03:47 25 Oktober 2020
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    In einem Artikel bei der „Ständigen Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien“ kritisiert Buchautor Rüdiger Rauls den westlichen Umgang mit der Corona-Pandemie und die politische Instrumentalisierung derselben.

    Während Chinas repressives Regime in den ersten Wochen die Berichterstattung zum neuartigen Coronavirus unterdrückt, das Ausmaß der Krankheit vertuscht und damit die ganze Welt auf fahrlässige Weise in Gefahr gebracht hat, hat man im Westen nur deswegen so spärlich über Covid-19 informiert, weil man keine Panik in der Bevölkerung schüren wollte, solange die Erkenntnislage so dünn war. Etwa so liest sich das eurozentristische Corona-Narrativ mit seiner auffallend ungleichen Bewertung vergleichbarer Schritte in „Unrechtsstaaten“ und vor der eigenen Haustür. Dazu passt auch die Bewertung der Reporter Ohne Grenzen, die deren am Montag veröffentlichte Rangliste der Pressefreiheit begleitete.

    „Die Auswirkungen der fast totalen chinesischen Nachrichtenkontrolle, die im Zweifelsfall die Durchsetzung von Zensuranordnungen über den Gesundheitsschutz stellt, hat in der Corona-Krise die ganze Welt zu spüren bekommen“, teilte die Organisation in Berlin mit. 

    Zum Sinnbild des ideologischen Kampfes zwischen den Systemen ist für Buchautor Rüdiger Rauls der Mundschutz geworden. Ab kommenden Montag soll dieser in allen Bundesländern außer Bremen eingeführt werden, allerdings mit unterschiedlichen Auflagen. Insgesamt lässt sich feststellen: Deutschland hat sich schwergetan mit der Einführung dieser Vorsichtsmaßnahme, obschon sie von Anfang an als eines der wirksamsten Mittel zur Eindämmung der Pandemie gehandelt wurde.

    „Ist er im asiatischen Alltag allgegenwärtig und selbstverständlich, so zeigte er sich bisher im Westen nur verschämt im öffentlichen Leben. Im Gegensatz zu Bildern und Berichten aus China trägt kaum ein westlicher Politiker vor den Kameras Mundschutz. Man könnte meinen, ihn anzulegen, komme dem öffentlichen Eingeständnis von Feigheit vor dem Feind gleich“, so Rauls in einem Beitrag bei der „Ständigen Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien“.

    Es werde vermittelt, das Stück Stoff bedeute eine Einschränkungen der individuellen Freiheitsrechte. So habe Armin Laschet nach einer Konferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel am 15. April die unterlassene Mundschutz-Verpflichtung damit erklärt, dass man dem Bürger mit Vertrauen statt mit Verordnungen und Strafandrohungen begegnen wolle. Das sei scheinheilig, so Rauls, denn schließlich setze man beim Abstandsgebot auch nicht auf Bürgernähe und Liberalität. 

    „Mundschutz ist mehr als nur Virenabwehr. Er scheint in den Augen der Verantwortlichen besonders in Deutschland zu einer politischen Demonstration zu werden. Er ist der Stachel im Fleisch derer, die vollmundig erklärt hatten, alles im Griff zu haben. Er ist die ständige Erinnerung an ihr Versagen. Er führt den großen Machern wie Gesundheitsminister Jens Spahn die eigene Unfähigkeit vor Augen. Obwohl er den Mund verschließt, stellt der Mundschutz die bisher unausgesprochene und überfällige Frage: Wieso wart Ihr nicht in der Lage, Eure eigene Bevölkerung frühzeitig und ausreichend mit diesem Schutz zu versorgen?“

    Am 31.12.2019 habe China die WHO über die neuartige Krankheit informiert, vor fast vier Monaten. China sei damals noch unvorbereitet, unsicher und deshalb abwartend mit der Bekanntgabe dieser neuen Erkenntnis gewesen. „Das werfen ihm gerade diese Staaten vor, die bis heute noch weniger unternommen haben zum Schutz der eigenen Bevölkerung trotz längerer Vorwarnzeiten, als China sie hatte.“

    Für Italiens Zögern hätten die westlichen Medien jedoch Verständnis gezeigt, führt Rauls weiter aus und zitiert aus einem Bericht der FAZ, in dem es hieß, die Politiker würden auf einem schmalen Grad wandern und dürften nicht durch unbedachte Äußerungen panische Reaktionen der Öffentlichkeit provozieren.

