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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (512)
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    Steigt durch die hohen Infektionsraten die Angst vor einer schweren Erkrankung? Befürchten jetzt mehr Menschen eine Rezession? Wie groß ist die Angst vor dem Verlust des eigenen Jobs? Wie beurteilen die Deutschen die Arbeit der Politiker? Eine neue Studie hat Antworten auf diese Fragen in der Corona-Krise gesucht. Was hat sie gefunden?

    Trotz der Corona-Krise sind die Ängste der bundesdeutschen Bevölkerung vor einer schweren Erkrankung nur relativ gering gestiegen. Das zeigt die am Dienstag veröffentlichte neue Ausgabe der Studie „Die Ängste der Deutschen“. Sie wird seit fast 30 Jahren von der R+V Versicherung herausgegeben. Sie ist einer der größten Versicherer für Privat- und Firmenkunden in Deutschland und gehört zur „Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken“.

    Die Angst vor Krankheiten steht mit aktuell 41 Prozent (2019: 35 Prozent) dabei nur auf Platz 3 in der Rangliste der Sorgen der Bundesbürger rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt und Gesundheit. An erster Stelle steht mit 58 Prozent die Angst vor einer wirtschaftlichen Talfahrt (2019: 35 Prozent). Zugleich haben nur rund ein Viertel der Befragten (2019 und 2020: 24 Prozent) Angst vor eigener Arbeitslosigkeit.

    Auf Platz 2 der Sorgen-Rangliste folgt mit 46 Prozent die Angst davor, dass die Politiker in der Corona-Krise überfordert sein könnten. Diese grundsätzliche Befürchtung ist im Vergleich zum Vorjahr sogar um einen Prozentpunkt gesunken.

    „Begründete Sorgen um die Wirtschaft“

    Für die aktuelle Studie mit besonderem Blick auf die gegenwärtige Krise sind den Angaben nach vom 31. März bis 1. April 1.075 Bundesbürger befragt worden. Für die Herausgeber sei vor allem der Vergleich zum Vorjahr interessant gewesen, „zu einer Zeit, in der sich kaum jemand eine solche Pandemie hätte vorstellen können“, so R+V-Sprecherin Brigitte Römstedt.

    Die Angst vor einer verschlechterten Wirtschaftslage sei sprunghaft auf den höchsten Wert seit zehn Jahren gestiegen, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie. Dazu wird Manfred G. Schmidt, Politikwissenschaftler an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg zitiert: „Die Sorgen sind begründet. Der Wirtschaftsabschwung, der in Deutschland 2020 zu erwarten ist, übertrifft höchstwahrscheinlich die Wirtschaftskrise von 2009. Damals schrumpfte die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 5,6 Prozent. Diesmal könnte der Absturz tiefer gehen – wenn die Corona-Pandemie länger dauert.“

    Warum diese Angst deutlich stärker als die vor der eigenen Arbeitslosigkeit als einer der Folgen und auch als die vor Krankheiten wird nicht weiter erklärt. „Die Angst, arbeitslos zu werden, bleibt im April 2020 auf dem relativ niedrigen Niveau des Vorjahres“, heißt es. „Allerdings gilt hier: je jünger, desto besorgter. Bei den unter 30-Jährigen ist diese Angst mit 36 Prozent am höchsten. Auch Frauen (28 Prozent) fürchten sich mehr vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes als Männer (21 Prozent).“

    „Drei Medikamente gegen Krisenfolgen“

    „Deutschland hat aber zwei starke ‚Medikamente‘ zur Linderung der Schäden verabreicht“, wird Politologe Schmidt zitiert. „Das Kurzarbeitergeld schützt mehrere Millionen Arbeitnehmer vor Entlassungen. Linderung verschafft zudem auch das Hilfspaket der Bundesregierung in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro für die Wirtschaft – ob für große, mittlere oder kleine Betriebe.“ Hinzu komme: „Ein Teil der Beschäftigten ist gegen den Wirtschaftseinbruch geschützt. Das sind insbesondere die Mitarbeiter in den sogenannten systemrelevanten Berufen, wie im Gesundheitswesen und im staatlichen Sektor bei Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen.“

    Die Angst, schwer zu erkranken, sei „in allen Altersgruppen in etwa gleich hoch“, so R+V-Sprecherin Römstedt.

    „Im Verlauf unserer Studie waren die jüngeren Befragten bis zum Alter von 30 Jahren bei dieser Frage bisher deutlich sorgloser als die Generation ihrer Eltern und Großeltern. Offensichtlich haben viele jüngere Menschen erkannt, dass Covid-19 nicht nur Ältere treffen kann.“

    Traditionell würden sich Frauen mehr vor Krankheiten als Männer sorgen. „So auch bei dieser Sonderumfrage: 46 Prozent der Frauen haben Angst vor einer schweren Krankheit – aber nur 36 Prozent der Männer.“

    Dagegen hatte der am 12. Februar vorgestellte „Sicherheitsreports 2020“ herausgefunden: „Auf der ganz persönlichen Sorgenliste der Bevölkerung rangieren Gesundheitsrisiken nach wie vor an der Spitze: 42 Prozent machen sich große Sorgen, dass sie im Alter zum Pflegefall werden und unter Demenz leiden könnten, 35 Prozent fühlen sich durch gefährliche Krankheiten wie Krebs besonders bedroht.“ Der „Sicherheitsreport“ wird jährlich vom Institut für Demoskopie (IfD) Allensbach und vom Centrum für Strategie und Höhere Führung herausgegeben.

    Laut der R+V-Studie vom Dienstag befürchten 46 Prozent der Deutschen befürchten, dass die Politiker von ihren Aufgaben überfordert sind. „Das ist wie im vergangenen Jahr eine der besten Bewertungen für die Arbeit der Politiker in den vergangenen 20 Jahren“, so Römstedt dazu. Deutschlands Politiker würden in Umfragen meist schlechte Noten bekommen, erklärte Politologe Schmidt. Jetzt würden die Befragten „etwas milder als in den Vorjahren, und viel milder als in der Finanzmarktkrise 2009“ urteilen. „Das spiegelt vermutlich die Anerkennung des Krisenmanagements der Regierung in der Corona-Krise wider.“

    tg

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