13:52 09 Juli 2020
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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (527)
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    Ist die vielzitierte Johns-Hopkins-Universität eine zuverlässige und unabhängige Quelle für die Zahlen in der Corona-Krise? Wie kommt sie zu ihrer führenden Stellung in der weltweiten Darstellung der Ereignisse? Wer steht hinter und neben ihr und finanziert sie? Antworten hat der Bankenkritiker Werner Rügemer gegeben.

    Die US-amerikanische Privatuniversität Johns Hopkins University (JHU) in Baltimore (Maryland) ist zunehmend zur Datenquelle auch für bundesdeutsche Medien geworden, wenn es um die Ausbreitung des neuen Virus Sars-Cov 2 geht. Selbst für die Zahl der Infizierten sowie derjenigen, die an Covid-19 erkrankt sind, hierzulande wird die Universität als Quelle genommen. Covid-19 ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO die Krankheit, die das neue Virus auslöst.

    So meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) für den Montag für Deutschland 123.016 laborbestätigte Covid-Fälle an, darunter 2.799 Todesfälle „in Zusammenhang mit Covid-19-Erkrankungen“. Das Institut untersteht dem Bundesgesundheitsministerium und wird vom Tiermediziner Lothar Wieler geleitet. Die Johns-Hopkins-University meldete dagegen laut dem gebührenfinanzierte Deutschlandfunk bereits für Sonntag bereits 126.656 bestätigte Fälle und 2.961 Todesopfer.

    „Die Corona-Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) bilden seit mehreren Wochen einen der Grundpfeiler der deutschen Berichterstattung in der Pandemie“, heißt es dazu auf der Webseite der ARD-Tagesschau. „Auch die 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau verwendet diese Zahlen.“ In dem Beitrag wird zwar erklärt, auf welche Datenquellen sich die US-Universität stützt und warum deren zahlen „teils um mehrere Tausend Neuinfektionen höher“ liegen.

    Private Universität mit globalem Einfluss

    Die Hintergründe der privat finanzierten Bildungseinrichtung, die international eine tonangebende Rolle in der Corona-Krise spielt, werden nicht beleuchtet. Auf ihre Rolle machte stattdessen der Bankenkritiker Werner Rügemer in einem Beitrag im Online-Magazin „Nachdenkseiten“ aufmerksam. Er fragte am 1. April, „wieso ist die private Universität in Baltimore/Maryland bei der Definition, der globalen Inszenierung und beim Management von Epidemien und Pandemien sowieso ungleich wichtiger als das kleine deutsche RKI?“

    Der Autor verweist auf den Grund, warum US-Präsident Donald Trump angesichts der anscheinend katastrophalen Lage in den USA medial ins Lächerliche gezogen wird. Trump hatte noch Ende Februar das US-Gesundheitssystem als „das gegen Pandemien bestgeschützte der Welt“ bezeichnet. Als er das sagte, hielt er seine Quelle, den „Global Health Security Index“ vom Oktober 2019 hoch.

    Der wird gemeinsam erarbeitet vom Johns Hopkins Center for Health Security der JHU, der Robertson-Stiftung des New Yorker Hedgefonds-Managers Julian Robertson (Tiger Management), vom Open Philantropy Project des Facebook-Mitgründers Dustin Moskovitz), von der Economist Intelligence Unit (gehört zur Zeitschrift The Economist) und der Nuclear Threat Initiative, gegründet von Ted Turner/CNN und Senator Sam Nunn (Ex-Vorsitzender des Streitkräftekomitees im Kongress).

    Kritik an Trump statt an dessen Quelle

    Trump sagte damals entsprechend: „Johns Hopkins, glaube ich, ist ein hoch respektierter, großer Ort.“ Der US-Präsident wird auch in den bundesdeutschen Medien für seine Fehleinschätzung aufs Korn genommen. Aber seine Kritiker zitieren in ihrer Corona-Berichterstattung nun selbst genau jene Quelle, auf die er sich berief. Irgendwelche Zweifel an der Seriosität der JHU sind in den etablierten Medien der Bundesrepublik nicht zu finden.

    Der Autor schreibt in seinem Beitrag auf den „Nachdenkseiten“ zu den Daten der Privatuniversität in Baltimore:

    „Man muss übrigens nicht davon ausgehen, dass Daten wissenschaftlichen Standards genügen, nur weil sie von einer sich wissenschaftlich nennenden Institution kommen.“

    Die JHU-Daten würden beispielsweise eine Grundregel der ärztlichen Kunst verletzen:

    „Bei einer ärztlich-amtlichen Todesbescheinigung muss die Hauptursache des Todes angegeben werden. Das geschieht bei den JHU-Todeszahlen nicht: War Covid-19 nur ein Beifang oder die Haupt-Todesursache?“

    Die unklare Zählweise wird auch in Deutschland benutzt: RKI-Chef Wieler erklärte bei der täglichen Corona-Pressekonferenz am 20. März auf Nachfrage, dass positiv getestete Verstorbene unabhängig von der wirklichen Todesursache als „Corona-Todesfälle“ gezählt werden. „Bei uns gilt als Corona-Todesfall jemand, bei dem eine Coronavirus-Infektion nachgewiesen wurde“, so Wieler.

