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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (512)
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    Zwei führende Mediziner aus Hamburg fordern von den Bundes- und Landesregierungen, die Anti-Corona-Maßnahmen zu lockern. Sie begründen dies mit der Lage im Zusammenhang mit dem Virus Sars-Cov 2. Sie sagen: „Die Krankheit Covid-19 ist weitaus weniger schlimm, als die meisten Menschen denken und Politik und Medien suggerieren.“

    „Keine der Zahlen, die wir kennen, rechtfertigt die Angst, die in Deutschland vor dem Virus geschürt wird.“ Das hat der Hamburger Psychiater Michael Schulte-Markwort dem „Hamburger Abendblatt“ erklärt, wie die Zeitung am Mittwoch berichtete. Sie zitierte ebenso den Rechtsmediziner Klaus Püschel, der kurz vor der Beratung von Bund und Länder zu den Anti-Corona-Maßnahmen sagte: „Die Zeit der Virologen ist vorbei. Wir sollten jetzt andere fragen, was in der Coronakrise das Richtige ist, etwa die Intensivmediziner.“

    Beide Mediziner sind Professoren am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und haben sich laut der Zeitung zusammengetan, weil sie den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit der Corona-Krise gefährlich finden.

    Schulte-Markwort erinnerte dabei laut dem „Abendblatt“ daran, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 26. März vor der „Ruhe vor dem Sturm“, einer möglichen Überlastung der Intensivstationen, warnte. „Tatsächlich gibt es knapp drei Wochen später keine Klinik in Deutschland, die an ihren Kapazitätsgrenzen ist“, sagte Schulte-Markwort gegenüber der Zeitung. Spahn erklärte zu Ostern, dass immer noch 10.000 Intensivbetten frei wären.

    „Keine italienischen Verhältnisse“

    Der Hamburger Mediziner widersprach ebenso der vermeintlichen Gefahr „italienischer Verhältnisse“ in Deutschland. Diese beschwor unter anderem der Tiermediziner Lothar Wieler, Leiter des Robert-Koch-In­stituts (RKI). Schulte-Markwort erinnerte dagegen an die gute Ausstattung deutscher Krankenhäuser mit Intensivbetten.

    Laut einem internationalen Vergleich kamen in Deutschland 33,9 Intensivbetten auf 100.000 Einwohner, in Italien dagegen nur 8,6. „Solche Zahlen würden in der öffentlichen Diskussion „eine viel zu geringe Rolle“ spielen, wird der Psychiater zitiert.

    Stefan Kluge, Leiter der Intensivmedizin am selben Klinikum in Hamburg, hatte am 8. April auf einer Pressekonferenz zu den Anti-Corona-Maßnahmen erklärt: „Wir müssen wahrscheinlich schon bald zu einer schrittweisen Reduktion kommen", – möglicherweise schon im April.

    Auf der Pressekonferenz hatten drei führende Mediziner des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) über die Lage vor Ort im Zusammenhang mit dem Virus Sars-Cov 2 und der laut Weltgesundheitsorganisation WHO von ihm ausgelösten Krankheit Covid-19 berichtet. „Die Corona-Lage in Hamburg ist derzeit stabil, kontrolliert und ruhig“, sagte die Leiterin der UKE-Infektiologie, Marylyn Addo, laut Norddeutschem Rundfunk (NDR). Das sei auch ihr Eindruck aus anderen Unikliniken in der Bundesrepublik.

    „Eine relativ harmlose Viruserkrankung“

    Rechtsmediziner Püschel wundert sich laut „Abendblatt“, dass das RKI weiterhin empfiehlt, die Anti-Corona-Maßnahmen nicht zu lockern. Er wiederholte gegenüber dem Blatt seine früheren Aussagen:

    „Corona ist eine vergleichsweise harmlose Viruserkrankung. Wir müssen uns damit beschäftigten, dass Corona eine normale Infektion ist, und wir müssen lernen, damit zu leben, und zwar ohne Quarantäne.“

    Püschel erklärte laut der Zeitung, die „Zeit der Virologen ist vorbei“. Nun sollten andere Experten zu Rate gezogen werden, um die Frage zu beantworten, wie es weitergehen könne.

