09:59 09 April 2020
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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (334)
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    In Italien ist die erste russische Hilfsmission zur Bekämpfung der stark um sich greifenden Covid-19-Erkrankungen eingetroffen. Russische Fachleute helfen in Bergamo, einem der Corona-Hotspots in Italien. Internationale Kooperation und gegenseitige Hilfsbereitschaft sind für den Kampf gegen die Pandemie dringend geboten.

    Nur wenige Stunden nach der Landung der ersten russischen Flugzeuge mit Ärzten und Ausrüstung, begannen einige italienische Zeitungen damit, Mutmaßungen über die „wahren“ Absichten Moskaus hinter seiner Krisenhilfe anzustellen; dabei schrieben sie sogar von „Risiken“ für Italien.

    Die Ärzte und Krankenpfleger freuen sich natürlich über die Hilfe der russischen Kollegen, insbesondere in den von der Epidemie am stärksten betroffenen Regionen wie Lombardei bzw. Bergamo. Italien wird auch von China und Kuba unterstützt. Was unternehmen die EU-Länder für die notleidenden Italiener? Welche Instrumente sind notwendig, um die Epidemie in Italien zu stoppen? Kann in Italien das chinesische oder südkoreanische Modell zur Virus-Bekämpfung angewendet werden? Sputnik Italien interviewte Giovanni Rezza, Epidemieforscher, Leiter der Abteilung für Infektionserkrankungen am Istituto Superiore di Sanità (Iss), zu diesen Fragen.

    - Wie wichtig ist für Italien die russische Unterstützung bei der Covid-19-Bekämpfung?

    - Sie ist wichtig, weil Italien und insbesondere die Lombardei sich in einer äußerst schweren Situation erwies. Viel medizinisches Personal wurde krank, überwiegend zu Beginn der Epidemie, es fehlte an Atemschutzmasken. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass das Krankenhaussystem in der Lombardei eines der besten in Europa ist.

    Die russischen Flugzeuge mit medizinischem Personal und Ausrüstung an Bord sind sehr wichtig, auch China lieferte Masken, Kuba schickte Ärzte. Wir begrüßen die Unterstützung der russischen Kollegen, sie werden auch wertvolle Erfahrungen sammeln – die Epidemie in Italien nähert sich ihrem Höhepunkt an. Gleichzeitig fehlte die Koordinierung auf der EU-Ebene.

    - Das Coronavirus ist ein gemeinsamer Feind. Italien erwartete von Europa mehr, oder?

    - Die internationale Zusammenarbeit ist notwendig. Wir erwarteten von der EU mehr – wir haben keine besondere materielle Unterstützung bekommen, manchmal kam es sogar zu Missverständnissen. Leider agieren einzelne Länder in der EU im Alleingang, jedes auf eigene Art und zu verschiedenen Zeitpunkten. Als man das Beispiel Lombardei vor Augen sah, hätte die EU die Brandherde früher eindämmen können.

    Jetzt brach eine starke Epidemie in Madrid aus, Spanien hat kein Glück. Die Infektion breitet sich von der Hauptstadt aus. Frankreich und Deutschland sind auch in einer nicht einfachen Lage, die Zahl der Infizierten steigt. Die Maßnahmen wurden zu spät ergriffen, sie hätten früher und zusammen mit der gesamten EU getroffenwerden müssen, nachdem Italien mit der Sperrung der Grenzen begonnen hatte.

    (Deutschland beteiligt sich ebenfalls an den Hilfen für Italien. So hatte zuvor der Bundesaußenminister Heiko Maas im ZDF-Morgenmagazin mitgeteilt, dass die Bundesregierung am Sonntag eine Maschine mit sieben Tonnen Hilfsgütern nach Italien – darunter 300 Beatmungsgeräten - geschickt hat. Das solle "die wirklich dramatische Situation in der Lombardei" verbessern. Auch vorher hatte Deutschland bereits Schutzausrüstung geliefert. - Anm. d. Red.)

    - In einem Interview sprachen sie von der Effizienz der koreanischen Methode bei der Corona-Bekämpfung – GPS-Tracking der Menschen. Könnte das bei der Regelung der Situation helfen? Welche Instrumente sind notwendig, um die Krise zu bewältigen?

    - In den asiatischen Ländern sehen wir zwei Modelle für Aktionen – das chinesische basiert vor allem auf Isolation und Quarantäne, das koreanische auf Technologien und Tests. Italien konzentrierte sich auch auf Isolation, das ist eine strikte, aber wichtige Maßnahme. Es liegt auf der Hand, dass sie auch mit anderen Instrumenten ergänzt werden muss. Die Apps und Auswahl-Tests in Südkorea können ziemlich nützlich sein, weil sie sofort zu verstehen geben, wo sich Infizierte versammeln, wohin sie gehen. Dank diesem System bekommen sie viele nützliche Informationen, die bei der Ortung aller jener helfen, welch mit den Infizierten in Kontaktstanden, und darüber, wie sich die Infektion ausbreitet und warum.

    - Eine vollständige Isolation zu organisieren, ist sehr schwer, denn Corona-Infizierte, die in häuslicher Quarantäne sind, haben Kontakt mit ihren Verwandten. Sind Sondereinrichtungen gerade für Quarantäne notwendig?

    - Wenn ich mich nicht irre, erörtert die Lombardei die Möglichkeit der Isolierung der leicht erkrankten Corona-Patienten in Hotels. Eine häusliche Isolierung ist nicht so einfach – man muss ein eigenes Zimmer, Bad haben, nicht alle haben diese Möglichkeit.

    - Es ist zwar nicht einfach, derzeit Prognosen anzustellen, doch wie lange könnte diese Epidemie Ihrer Meinung nach dauern?

    - Am Ende des Monats werden wir mit der Einschätzung der ersten Ergebnisse der Einschränkungsmaßnahmen beginnen. Natürlich können sie nicht auf einmal aufgehoben werden. Das zeigt das Beispiel Chinas. Die Infektionsherde, besonders im Norden des Landes, sind immer noch belangvoll. Um diese Maßnahmen aufzuheben, müssen neue Mittel gefunden werden, die bei der Bekämpfung von Covid-19 und seiner Eindämmung helfen werden. Das wird ein langer Krieg sein.

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    Tags:
    EU, humanitäre Hilfe, Pandemie, Coronavirus, Deutschland, Kuba, China, Russland, Italien