03:32 13 Juli 2020
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    Mehr als 60 Jahre nach dem Tod von Pius XII. hat der Vatikan seine Archive aus der Zeit des historisch umstrittenen Papstes offengelegt. Die ersten Forscher gingen am Montagmorgen in das Apostolische Archiv des Kirchenstaates, um dort ihre Arbeit zu beginnen.

    Der deutsche Kirchenhistoriker Hubert Wolf von der Universität Münster sagte vor dem Einlasstor: „Wir hoffen, dass die Quellen uns Antworten auf die zentralen Fragen geben.“

    Wissenschaftler aus aller Welt hatten den Heiligen Stuhl um die Freigabe geheimer Dokumente ersucht. Mehrere Hundert hatten sich nach der Ankündigung 2019 beim Vatikan darum beworben, in Rom auf Spurensuche in Millionen von Dokumenten zu gehen. Im Fokus dürfte die Rolle der katholischen Kirche mit Blick auf den Holocaust sowie das Verhalten des Papstes in der Zeit der Judenverfolgung durch die Nazis stehen.

    Pius XII. stand von 1939 bis zu seinem Tod 1958 an der Spitze der römisch-katholischen Kirche. In seine Phase fallen die Nazi-Herrschaft, der Zweite Weltkrieg und der Beginn des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Der Italiener, geboren 1876, steht in der Kritik, nicht klar genug gegen den Holocaust und andere NS-Verbrechen protestiert zu haben. Andererseits wird ihm zugutegehalten, dass die Kirche römische Juden vor ihren Verfolgern versteckt und gerettet habe.

    Außer dem Apostolischen Archiv öffnen auch andere Organe, etwa die Glaubenskongregation und Kurienbehörden, den Zutritt zu ihren Beständen.

    Die Wissenschaftler wollen auch klären, welche Rolle der Vatikan bei der europäischen Einigung spielte. Von großem Interesse könnten zudem Dokumente zum Verhältnis der Kirche zu Moskau und zum Staat Israel sein.

    Papst Franziskus hatte das Ende der Geheimhaltung über das Pontifikat von Pius XII. im März 2019 angekündigt. Experten erwarten, dass die Auswertung Jahre dauern wird.

    Wegen des Coronavirus-Ausbruchs verschoben einige US-Forscher am Wochenende jedoch ihre Studien. Suzanne Brown-Fleming vom Holocaust-Gedenkmuseum der USA in Washington flog kurzfristig aus Rom heim. Sie und ihr Team würden erst „in den kommenden Monaten“ ihre Recherchen starten, sagte sie der dpa.

    ls/mt/dpa

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    Papst Franziskus, Vatikan