    „Völlig falscher Eindruck“

    Der Rechtsmediziner hatte bereits am 9. April in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ seine Sichten dargestellt und erläutert. Dabei kritisierte er unter anderem erneut die Empfehlung der RKI, sogenannte Corona-Tote nicht zu obduzieren. Meldungen zufolge hat das Institut seine Sicht inzwischen korrigiert – in Folge Püschels Kritik, heißt es.

    Ebenso kritisierte der Rechtsmediziner die Zählweise des RKI:

    „Zur Zeit schreiben wir ja der Infektion alles zu, was irgendwie möglich ist. Das ruft auch einen völlig falschen Eindruck hervor.“

    Durch die offiziell gemeldeten Todenzahlen würden die Menschen denken, die Infektion durch das Virus sei eine tödliche Gefahr.

    Püschel erklärte in der Sendung: „Ich bin davon überzeugt, dass am Ende dieses Jahres diese Krankheit statistisch im Hinblick auf die Gesamtzahl der Toten überhaupt keine Rolle spielt. Es sterben in diesem Jahr in Deutschland nicht mehr Menschen als in den Jahren zuvor.“

    „Todesangst ist fehl am Platz“

    Ebenso wiederholte er seine Aussagen über die sogenannten Corona-Toten im Hamburg, die hinsichtlich ihres Alters und ihres Gesundheitszustandes zu den Risikogruppen gehört hätten. Sie hätten schwere Vorerkrankungen gehabt hätten und wären deshalb im Verlauf dieses Jahres gestorben. Er habe bisher keinen entsprechenden Toten untersucht, der keine Vorerkrankung gehabt habe.

    Gegenüber ZDF-Moderator Lanz sagte Püschel zu den Maßnahmen, dass es richtig gewesen sei, das Gesundheitswesen frühzeitig auf eine mögliche Erkrankungswelle einzustellen. Er fügte seine Erkenntnisse hinzu:

    „Wir müssen keine persönliche Todesangst haben. Die ist völlig fehl am Platz.“

    Zur Gefahr durch eine Infektion mit dem Virus sagte der Mediziner, es gebe für die Einzelnen „keine besondere Problemlage“.

    „Auch Einsamkeit macht krank“

    „Die Virusinfektion ist grundsätzlich nicht zu verhindern. Die Krankheit Covid-19 ist weitaus weniger schlimm, als die meisten Menschen denken und Politik und Medien suggerieren.“ Das gehört zu zehn Thesen, in denen Püschel und Schulte-Markwort dem „Abendblatt“ zufolge ihre Auffassungen zusammengefasst haben. Sie warnen darin vor den Folgen „verselbstständigter Angst“ und „angststeigernden Mechanismen“.

    Beide Mediziner erklären: „Der Schutz von Risikogruppen ist selbstverständlich vorzusehen, aber niemals gegen deren Willen. Auch Einsamkeit (durch zum Beispiel Quarantäne …) macht krank.“ Und:

    „In fast allen Bereichen des täglichen Lebens können die Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Das bedeutet, dass alle Bereiche der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens unverzüglich wieder geöffnet werden sollten.“

    Laut „Abendblatt“ fordern Schulte-Markwort und Püschel von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Deutschland wieder zu öffnen. Der Psychiater traut der Zeitung zufolge der Gesellschaft, „also uns allen zu, dass wir verantwortungsvoll und selbstbestimmt mit der Situation klarkommen“. Für den Rechtsmediziner gibt es noch eine Frage: „Was machen wir eigentlich, wenn wir es in Deutschland irgendwann mal mit einem richtig gefährlichen Virus zu tun bekommen?“

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    Jens Spahn, Angela Merkel, Hamburg, Deutschland, Medizin, Pandemie, Coronavirus