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    US-Präsident Donald Trump gratulierte Ende letzter Woche 86 jungen Offizieren, die fortan der US-amerikanischen „Weltraum-Armee“ Space Force dienen sollen. „Wir haben Aufgaben für sie“, sagte ein hochrangiger General der USA dortigen Medien zufolge. Die Missionen im Kosmos könnten sich gegen russische Raketen richten, so das US-Weltraumkommando.

    Über den eigentlichen Zweck dieser Personalentscheidung lässt das US-Militär aktuell eher nur diffuse Informationen durchsickern. Aber als ein strategisches Ziel – mit „rein defensiver Natur“ – werden russische Satelliten im Kosmos angegeben. Das meldete am vergangenen Freitag der „Washington Examiner“. Den Artikel der US-Zeitung verbreitete das Weiße Haus gleich selbst über die hauseigene Pressestelle am Wochenende. 

    Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump 86 neue Leutnants für seine „Space Force“ ernannt. Konkret handelt es sich dabei um graduierte Kadetten. Diese haben jetzt entsprechende Abschlüsse an der Militär-Akademie der US-Luftwaffe in Colorado erfolgreich bestanden. Damit sind die jungen US-Militärs ab sofort befähigt, genannte Positionen in der „Weltraum-Armee“ Washingtons einzunehmen. Sie stellen außerdem den allerersten Jahrgang an Offizieren überhaupt für die neu geschaffenen US-Raumstreitkräfte.

    „Von insgesamt 967 Kadetten, die am 18. April ihre Ausbildung an der US-Luftwaffenakademie in Colorado Springs abgeschlossen haben, wurden 86 vereidigt“, berichtete das Fachmagazin „Space News“ am Samstag. „Bei der Zeremonie trugen die 86 Space-Force-Offiziere silberne Schärpen anstelle von Gold.“ Die Eröffnungsrede hielt US-Vize-Präsident Mike Pence. Ebenfalls vor der Abschlussklasse sprachen die Staatssekretärin der US-Luftwaffe Barbara Barrett, der Stabschef der Luftwaffe General David Goldfein sowie US-General John Raymond, der „Chief of Space Operations“.

    „Kadetten erhalten ihren Abschluss in 'Weltraum-Operationen'“

    Die US-Politiker und Befehlshabenden „beglückwünschten die neuen Leutnants, die aufgrund der Coronaviren sechs Wochen früher als gedacht in einem verkürzten akademischen Jahr ihren Abschluss an der Air Force Academy machen mussten“, so die Washingtoner Zeitung. „Freunde und Familie durften leider nicht an dem historischen Ereignis auf dem Campus von Colorado Springs teilnehmen, bei dem die ersten Kadetten ihren Abschluss im Fach 'Weltraumoperationen' erhielten. Sie mussten über einen Livestream zuschauen, wie die Abschlüsse feierlich überreicht wurden.“

    Das neuartige Coronavirus verkürzt momentan nicht nur Lehrgänge für junge Kadetten. Laut Angaben des US-Militärs gab es mit Stand Ende letzter Woche etwa 4.695 Fälle von Covid-19-Infektionen beim Militär- und Zivilpersonal der USA und deren Familien. Dies sei eine Steigerung der Krankheitsfälle um mehr als 700 in nur zwei Tagen. Die Zahl der Corona-Todesopfer im US-Militär liege aktuell bei 19. Die Johns-Hopkins-Universität gibt derzeit für die gesamte USA fast 760.000 Infizierte an.

    US-Weltraumarmee wächst

    „Noch vor gut 100 Tagen bestand die Truppe der Space Force aus einem einzigen Offizier: Raymond, dem General der Luftwaffe“, schrieb der „Washington Examiner“. Die US-Weltraumarmee arbeite aktuell mit Hochdruck daran, eine schlagkräftige Mannschaft aus dem Boden zu stampfen. Daher die kurzfristige Ernennung der Leutnants.

    Dies werde von entscheidender Bedeutung sein, da die US-amerikanische „Nation neuen, bedrohlichen Bedrohungen gegen ihre zunehmend verletzliche Konstellation von Satelliten ausgesetzt ist, die den Planeten in einer erdnahen Umlaufbahn umkreisen“, warnte der US-General. „Mehr als 1.800 Flieger aus 23 verschiedenen Luftwaffen-Organisationen der USA, die für das Weltall zuständig sind, könnten sich bald ebenfalls der Space Force anschließen“. Darüber hinaus seien über 16.000 Luftwaffenmitarbeiter des US-Raumfahrtkommandos bereits administrativ dem neuen Dienst zugeordnet.

