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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (198)
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    Während immer mehr Veranstaltungen abgesagt werden und das öffentliche Leben wegen des neuartigen Coronavirus sukzessive abstirbt, veranstaltet die Nato weiter Militärübungen als würde der Virus vor Soldaten Halt machen. Das trifft auf immer mehr Kritik. Aber noch hält das Bundesverteidigungsministerium tapfer zur Nato.

    Logisch ist das nicht zu begründen, was derzeit in weiten Teilen Europas geschieht. Regierungen versuchen, mit immer drastischeren Maßnahmen, die an kriegsähnliche Zustände erinnern, ein weiteres Ausbreiten des als Covid-19 bekannt gewordenen neuartigen Coronavirus so gut es geht zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen.

    Die deutsche Hauptstadt Berlin hat gerade Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern bis Ostern untersagt. Beim Nato-Großmanöver „Defender-Europe 20 (DEF20)“ sind 37-mal mehr Teilnehmer involviert, darunter auch aus und in Staaten, in denen hunderte Fälle von Covid-19-Ansteckungen registriert wurden. Alleine in Deutschland sind bislang drei Menschen durch diesen Virus gestorben.

    Und selbst die Führungsstruktur der Nato, die das größte Manöver des Nordatlantikpaktes seit einem Vierteljahrhundert seit Monaten plant, ist von Covid-19 betroffen. Darunter der Oberkommandierende des US-Heeres in Europa, Generalleutnant Christopher Cavioli. Am 6. März nahm er an einer Stabstagung im hessischen Wiesbaden teil und musste danach prompt in Quarantäne, wo er seither im Homeoffice an den Planungen und Beratungen für „Defender-Europe 20“ teilnimmt. Auch die Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg ist von Covid-19 befallen und musste geschlossen werden, vorerst bis zum 13. März.

    Umso unverständlicher, dass sowohl die Nato als auch die Bundeswehr unverdrossen an dem Militärspektakel festhalten und damit die Gesundheit von abertausenden Menschen gefährden. Die Linkspartei in Mecklenburg-Vorpommern fordert nachdrücklich den Abbruch des Manövers. Doch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bekräftigte am Rande einer Tagung der Verteidigungsminister der EU in der kroatischen Hauptstadt Zagreb, dass die Nato unbeirrt an der Kriegsübung festhält:

    „Wir beobachten und verfolgen die Situation natürlich sehr genau, da dies möglicherweise auch Konsequenzen für die NATO hat. Keine Absage von Übungen, aber das werden wir beurteilen, wenn sich die Situation entwickelt. Wir sind bereit, die Anstrengungen und Maßnahmen, die wir umsetzen, zu verstärken. Und natürlich haben wir Pläne für das Fortlaufen der Geschäfte, wenn wir zum Beispiel viele Fälle in der NATO-Kommandostruktur oder im NATO-Hauptquartier haben.”

    Auch das Bundesverteidigungsministerium denkt im Moment nicht daran, „Defender-Europe 20“ abzusagen, jedenfalls für den deutschen Anteil. In einer Sputniknews Deutschland zugeleiteten Stellungnahme schreibt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums:

    „Es finden derzeit zweimal täglich ein Informationsabgleich zwischen dem Lagezentrum des Kommando Streitkräftebasis der Bundeswehr in Bonn und dem Lagezentrum USAREUR in Wiesbaden zur aktuellen Lage und Entwicklungen bei DEF20 und zum Sachstand Coronavirus statt. Sollten Verdachtsfälle bei den US-Streitkräften im Zusammenhang mit DEF20 in Deutschland auftreten, erfolgen weitere Maßnahmen in enger Abstimmung mit dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr, den regionalen deutschen Bundeswehr Sanitätseinrichtungen und regionalen, zivilen Entscheidungsträgern. Konkrete medizinische Schutzmaßnahmen erfolgen standardisiert im Einzelfall in Abstimmung zwischen den US-Streitkräften und den zuständigen militärischen und zivilen deutschen Dienststellen.“

    Derzeit habe die Zunahme von Covid-19-Fällen keine Auswirkungen auf das Nato-Großmanöver versichert das Bundesverteidigungsministerium und unterstreicht überdies:

    „Maßnahmen zu möglichen Isolierungen bzw Quarantäne von Verdachtsfällen und Kontaktpersonen während DEF20 sind regional in den deutschen Kasernen mit Unterkünften für Übungsteilnehmer sowie auch den US-Sanitätseinrichtungen in Deutschland vorbereitet.“

    Das Großmanöver „Defender-Europe 20“ soll noch bis Juni durchgeführt werden.

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    Bundeswehr, NATO, Coronavirus, Defender 2020