16:15 09 Juli 2020
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    Dass Russland Italien im Kampf gegen die Corona helfen wird, hat in Tschechien unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Der Ex-EU-Abgeordnete Jaromir Stetina beispielsweise verglich diese Aktion mit der Entsendung von „höflichen Menschen“ auf die Krim.

    Sputnik fragte beim unabhängigen Abgeordneten des tschechischen Parlaments, Jaroslav Foldyna, nach, was er von dieser Auffassung hält.

    „Das russische Militär wird nach Italien eine Abteilung schicken, die gegen das Coronavirus kämpfen wird. Das ist genauso ausgeklügelt wie die Entsendung der ‚höflichen Menschen‘. Das wird die erste Einheit der russischen Streitkräfte auf dem Territorium der Europäischen Union sein“, hatte Stetina auf Twitter geschrieben und hinzugefügt: „Ich schließe nicht aus, dass der Kreml auch bei uns aufkreuzt und seine ‚brüderliche‘ Hilfe anbietet. Da haben sie große Erfahrungen (gemeint war die Einführung der Streitkräfte des Warschauer Vertrags in die Tschechoslowakei 1968 – Anm. d. Red.). Wir haben unter anderem solche Politiker, die diese Hilfe gerne annehmen werden, um ihren Wählern zu zeigen, wie effizient sie unser Land vor dem listigen Virus schützen. Und schon wieder werden sie (die Russen – Anm. d. Red.) bei uns sein.“

    ​Im Unterschied zu Stetina hat der unabhängige Abgeordnete Jaroslav Foldyna an einer möglichen humanitären Hilfe seitens Russlands nichts auszusetzen.

    „Ich habe dazu einen Beitrag auf Facebook gepostet, dass es hervorragend ist – ich meine die Hilfe, die Russland Italien leistet. Ich schätze das sehr positiv ein. Die Reaktionen Herrn Stetinas und anderer Herren halte ich für Extremismus. Es geht um eine extreme Konzeption ihrer Politik und ihrer Ansichten. Und sie ist völlig realitätsfremd. Die Gesellschaft sieht diese Schritte Russlands und auch Chinas überwiegend sehr positiv. Meines Erachtens zeigt sich Stetina durch solche Aussagen völlig unzuverlässig als Politiker. Und all die Personen, die sich ebenfalls negativ äußern, widersprechen dabei der Gesellschaft, die auf Solidarität orientiert ist. Und wenn aus Russland solche Hilfen nach Italien kommen, ist das gerade die Lösung und ein Solidaritätszeichen. Ich bin überzeugt, dass es kein Leid ohne Freud‘ gibt: Die negativen Aussagen dieser Personen (beispielsweise Stetinas – Anm. d. Red.) zeigen der Gesellschaft ihr wahres Gesicht. Aber zurück zur Russlands Hilfe für Italien: Meines Erachtens ist das ein sehr konkreter Ausdruck der Solidarität. Ich musste ja fast lachen, als das EU-Parlament feststellen musste, dass es in den EU-Ländern immer mehr deprimierte Menschen gibt, deren Depressionen sprungweise zunehmen. Und dann beschloss das EU-Parlament, den 27. Mai zum Europäischen Tag des Optimismus auszurufen (vorerst geht es nur um eine Initiative der EU-Abgeordneten – Anm. d. Red.). Das war ja lächerlich! Aber konkrete Lösungen bieten sie nicht an. Konkret ist Russlands Hilfe für Italien und seine Einwohner. In der Bibel steht geschrieben: ‚An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln?‘ (Matthäus 7:16).“

    „Ein italienischer Freund hat mir auf Facebook geschrieben: ‚Grande Putin, grande Russia!‘ Ich sehe da absolut keine Politik – das ist nichts als eine humanistische und rationale, aber keineswegs ideologische Vorgehensweise. Und wenn man in diesem Zusammenhang schon an Politik denkt, dann wäre das eine rationale Politik, und die Gesellschaft mag ja rationale Dinge“, sagte Foldyna gegenüber Sputnik Ceska Republika.

    Nach Auffassung des Abgeordneten sollte auch Tschechien Russlands Hilfe annehmen, falls sich die Situation in diesem Land wegen des Coronavirus zuspitzen sollte. „Ich denke, es wäre ja der Höhepunkt der Dummheit, eine solche Hilfe abzulehnen. Ich wäre natürlich dafür, dass wir sie annehmen“, so Foldyna.

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    Tags:
    Kritik, humanitäre Hilfe, EU, Tschechien, Italien, Russland