23:42 06 Juli 2020
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    Whistleblower Julian Assange ist offenbar von 2015 bis 2018 in der ecuadorianischen Botschaft systematisch ausspioniert worden. Darauf verweisen geleakte Video- und Audioaufnahmen.

    Bei den mithilfe von Überwachungskameras und versteckt angebrachten Wanzen aufgezeichneten Gesprächen handelt es sich auch um vertrauliche Beratungen Assanges mit seinen Anwälten.

    In seinem jüngsten Blogeintrag verweist der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan und Vertraute von Julian Assange, Craig Murray, auf einen Bericht des Senders ABC, worin Mitschnitte von Überwachungskameras in der ecuadorianischen Botschaft in London gezeigt werden. Aufgezeichnet sind Besuche der Anwälte des Whistleblowers, und auch sich selbst hat Murray auf den Aufnahmen entdeckt. Assange und er hätten an dem betreffenden Tag darüber gesprochen, wie er in Assanges Auftrag Verbindung zu verschiedenen Regierungen in Übersee aufnehmen sollte.

    In der Reportage von ABC, die Murray in seinem Blogeintrag eingebettet hat, sind zu Beginn Mitschnitte des Besuchs von Wikileaks-Rechtsberater Geoffrey Robertson zu sehen und zu hören. Wie der Reporter betont, dürfte es nach geltendem Recht keine derartigen Mitschnitte einer vertraulichen Unterredung zwischen Anwalt und Klient geben. Im Interview bestätigt auch Robertson:

    „Das ist ein schweres Verbrechen nach europäischem Recht. Es ist eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts, eine Verletzung des vertraulichen Verhältnisses zwischen einem Anwalt und seinem Klienten.“

    Ferner erfahren wir, dass die illegal laufenden Kameras von der spanischen Firma „UC Global“ betrieben werden. Einige Mitarbeiter der Firma seien es auch gewesen, die die Information über die Abhöraktion an die Öffentlichkeit gebracht hätten. Von ihnen hätten Assanges rechtliche Vertreter erfahren, an welchen Stellen in der Botschaft versteckte Kameras angebracht worden sind. Der Eigentümer von „UC Global“, David Morales, soll Assange und seine Besucher auf diese Weise zwischen 2015 und 2018 systematisch überwacht und gegenüber seinen Mitarbeitern gesagt haben, dass er mit US-amerikanischen Nachrichtendiensten zusammenarbeite. Dabei habe man den Besuchern des Wikileaks-Gründers wiederholt versichert, dass die Videoüberwachung in der Botschaft nicht mitlaufen und auch keine Audios aufgenommen werden würden – offenbar eine glatte Lüge.

    Es habe sich herausgestellt, dass eine Wanze in einem Feuerlöscher versteckt wurde, eine andere habe sich auf der Damentoilette befunden, wohin sich Assange für vertrauliche Gespräche mit seinen Besuchern zurückzog, um etwaigen Abhöraktionen auszuweichen. Morales habe abgestritten, die Wanzen installiert zu haben, und gegenüber britischen Medien auf Nachfrage gemutmaßt, Wikileaks habe diese selbst angebracht. Eine E-Mail von Morales an seine Mitarbeiter, die ebenfalls durchgestochen wurde, zeichne aber ein anderes Bild, indem Morales darin die Anweisung erteile, bestimmte Besucher, wie Assanges Anwältin Jennifer Robinson, besonders genau zu beobachten. Diese sagte gegenüber ABC:

    „Das Ausspionieren unserer juristischen Beratungen mit Julian Assange würde den US-Behörden sehr nutzen, denn sie wüssten dadurch von unseren sehr vertraulichen Gesprächen darüber, wie wir Julian vor der Auslieferung schützen wollen.“ Die US-Justizbehörde und die CIA hätten es abgelehnt, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, heißt es am Ende des Berichts.

    Craig Murray kommentiert die Enthüllungen von ABC:

    „Julians vertrauliche Gespräche über seine Verteidigung sind abgehört worden, von einer Regierung, die seine Auslieferung anstrebt. Nach jeder Rechtsprechung der Welt sollte das genug sein, um das Verfahren zu stoppen. Wenn das Verfahren wieder aufgenommen wird, werden zuerst diejenigen Zeugen aufgerufen werden, die zu eben diesen Vorgängen aussagen sollen. Die Verteidigung hat um Vertagung bis nach dem 18. Mai ersucht, weil sie wegen des aufgrund der Corona-Pandemie verhängten Besuchsverbots im Gefängnis keinen Zugang zu ihrem Klienten hat und weil nicht klar ist, ob alle Zeugen bis zum 18. Mai aus dem Ausland einreisen können. Richterin Vanessa Baraitser hat eine Vertagung abgelehnt.“

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    Tags:
    Überwachung, WikiLeaks, London, CIA, Ecuador, Julian Assange