    „Space Force“: Anschuldigungen gegen Russlands Raketen-System

    Die US-Luftwaffe wirft der russischen Regierung aktuell vor, in der vergangenen Wochen angeblich einen sogenannten „Da-Asat-Test" durchgeführt zu haben. Moskau habe in der vergangenen Woche eine Anti-Satelliten-Rakete mit direktem Aufstieg getestet, so die Anschuldigungen vom US-Militär. „Russlands Raketensystem ist in der Lage, Satelliten im erdnahen Orbit zu zerstören“, heißt es in einer aktuellen Erklärung des US-Weltraumkommandos. „Diese neuen russische Systeme (...) verhalten sich ähnlich wie frühere Satelliten aus Russland, die damals bereits Eigenschaften von Weltraumwaffen aufwiesen“.

    Russische Satelliten und "Anti-Satelliten-Raketen könnten Kommunikations- und Spionagesatelliten auszuschalten, die die USA blind machen und die US-Wirtschaft im Kriegsfall lähmen könnten“, sagte Space-Force-General Raymond. „Dieser Test ist ein weiterer Beweis für Russlands scheinheilige Befürwortung von Vorschlägen zur Rüstungskontrolle im Weltraum, mit denen die Fähigkeiten der Vereinigten Staaten eingeschränkt werden sollen, ohne die Absicht zu haben, ihre eigenen Programme für Raumwaffen einzustellen.“

    Daher sei es die Aufgabe der Space Force, darauf „defensiv zu reagieren“. Der Kreml hat russischen Medienberichten zufolge noch nicht auf die Behauptungen der US-Raumstreitkräfte reagiert.

    Zukünftige Aufgaben: Spionage, Aufklärung, Kommunikation

    Die meisten der neuen US-Offiziere in der Space Force werden nach Medieninformationen auf der „Vandenberg Air Force Base" in Kalifornien eingesetzt. Dort werden sie weitere spezialisierte Ausbildungen im Berufsfeld der Raumfahrt-Operationen absolvieren. Die Fachbereiche sind dabei den sogenannten „Space-Operations", dem Nachrichten- und Geheimdienstwesen („intelligence") sowie dem Ingenieurwesen und ähnlichen naturwissenschaftlichen Disziplinen zugeordnet. „Nach Abschluss dieser Lehrgänge und Trainings-Kurse werden alle 86 jungen Leutnants dann schließlich ihrer jeweiligen Space-Force-Einheit zugewiesen“, so US-Medien.

    Der Ausspruch, diese Kadetten würden künftig „Weltraum-Operationen“ meistern, ist laut Analytikern sicherlich so zu verstehen: Sie werden höchstwahrscheinlich nicht als Astronauten in den Kosmos fliegen. Sondern zu den Arbeitsfeldern dieser jungen US-Militärs gehört es mitunter auch, in Kontrollstützpunkten militärische Missionen der USA im All über Video- und Daten-Technik zu koordinieren, überwachen, steuern und zu lenken. Dabei werden Starts und Landungen militärischer Weltraum-Objekte gesteuert, die Daten zur Spionage, Aufklärung und Kommunikation sowie zum Wetter liefern. Außerdem betreibt die USA ein globales Netz von Radarstationen zur Überwachung im All, um vor feindlichen Raketen warnen zu können. Auch in diesem Bereich könnte die Space Force bald mehr Veranwortung übernehmen.

    Höchstwahrscheinlich werden sich viele der Operationen und Missionen im Kosmos gegen Russland, aber wohl auch gegen China, richten.

    „Star Wars“ und anderes Altbekanntes

    „Wenn wir diesen Schritt nicht fortsetzen und den Aufbau der Space Force nicht beschleunigen, wird die Entwicklung in eine für uns negative Richtung gehen, was Sicherheit im Weltall angeht“, erklärte ein US-amerikanischer Militär-Analytiker laut Medien mit Blick auf die neue Space Force.  

    Neu ist das alles nicht. Das Militär der USA betreibt schon seit Jahrzehnten mal mehr und mal weniger auffällige Missionen und Einsätze im Weltraum. Hingewiesen sei nur auf das frühere „Star Wars“-Programm unter US-Präsident Ronald Reagan oder auf die meist klammheimliche Stationierung von US-Waffen im Weltall. Es gibt darüber hinaus auch ganz offizielle Kooperationen zwischen der US-Weltraumbehörde NASA und der US-amerikanischen Armee im Kosmos. Oft auch unter dem Deckmantel „für naturwissenschaftliche Zwecke“.

    Laut Aussagen des Pentagons ist die neugeschaffene Space Force als „eigenständige Abteilung innerhalb der Air Force“ angesiedelt. Sie gilt als neuer „sechster Arm“ im US-Militär neben den althergebrachten Militärzweigen Luftwaffe, Armee, Küstenwache, Marinekorps und Seeflotte.

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    Tags:
    Weltraumtruppen, Russland, USA