    Verstrickung von Anfang an

    Bankenkritiker Rügemer zeigt mit Beispielen aus der Geschichte der Bildungseinrichtung in Baltimore, wie frühzeitig diese mit nationalen und internationalen Institutionen sowie mit den Mächtigen in den USA vernetzt wurde. „Die JHU, 1876 aus Vermögen des Bankers, Eisenbahnunternehmers und Multimillionärs Johns Hopkins gegründet, ist erstens eine private Universität, zweitens unterhält sie direkte Beziehungen zum Militär und zur US-Außenpolitik.“

    Seit der Zeit des Ersten Weltkrieges beschäftige sich die Universität mit Fragen der Medizin und der Gesundheitspolitik.

    „1916 wurde an der JHU die School of Public Health gegründet. Das meiste Geld kam von der damals größten Unternehmensstiftung des damals reichsten US-Unternehmers, der Rockefeller Foundation. Der Gründungspräsident war William H. Welch, Pathologe und Hygieniker von der privaten Elite-Universität Yale.“

    Als die USA trotz der anfänglichen Neutralitäts-Versprechen des Präsidenten Woodrow Wilson, selbst JHU-Absolvent in den Krieg eintraten, wurde Welch Chefberater der US-Armee. Später sei er einer der führenden Wissenschaftler bei der Bekämpfung der Spanischen Grippe geworden – die übrigens anders als ihr Name es suggeriert ihren Anfang in den USA nahm.

    Illustre Namen in Geschichte und Gegenwart

    Welch sei bis 1932 Präsident des „Rockefeller Institute for Medical Research“ und aktiv bei der Einbindung der JHU in die US-Globalstrategie mitgewirkt, so Rügemer. Er verweist darauf, dass zur JHU ebenso unter anderem die „Paul H. Nitze School of Advanced International Studies“ (SAIS) gehört. „Die ist benannt nach dem Investmentbanker Nitze, der in den 1950er Jahren Marine- und stellvertretender Verteidigungsminister der USA war und als ‚Falke‘ dann mit Ronald Reagan für die Stationierung der Mittelstreckenraketen in Westeuropa eintrat.“

    Zu den Absolventen der Einrichtung gehört die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright. Außerdem handelt es sich laut dem Autor um einen „Tummelplatz für US-freundliche Multimilliardäre“. Zu diesen gehören neben dem Reeder-Oligarchen und Putsch-Finanzierer Stravros Niarchos solche wie Bill Gates und Michael Bloomberg.

    Rügemer schreibt weiter: „Diese private, unternehmens-, militär- und regierungsnahe Universität handelt im ‚nationalen Interesse‘ der USA.“ Das ergebe sich aus dem „Verbund mit Regierungs-Institutionen, Konzernen, Banken, reichen StifterInnen, anderen Elite-Universitäten, Militärs und dem State Departement“. Auch die Gesundheit und Krankheit aller Menschen der Erde seien wichtig „für das Wohlergehen, die Sicherheit (und die Geschäfte) der angemaßten ‚einzigen Weltmacht‘“, wird Zbigniew Brzezinski, Berater mehrerer US-Präsidenten und einflussreicher US-Geostratege, zitiert.

    An mutmaßlichen Verbrechen beteiligt

    Die JHU stehe zusammen mit der Rockefeller Foundation und dem Pharma-Konzern Bristol-Myers Squibb in Washington vor Gericht, erinnert der Autor. Dabei gehe es um Experimente in Guatemala von 1946 bis 1948 an Tausenden von Menschen ohne deren Wissen. Diese seien im Auftrag des US-Militärs mit Geschlechtskrankheiten infiziert worden, teils durch Sex mit Prostituierten und später über Impfungen mit Bakterien –  für „Forschungen zu „medizinischen Problemen, die die nationale Verteidigung berühren“, so Rügemer. Sputnik berichtete darüber.

    Der Autor dazu:

    „Die zwölf beteiligten US-Mediziner kamen mehrheitlich von der JHU. Sie traten mit weißen Kitteln auf, verletzten massenhaft und nachhaltig den hippokratischen Eid – während gleichzeitig US-Staatsanwälte beim Militärtribunal in Nürnberg und den Folge-Tribunalen die verbrecherischen Experimente von Nazi-Ärzten mit KZ-Häftlingen anprangerten.“

    Bis heute gibt es kein Urteil in dem Verfahren, dafür zahlreiche Versuche der JHU und der anderen Beteiligten, gegen die Klage vorzugehen, – und bis heute keine Entschuldigung der Privatuniversität in Baltimore, so Rügemer.

    Milliardäre geben Gelder

    Dafür nimmt diese laut seinen Angaben weiter „für sich in Anspruch, bei der Wissenschaft über die Gesundheitssysteme weltweit führend zu sein“. Dazu würden neun Fakultäten mit 30 Zentren und Instituten betrieben, die auf 35 Nobelpreise verweisen könnten.

