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    Der Konflikt in Syrien hat Ankara zur Öffnung der Grenzübergänge nach Griechenland veranlasst. Tausende Flüchtlinge machten sich daraufhin auf den Weg. Doch an der griechischen Grenze war schnell Schluss: Athen will keine neuen Migranten ins Land lassen. Das Interessante dabei: Unter den Flüchtlingen vor Ort soll es nur wenige Syrer geben.

    Angesichts der Eskalation in Syrien ordnete der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdogan, am Samstag die Öffnung der Grenzübergänge nach Griechenland an. Diesen Schritt begründete er damit, dass die Türkei „eine neue Flüchtlingswelle nicht bewältigen" könne. Seit Tagen sollen die türkischen Behörden Flüchtlinge mit Bussen an die Grenze bringen. Laut der Internationalen Organisation für Migration der Vereinten Nationen hatten sich bis Samstagabend insgesamt 13.000 Menschen an der 212 Kilometer langen Grenze versammelt.

    Laut der Nachrichtenagentur AP berichten griechische Beamte, dass nur sehr wenige der Neuankömmlinge Syrer seien. Demnach seien die meisten am Montag verhafteten Personen Afghanen, Pakistaner und Marokkaner. Die Zahlen vom Januar, vor der Verschärfung der Kämpfe in Syrien, zeigten, dass 35 Prozent derjenigen, die aus der Türkei nach Griechenland eingereist seien, Afghanen waren. Der Anteil der Syrer habe lediglich 14 Prozent betragen.

    Der griechische Premierminister, Kyriakos Mitsotakis, sieht hinter Erdogans Vorgehen eine gezielte Strategie zur Durchsetzung seiner Forderungen.

    „Das ist nicht länger ein Flüchtlingsproblem. Die Türkei versucht offensichtlich, verzweifelte Menschen dazu zu benutzen, um ihre politische Agenda voranzutreiben. Die Menschen, die in den vergangenen Tagen versucht haben, nach Griechenland zu gelangen, kamen nicht aus Idlib. Sie lebten schon seit längerer Zeit sicher in der Türkei“, sagte Mitsotakis.

    ​Mitsotakis erklärte einige Tage zuvor, Griechenland werde einen Monat lang keine neuen Asylanträge annehmen.

    Der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas sagte vor Kurzem, dass von den insgesamt 90.000 Asylanträgen, die derzeit bearbeitet würden, nur 17.000 von Syrern stammten. Weitaus mehr seien von Menschen aus Afghanistan und Pakistan eingereicht worden.

    „Die türkische Regierung benutzt eine große Zahl von Afghanen, Pakistanern und Afrikanern als Belagerungsrammbock. Wir halten das auf. Das ist eine Frage der nationalen Sicherheit. Die Grenzen bleiben so lange zu, wie es nötig sein wird“, sagte der Regierungssprecher.

    Die Koordinatorin der Frauenschutzorganisation Womens Defence Network, Cigdem Cidamli, die im türkisch-griechischen Grenzgebiet humanitäre Hilfe leistet, sagte gegenüber der Welt, dass sich vor Ort vor allem Menschen aus Afghanistan und dem Iran aufhalten würden. „Konserven, Windeln, Hygienetücher - wir versorgen die Menschen mit dem Nötigsten", so Cidamli. „Syrer haben wir dabei kaum getroffen.“

    Illegale Grenzüberquerung

    An mehreren Orten entlang der türkisch-griechischen Grenze kam es in den letzten Tagen zwischen Flüchtlingen und dem griechischen Grenzschutz zu Auseinandersetzungen. „Öffnet das Tor, wir wollen nach Griechenland“, sollen Hunderte Migranten am Grenzübergang Pazarkule skandiert haben.

    Als stundenlang nichts geschah, sollen sie versucht haben, die Grenze zu stürmen. Die griechische Bereitschaftspolizei reagierte umgehend und setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Angaben zufolge wurden bis zum späten Montag 183 Personen an der Landgrenze zur Türkei verhaftet und wegen illegaler Einreise angeklagt. Rund 24.000 Einreiseversuche sollen seit Samstag verhindert worden sein.

    mka/gs

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    Tags:
    Grenzschutz, Griechenland, Flüchtlinge, Recep Tayyip Erdogan