08:28 24 Oktober 2020
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    Im Unterschied zur überwiegenden Meinung in Deutschland und Österreich wird Donald Trump laut Daniel Witzeling, Leiter des Humaninstituts in Wien, mit großer Wahrscheinlichkeit wieder US-Präsident werden, weil er bei den Menschen in den USA gut ankommt. Ein wesentlicher Faktor: Er ist ein Hands-on-Politiker, d.h. er setzt nicht auf Bürokratie.

    Er erkläre den Menschen, so der Sozialforscher im Sputnik-Gespräch, „warum etwas nicht funktioniert. Sondern Trump versucht Lösungen für die Menschen zu machen, ähnlich wie Putin in Russland oder Erdogan in der Türkei. Gerade jetzt bei Corona- und Flüchtlingskrise, die wieder auftaucht, erwarten sich die Menschen Politiker, die sich nicht hinter Regeln und Gesetzen verstecken, sondern die ihnen Lösungen anbieten, die für ihre Lebensrealität passend sind, ob das jetzt Jobs sind, ob es Sicherheit ist.“

    „Die Menschen wollen keine Gesetze oder Formulare ausfüllen“, so Witzeling weiter. „Das macht Trump sowie Personen mit ähnlichem Profil, die eine klare Linie mit pragmatischen Lösungen fahren, aktuell so erfolgreich. Die Menschen wollen klare Antworten und keine schwammigen Aussagen. Das ist auch das Problem der EU. Es fehlt an klarer Führung und einer eindeutigen Führungsfigur.

    Tue, was die Menschen erwarten, und vermeide schwammige Aussagen

    Der Experte regt an: „Viele gerade in Deutschland oder auch bei uns in Österreich wissen, wenn man um Förderungen ansucht oder in der Wirtschaft einen Betrieb gründen will, möchten sie nicht Politiker haben, die sich hinter Vorschriften und Formalitäten verstecken, sondern die klar sagen: das geht oder das geht nicht. Bei aller Kritik, wie man Trump auch wahrnehmen kann, sieht man eben klar, dass er sagt, das und das funktioniert, ja oder nein.“

    Auch bei Putin gebe es ein berühmtes Video, erinnert sich Witzeling, „wo er die Oligarchen wegen einem Unternehmen in Russland zu seinem Tisch bittet, wo er denen klar sagt, da geht es um Menschen, da geht es um Arbeitsplätze. Und das ist das, was sich die Bürger erwarten: Jemand, der sagt, das können wir tun, das nicht — und nicht herumschwafelt oder irgendwelche luftigen Antworten gibt. Das kennen wir von Politikern gut genug. Deswegen ist jetzt auch Merkel immer mehr unter Druck. Und deswegen ist es in Deutschland so, dass die AfD immer stärker wird. Das ist nicht, weil die Menschen jetzt rechtsextrem werden, sondern weil auch die AfD einfache Antworten gibt. Ob sie immer gut oder praktikabel sind, ist ein anderes.“

    Die Last der Menschen mit der Bürokratie

    Laut einer neuen Umfrage des Allensbach-Instituts klagt die Mehrheit der Berufstätigen in Deutschland über Bürokratie und Bürokraten, über immer mehr Regeln, Formulare und Vorschriften.

    „Die Formulare und Vorschriften sind nur ein Vorwand“, ist sich der Sozialforscher sicher. „Man sieht es bei der hohen Steuerlast in Deutschland wie auch in Österreich. Als Unternehmer oder generell als Bürger muss man sehr viel Steuern zahlen, und nicht nur, dass die Beamten gute Arbeit machen würden, sondern man bekommt noch mehr Regeln, noch schwierigere. Das ist für die Menschen das Hauptproblem, dass sie einfach unter einer Last leiden.“

    Einfache Menschen seien auf die Politiker „angefressen“, äußert der Experte, „dass sie jetzt drauflos reden und sich nicht an ihr Wort halten, das sie vorher gegeben haben. Und das steckt hinter der Wut gegen die Bürokratie, weil man merkt, man ist in einem System gefangen, aus dem man nicht herauskommt. Das ist das Schlimme daran.“

    Da unterscheidet sich Österreich von Deutschland

    Die Deutschen seien verliebter in Formalismen, Gesetze und Regeln, merkt der Sozialforscher an, „weil sie keine Fehler machen wollen. Das nimmt ihnen die Angst. In Österreich ist es so wie in Bayern etwas lockerer. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine menschliche Lösung zwischen einem Gesetz zu finden. Durch die EU werden aber viele Gesetze nach Österreich runtergebrochen, die wir dann auch umsetzen müssen. Und damit haben die Menschen keine Freude. Deswegen ist die EU neben der fehlenden Sozialunion so unbeliebt, weil eben Gesetze, wie das Rauchverbot, in Brüssel beschlossen werden, die dann die Menschen in den Regionen zu spüren bekommen.

    Und wenn da die Wirtschaft oder der einfache Bürger darunter leide, fügt Witzeling hinzu, „dann ist natürlich die Wut auf die Bürokraten Lobbyisten in Brüssel sehr groß, die für die Menschen nicht greifbar sind.“

    Ob Trump Bürokraten besiegt?

    Er habe es halt an seinem Unternehmen als Milliardär gezeigt, behauptet der Sozialforscher. „Vielleicht auch ein negatives Beispiel, dass er sich mit Rechtsanwälten durchgesetzt hat. Die Menschen sehen in Trump aber eine Art Projektionsoberfläche für jemanden, der durch seine starke Klappe, kann man sagen, so agiert, dass sie die Hoffnung haben, er wird sich gegen diese Beamten, die etwas nicht zulassen oder blockieren, durchsetzen. Er stellt diesen Archetypus dar, eine Art Ritter, der gegen ein großes übermächtiges System kämpft, das die Menschen nicht fair behandelt.“

    Darin sieht Witzeling das große Problem der Demokraten in Amerika, „dass sie eher für Regeln und politische Korrektheit stehen. Und das gefällt den Menschen nicht. Deswegen ist Trump so stark, nicht nur weil er der übersympathische Typus ist (das wäre er als Milliardär und machoartiger Typ nicht für alle), aber weil er so tut, als würde er gegen ein ungerechtes System ankämpfen.“

    Was die Entscheidung Trumps, den Reiseverkehr zwischen den USA und Europa zu stoppen, betrifft, so könnte Trump laut Wladimir Wasiljew vom USA-Institut der Akademie der Wissenschaften Russlands diese aus innenpolitischen Gründen getroffen haben. "Wenn seine Administration mit diesem Coronavirus fertig wird, taugt Trump, für eine zweite Amtszeit wiedergewählt zu werden. Wenn er dies nicht schafft, wird es der beste Beweis dafür sein, dass er das Weiße Haus verlassen muss. Soll dieser Schritt auch die US-Wirtschaft selbst treffen, kann Trump diese unterstützen, indem er Zinssätze senkt.“ Ob er mit dem schlimmsten Crash seit dem historischen "Schwarzen Montag" von 1987 jetzt fertig werde, könne man schon nächste Woche sehen.

    Das komplette Interview mit Daniel Witzeling zum Nachhören:

     

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    Tags:
    Donald Trump, Coronavirus