    Laut Rügemer ist die einst von Welch 1916 gegründete „School of Public Health“ der JHU heute die „JH Bloomberg School of Public Health“. Aus Dank: Der Ex-Banker, Milliardär und Ex-Bürgermeister von New York Michael Bloomberg hatte einst selbst an der Universität studiert und ihr vor Jahren Milliarden Dollar gespendet. Seine Medien-Agentur „Bloomberg“ verbreitet weltweit vielzitierte Informationen der Wall Street, aber auch aus der Bloomberg-School.

    Der Autor macht auf die Rolle eines weiteren Milliardärs aufmerksam:

    „Neben Bloomberg ist die Stiftung des Microsoft-Gründers William Gates der größte Sponsor der JHU auf dem Gebiet der Gesundheit.“

    Neben Projektspenden und anderen Kooperationen habe die Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) 1999 an der JHU ein eigenes Institut gegründet: die „Bill & Melinda Gates Institute for Population and Reproductive Health“.

    Das Institut organisiere Familienplanung und „sozialen Wandel“ in 30 ausgesuchten Ländern Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und des Mittleren Ostens. Wissenschaftler aus diesen Ländern würden an der JHU mit Stipendien bedacht, in „strategischer Führerschaft“ ausgebildet und dann in ihren Herkunftsländern als medizinische Führungskräfte eingesetzt. Das Gates-finanzierte Institut gründe in Staaten, die den USA besonders nahestehen, Zentren für Fortpflanzungs-Gesundheit.

    Pandemie-Planspiel und CIA als Partner

    Die Universität organisiere gemeinsame Kampagnen mit Partnern organisiert: So mit der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), dem National Institute of Health (NIAD), anderen privaten Elite-Universitäten wie Harvard, der Weltgesundheits-Organisation WHO, großen Privat-Stiftungen wie der Bill & Melinda Gates Foundation und die Bloomberg Family Foundation sowie Pharma-Konzernen wie Wellcome, GlaxoSmithKline, Novartis und Sanofi.

    Ebenso verweist er auf das Pandemie-Planspiel „Event 201“ vom 18. Oktober 2019 Neben dem JHU-Center for Health Security gehörten die Gates-Stiftung und das World Economic Forum (WEF) in Davos zu den Mitveranstaltern. Zu den Teilnehmenden gehörten außerdem Vertreter zahlreicher Konzerne aus dem Pharma-, Logistik und auch dem Medien-Bereich. Mit Avril Haines war ein ehemaliger CIA-Vizedirektor und ehemaligen Sicherheitsberater des Weißen Hauses dabei.

    „Die CIA ist Partner der JHU“, schreibt Rügemer. „Der Geheimdienst organisiert in der Universität öffentliche Rekrutierungs-Events. Sie finden statt in der Washingtoner Niederlassung des JHU-Paul Nitze School of Advanced International Studies.“ Dort könnten sich Studenten über die Karrieremöglichkeiten informieren.

    „Kompetenz und Autorität verwirkt“

    Bei dem Planspiel im Oktober letzten Jahres wurde von 65 Millionen Toten in Folge eines mutierten Corona-Virus und fehlender Medikamente ausgegangen. Als zwei Monate später in der chinesischen Millionenstadt Wuhan die Covid-19-Epidemie ausbrach, relativierte die JHU die 65 Millionen Toten. Es habe sich bei dem Planspiel nicht um eine Voraussage gehandelt, hieß es in einer Presseerklärung vom 24. Januar dieses Jahres. Nicht einmal zwei Monate später, am 14. März, meldete die Universität, ihre Wissenschaftler hätten einen Covid-19-Test entwickelt. Der erlaube es dem Gesundheitssystem bald, bis zu 1.000 Personen pro Tag zu testen und innerhalb von 24 Stunden Ergebnisse anzuzeigen, hieß es.

    Das war kurze Zeit, nachdem US-Präsident Trump noch erklärt hatte, das US-Gesundheitssystem sei bestens auf die von der WHO am 12. März ausgerufene Corona-Pandemie vorbereitet. Dass er sich dabei auch auf die JHU-Daten stützte, erwähnt heute niemand mehr. Trump wird für sein Vorgehen kritisiert, während fleißig weiter aus der Corona-Statistik der Privatuniversität aus Baltimore zitiert wird.

    Rügemer fragt:

    „Ist es gut, dass die JHU zu Viren forscht und die Gesundheits- und Krankheitsdaten der Menschheit verwaltet?“

    Seine Antwort: „Die Globalisierer à la JHU, Gates & Co haben den Anspruch, nicht zuletzt die wissenschaftliche und moralische Kompetenz und Autorität für die Gestaltung der globalen Verhältnisse der Menschheit nun endgültig verwirkt.“

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    Donald Trump, USA, Globalisierung, Pandemie, Bill Gates, Angaben der Johns-Hopkins-Universität, WHO, Coronavirus