung für diejenigen zu zahlen, die getötet werden würden.

    Der trockene Ton, in dem in der Vereinbarung über Zahlungen für Schlachten, Behandlungsgarantien im Falle einer Verletzung und Zahlungen an die Gruppe im Todesfall in einer Aktion gesprochen worden sei, deute auf die kalte Missachtung des menschlichen Lebens und die rein transaktionale Herangehensweise der Kriegsherren an die Kämpfe hin.

    Es sei allerdings nicht bekannt, ob der Deal jemals vereinbart worden sei, da der Vertrag keine Unterschriften gehabt habe.

    Scheingerichte

    Eine andere Reihe von Dokumenten illustrierte das verdrehte „Justiz“-System, das jene Menschen, die unter der Herrschaft radikaler MilitantInnen lebten, erdulden mussten.

    Sorgfältig geführte juristische Akten zeigen eine eigenartige Auslegung des islamischen Rechts – bekannt als Scharia – die es der selbsternannten Justiz vor Ort ermöglichte, Menschen wegen Vorwürfen von Flirt, Streit und anderen geringfügigen Verstößen inhaftieren zu lassen. So sei beispielweise ein Mann eines Verbrechens beschuldigt worden, das als „Flirten über WhatsApp“ bezeichnet wurde.

    Wiedererlangung der Kontrolle

    Obwohl die Zentralregierung bis 2017 die Kontrolle über einen Großteil von Aleppo, inklusive den wichtigsten internationalen Flughafen Aleppo, wiedererlangt hatte, seien die zahlreichen Außenbezirke der Stadt im Norden und Westen hartnäckig unter der Kontrolle der Rebellen geblieben.

    Die dort lebenden Menschen hätten willkürlichen Mörsergranatenbeschuss und die Detonationen versteckten Sprengstoffs ertragen müssen, die in den letzten Jahren zahlreiche Menschen verletzten und töteten.

    Assad bei seinem Truppenbesuch in der Provinz Idlib
    © AP Photo / Facebook page of the Syrian Presidency

    Anti-Terror-Kampf der syrischen Armee in Aleppo

    Nach dem tagtäglichen Beschuss von Wohnvierteln in Aleppo durch die Terroristen mit dutzenden Toten startete die syrische Armee am 26. Januar 2020 eine Offensive im Westen der Stadt. Ankara wirft Damaskus und Moskau Angriffe auf humanitäre Objekte und auf türkische Militärs vor. Russland und Syrien erklärten jedoch mehrmals, die Instabilität in der Region um Idlib resultiere aus Handlungen der Terroristen.

    Die Türkei droht Syrien Vergeltung an

    Erdogan hatte nach bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen türkischem und syrischem Militär im Norden von Syrien neue Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Russland hatte dagegen die Offensive des syrischen Militärs verteidigt und der Türkei vorgeworfen, zu wenig im Kampf gegen Terroristen zu tun. Bei den Kämpfen waren Soldaten auf beiden Seiten getötet worden. Russland pocht aber weiterhin auf einer friedlichen Lösung der Situation in Idlib.

    *„Hayat Tahrir al-Sham“ – Terrorvereinigung, in Russland verboten

    aa/mt/sna

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    Tags:
    Gericht, Gefängnis, Verträge, Terrorgruppe, Dokument, Syrien