07:33 23 Oktober 2020
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    US-Präsident Donald Trump will im Land schrittweise den Normalzustand wiederherstellen. Das kann jedoch durch einen Streit mit den demokratischen Gouverneuren erschwert werden. Der Präsident sei „entgleist“ – und gefährde Millionen Menschen, hieß es inzwischen aus Washington.

    Trump hatte am Donnerstag neue Richtlinien vorgestellt, um die USA schrittweise auf den Weg zur Normalität zurückzuführen und die Wirtschaft graduell wieder zu öffnen. In seinen Richtlinien gab er keinen Zeitplan vor und überließ die Entscheidung den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten.

    Der Republikaner ging am Freitag dennoch auf Konfrontationskurs zu demokratischen Regierungschefs. Besonders mit New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo lieferte er sich einen Schlagabtausch. Trump twitterte während der täglichen Pressekonferenz Cuomos, dieser sollte „mehr Zeit auf das  'Machen' und weniger Zeit auf das 'sich Beschweren' verwenden“. Cuomo erwiderte mit Blick auf Trump: „Wenn er Zuhause sitzt und Fernsehen schaut, sollte er vielleicht aufstehen und zur Arbeit gehen.“

    Trump will „befreite“ Bundesstaaten 

    Trump heizte am Freitag Proteste seiner Anhänger gegen strenge Schutzmaßnahmen in den Bundesstaaten an. Auf Twitter schrieb der Republikaner in Großbuchstaben: „Befreit Michigan!“, „Befreit Minnesota!“ und „Befreit Virginia!“ – alle drei Bundesstaaten werden von demokratischen Gouverneuren regiert, die strenge Schutzmaßnahmen erlassen haben. In mehreren Bundesstaaten war es in den vergangenen Tagen zu Demonstrationen gegen die Maßnahmen gekommen.

    Trump hatte am Donnerstag mit Blick auf die Demonstranten gesagt: „Ich denke, sie hören auf mich. Es scheinen Demonstranten zu sein, die mich mögen.“ Auch am Freitag nahm Trump die Demonstranten – die zum Teil bewaffnet aufgetreten waren – ausdrücklich in Schutz. „Das sind Menschen, die ihre Meinung ausdrücken“, sagte er. „Sie scheinen mir sehr vernünftige Menschen zu sein.“

    Ist Trump „entgleist“?

    Der demokratische Gouverneur von Washington, Jay Inslee, verurteilte die „illegalen und gefährlichen“ Äußerungen Trumps am Freitag. „Er bringt Millionen Menschen in Gefahr, an Covid-19 zu erkranken. Seine verstörenden Tiraden und seine Aufrufe, wonach Menschen Bundesstaaten 'befreien' sollen, könnten auch zu Gewalt führen“, hieß es in einer Mitteilung Inslees. „Der Präsident ist entgleist.“

    In den USA ist die Arbeitslosigkeit wegen der Corona-Krise dramatisch angestiegen. Wegen der im November anstehenden Präsidentschaftswahl gerät Trump unter zunehmenden Druck. Nach einer Umfrage des Forschungsinstituts Pew meinen 65 Prozent der Amerikaner, Trump habe zu spät auf die Corona-Bedrohung reagiert. 66 Prozent sorgen sich, dass die Bundesstaaten die Schutzmaßnahmen zu früh aufheben könnten.

    Trumps Plan zur Wiedereröffnung

    Trumps Plan sieht eine weitgehende Rückkehr zur Normalität in drei Schritten vor, wenn in Bundesstaaten oder Regionen bestimmte Kriterien erfüllt sind. So soll dort beispielsweise vor jeder neuen Phase die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen über einen 14-tägigen Zeitraum abgenommen haben.

    Nach den neuen Richtlinien kündigten erste Bundesstaaten vorsichtige Lockerungen der Schutzmaßnahmen an. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sagte am Freitag in Austin, derzeit geschlossene Läden könnten von Freitag nächster Woche an wieder öffnen, wenn sie Waren lieferten, schickten oder zur Abholung bereitstellten. Mit der Wiedereröffnung von Parks unter Verwaltung des Bundesstaats werde bereits am Montag begonnen. Besucher müssten aber Schutzmaßnahmen befolgen. Schulen blieben in diesem Schuljahr geschlossen.

    Minnesotas Gouverneur Tim Walz kündigte am Freitag an, dass unter anderem Parks, Wanderwege, Golfplätze, Freiluft-Schießstände und Läden zum Verkauf von Angelködern wieder öffnen könnten, wenn Besucher Schutzmaßnahmen befolgten. „Es ist wichtig für uns, aktiv zu bleiben und die Natur zu genießen und gleichzeitig die Verbreitung von Covid-19 zu verhindern“, sagte Walz laut einer Mitteilung. In Vermont können unter bestimmten Bedingungen Händler wieder öffnen und Bauarbeiten wieder aufgenommen werden.

    Corona in den USA

    In den USA gab es nach Erhebungen der Johns-Hopkins-Universität bis Mitternacht am Freitag (Ortszeit) mehr als 37.000 Tote infolge einer Coronavirus-Infektion. Über 700.000 Menschen wurden positiv auf das Virus getestet – mehr als in jedem anderen Land der Welt.

    Laut einer Zählung der „New York Times“ (Onlineausgabe Freitag) sind in den USA mindestens 7000 Menschen in Seniorenheimen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Damit stehen rund ein Fünftel aller Todesfälle infolge der Corona-Pandemie landesweit in Verbindung mit einer solchen Einrichtung. Im am schlimmsten von der Pandemie getroffenen Bundesstaat New York seien in 72 Einrichtungen jeweils mindestens fünf oder mehr Todesfälle infolge des Virus registriert worden, berichtete die Zeitung weiter. Im benachbarten Bundesstaat New Jersey standen demnach insgesamt mehr als 1500 Corona-Todesfälle in Verbindung mit Pflegeeinrichtungen.

    US-Präsident Donald Trump rechnet infolge der Coronavirus-Pandemie mit 60.000 bis 65.000 Toten in den USA – deutlich weniger als in bisherigen Vorhersagen befürchtet. Jeder Tote sei einer zuviel, betonte Trump am Freitagabend (Ortszeit) bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Die derzeit erwartete Opferzahl liege aber unter Vorhersagen, die das Weiße Haus kürzlich vorgestellt hatte, bei mindestens 100.000 Toten. „Ich denke, dass wir hoffentlich erheblich unter den 100.000 bleiben werden“, sagte der US-Präsident.

    pd/sb/sna

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