00:18 12 Juli 2020
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    Der italienische Premierminister Giuseppe Conte hat in einem Interview mit dem britischen TV-Sender BBC vor einem möglichen Untergang der Europäischen Union angesichts der globalen Corona-Pandemie gewarnt.

    Laut Conte müsse sich die EU der Herausforderung stellen, die er als „den größten Test seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnete, und sich bemühen, denjenigen Ländern Hilfe zu leisten, die am stärksten von der Ausbreitung des Coronavirus betroffen seien.

    „Wenn wir die Gelegenheit nicht nutzen, um dem europäischen Projekt neues Leben einzuhauchen, ist das Risiko eines Scheiterns hoch“, unterstrich Conte.

    Der italienische Premierminister betonte auch, dass es möglich sei, dass die getroffenen Maßnahmen bereits Ende dieses Monats gelockert werden können, falls die Wissenschaftler dies bestätigen würden.

    Allerdings wird Conte in Italien für die Verzögerung bei der Einführung von Beschränkungen in den ersten Tagen nach dem Ausbruch des Coronavirus kritisiert.

    Im Zuge des Interviews verteidigte Conte seine damaligen Handlungen.

    „Wenn ich zurückblicke, würde ich dasselbe tun. Wir haben ein völlig anderes System als China. Für uns war es eine kritische Entscheidung, die verfassungsmäßigen Freiheiten stark einzuschränken, die wir sehr sorgfältig prüfen mussten. Wenn ich sofort eine Einschränkung der verfassungsmäßigen Rechte vorgeschlagen hätte, hätten mich die Leute für einen Verrückten gehalten“, betonte er.

    Conte verteidigt russische Corona-Hilfe

    Zudem äußerte sich Conte zu den Spekulationen der italienischen Zeitung "La Stampa" darüber, dass 80 Prozent der von Russland bereitgestellten Hilfe an Italien im Kampf gegen das Coronavirus nutzlos gewesen sei und dass Moskau damit eigennützige Ziele verfolge und von dieser Hilfeleistung politischen Profit erwarte.

    „Der Hinweis selbst beleidigt mich zutiefst. Es ist beleidigend zu glauben, dass die Hilfe, die wir von Russland, China oder anderen Ländern erhalten, die geopolitische Position Italiens beeinflussen kann“, sagte der Premierminister.

    Laut Conte seien solche Spekulationen und Behauptungen nicht nur für ihn, sondern auch für den russischen Präsidenten Wladimir Putin eine große Beleidigung.

    Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium den Artikel der „La Stampa“ scharf kritisiert, in dem Moskaus Hilfe für Italien als größtenteils nutzlos bezeichnet wurde.

    Aktueller Stand

    Am 31. Dezember 2019 haben die chinesischen Behörden die Weltgesundheitsorganisation (WHO) über den Ausbruch einer unbekannten Pneumonie in der Stadt Wuhan im zentralen Teil des Landes (Provinz Hubei) informiert. Experten stellten fest, dass der Erreger der Krankheit ein neues Coronavirus war, später wurde die Krankheit offiziell Covid-19 genannt.

    Die WHO hatte am 11. März den Ausbruch von Coronavirus als Pandemie eingestuft. Nach jüngsten Angaben der Johns-Hopkins-Universität haben sich bisher mehr als 1.500 Millionen Menschen weltweit mit dem Sars-CoV-2 angesteckt und fast 90.000 Patienten sind an dem Erreger gestorben. In Italien sind bisher 139.422 Infektionsfälle gemeldet worden. Davon sind 17.669 Patienten gestorben.

    ac/mt/sna

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    Tags:
    La Stampa, Hilfe, Russland, Giuseppe Conte, Untergang, EU, Pandemie, Coronavirus