23:03 04 August 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    14937443
    Abonnieren

    Mitarbeiter von Sputnik Türkiye, die sich wegen Einbrüchen in ihre Wohnungen in Ankara an die türkische Polizei gewandt hatten, sind festgehalten worden, meldet die Nachrichtenagentur unter Berufung auf Quellen am Sonntag. Unter den Festgenommenen soll auch der Chefredakteur von Sputnik Türkiye sein – Mahir Boztepe war in Istanbul festgehalten.

    Neues zum Thema: Nach einer Vernehmung wurden drei von den vier festgenommenen Journalisten freigelassen, meldet ein Reporter von RIA Novosti. Wie das Vernehmungsprotokoll belegt, sind die Handlungen der Sputnik-Mitarbeiter nicht als Straftat einzustufen. Später wurde auch der Chefredakteur freigelassen, wie Sputnik von seiner Ehefrau erfuhr.

    Der russische Außenminister, Sergej Lawrow, besprach die Situation mit seinem türkischen Amtskollegen, Mevlüt Cavusoglu, und unterstrich die Notwendigkeit ihrer raschen Klärung.

    Das Szenario, nach dem gegen die Sputnik-Journalisten in der Türkei vorgegangen wurde, sei „schmerzlich bekannt“ und erinnere an die Situation mit der Webseite „RIA Novosti Ukraina“, so der Exekutivdirektor der Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“, Kirill Wyschinski.

    „[…] Da war alles etwa gleich: Durchsuchungen, Festnahmen und Anklagen ... Ich glaube, wir brauchen eine sofortige angemessene Reaktion der internationalen Strukturen, sonst wird das alles zu weit gehen“, zitierte ihn der russische Menschenrechtsrat beim Präsidenten.

    Der ukrainische Geheimdienst SBU hatte Wyschinski am 15. Mai 2018 in Kiew festgenommen. Ihm wurden Landesverrat sowie Unterstützung der selbsterklärten Republiken der Donbass-Region vorgeworfen. Bei einer Verurteilung hätten ihm bis zu 15 Jahre Haft gedroht.

    Am 7. September war Wyschinski im Rahmen eines Gefangenenaustausches zwischen Russland und der Ukraine nach Moskau zurückgekehrt.

    Die RT- und Sputnik-Chefredakteurin Margarita Simonjan reagierte empört auf die Festnahme.

    „Die Polizei ist in unserem Büro in Istanbul eingetroffen. Sie nahmen einen weiteren Mitarbeiter fest. Weitere drei Angestellte befinden sich seit gestern auf dem Polizeirevier in Ankara, wo am Vorabend Nationalisten in ihre Wohnungen eingebrochen hatten. Was soll das heißen, Türkei?”, schrieb Simonjan in ihren sozialen Netzwerken.

    Derzeit werden im Sputnik-Büro in Istanbul Durchsuchungen durchgeführt.

    ​Die Organisation „Reporter ohne Grenzen” kommentierte die Situation auf ihrem Twitter: „Man darf Journalisten für diese regionale Krise nicht verantwortlich machen”.

    Sputnik-Logo (Archivbild)
    © Sputnik / Alexander Kriaschew
    Zuvor war berichtet worden, dass Unbekannte am Samstagabend in die Wohnungen von drei Sputnik-Mitarbeitern, die türkische Bürger sind, in Ankara eingebrochen hatten. Dabei sollen sie nationalistische Parolen und Drohungen gegen die Journalisten gerufen und ihnen Staatsverrat vorgeworfen haben, „weil sie für die Russen arbeiten”. Noch bevor die Polizei eintraf, konnten die Täter unerkannt flüchten. Verletzte habe es nicht gegeben, hieß es. Daraufhin erstatteten die betroffenen Mitarbeiter Anzeige bei der türkischen Polizei, von der sie nach einer Vernehmung festgenommen wurden.

    Die Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya”, zu der auch Sputnik gehört, hat angekündigt, sie werde sich an die Uno, OSZE, Unesco sowie die Internationale Journalisten-Föderation wenden. Den Einbruch sowie die darauffolgenden Festnahmen bezeichneten Vertreter der Agentur als „grobe Verletzung der Meinungsfreiheit und Verfolgung von Menschen wegen ihrer Arbeit, die sie mit gutem Gewissen erledigt haben”.

    Das russische Außenministerium rief Ankara dazu auf, in die Situation einzugreifen und sich an der Klärung aller Umstände des Vorfalls zu beteiligen.

    Die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu bezeichnete die Angriffe unbekannter Menschen auf Sputnik-Mitarbeiter als eine „Protest”-Aktion.

    msch/ae/sna

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Gewaltige Explosion im Hafen von Beirut – Videos
    Nach Großdemos in Berlin: Steinmeier ermahnt das Volk, verstößt aber selbst gegen Corona-Regeln
    Trump nennt größten Fehler in US-Geschichte
    Tags:
    Türkei, Sputnik