    „Der Spagat zwischen Beruhigung und Handlungszwang ist also den Meinungsmachern bekannt. Dennoch sucht man vergleichbares Verständnis für Chinas vorsichtiges Vorgehen zu Beginn der Epidemie bei westlichen Medien und Politikern vergebens. Im Vergleich zu China, aber auch Italien, Frankreich und Spanien wurden Deutschland, England und die USA recht spät vom Virus erfasst. Man hätte demnach genügend Zeit und vor allem die finanziellen Mittel  gehabt, für ausreichend Schutz zu sorgen.“

    Die an den Tag gelegte Sicherheit und Unerschrockenheit westlicher Politiker  in England, den USA und auch in Deutschland seien Überheblichkeit oder gar Borniertheit. Der Systemkonflikt, den westliche Meinungsmacher vor Jahren ausgerufen und seitdem betrieben hätten, habe ihrem Stolz verboten, aus den Erfahrungen des Systemgegners zu lernen. Der politische Konkurrenzkampf sei ihnen trotz aller öffentlichen Beteuerungen wichtiger gewesen als die Sorgfaltspflicht gegenüber der eigenen Bevölkerung.

    Während China die Epidemie besiegt habe und seine Wirtschaft sich langsam erhole, rutsche der Westen immer tiefer in die Krise.

    „Deutlicher könnten die Unterschiede in der Krisenbewältigung nicht dokumentiert werden als durch die Bilder, die um die Welt gingen. In Wuhan wird in einer Woche ein Krankenhaus für tausend Patienten aus dem Boden gestampft. In New York wurden die Toten mit Gabelstaplern in Kühl-Containern verstaut.“

    Für diesen Sieg Chinas stehe der Mundschutz. Er sei das Gesicht Chinas in dieser Krise. In ihm drücke sich aber auch ein wesentlich unterschiedliches Gesellschaftsverständnis aus, so Rauls. Das Wohlergehen des Individuums sei in China eng verbunden mit dem Wohlergehen der Gesellschaft. Der Mundschutz schütze die Gesellschaft und damit auch das Individuum. Dieses Denken sei in den zerrissenen Gesellschaften des Westens kaum ausgeprägt. Hier stünden trotz aller Appelle an Solidarität und Wir-Gefühl die Einzelinteressen im Vordergrund, wie aktuell das Gezerre um die Öffnung der Geschäfte zeige.

    Die Verordnung des Mundschutzes sei in Zeiten der Pandemie vernünftig und geboten, dennoch habe sich die Bundesregierung damit sehr schwer getan.

    „Will sie keine Feigheit vor dem Feind, dem Virus, zeigen? Oder hat sie noch mehr Angst davor, den Anschein erwecken zu können, vor dem ungeliebten China einzuknicken? Denn mit der Mundschutz-Pflicht würden die westlichen Regierungen eingestehen, dass die Maßnahmen des 'Unrechtsstaates' China richtig waren.“

    Offensichtlich hätten sich Maskenpflicht, Tracking-App zur Verfolgung der Infektionswege, strenge Kontrollen an den Flughäfen, Quarantänen für Einreisende, die der Westen als undemokratische Kontroll- und Unterdrückungsmaßnahmen diskreditiert hatte, als wirkungsvoll erwiesen. China habe kaum noch Neu-Infektionen. Dass Europa nun über ähnliche Mechanismen nachdenke, offenbare, dass man um diese chinesischen Maßnahmen nicht herumkomme. Denn es seien Maßnahmen, die dem Problem entsprechen, das gelöst werden müsse. Die politische Dimension bringe der Westen unnötig hinein durch sein Konkurrenzdenken gegenüber China.

    Angesichts der Erfolge Chinas habe man sich hierzulande auf eine neue Kommunikation geeinigt. So habe die FAZ zwar in einem Artikel eingeräumt, dass die chinesische Strategie gegriffen habe, zugleich aber die Errungenschaften weniger „problematischer“ Staaten wie Südkorea oder Taiwan hervorgehoben: „Raus aus der Demokratie muss es jedenfalls nicht führen, wenn drastische Maßnahmen … angeordnet werden, das hat Südkorea gezeigt“, habe es in dem Artikel geheißen.

    Besonders die wenig politisch denkende Bevölkerung im Westen könne sich nicht vorstellen, dass es neben der Krisenbewältigung noch andere Gesichtspunkte gibt, die das Handeln der führenden Kräfte der Gesellschaft bestimmen. Dem Menschenverstand, dessen Walten die Mehrheit der Gesellschaftsmitglieder in solchen Krisenzeiten erwarte, stünden politische Überlegungen gegenüber, schreibt Rauls.

    Dazu zähle in den Augen der Herrschenden die politische Bedrohung, die von dem Virus ausgehe. Sie befürchteten, dass es in dem seit einiger Zeit tobenden Systemkonflikt mit China „zur Gefahr für die Legitimität eines jeden politischen und wirtschaftlichen Systems werden kann. … Deshalb ist es keine Nebensache, der Propaganda Pekings und Moskaus entgegenzutreten“.

    In der „Schlacht der Narrative“ würden Chinas Erfolge den Westen zunehmend in die Defensive treiben, weswegen er dazu übergehe, China und Russland zu verunglimpfen und Stimmung gegen sie zu machen.

    Als Sieger im Kampf gegen Corona würden die Demokratien Südkorea und Taiwan in die Schlacht geführt. Welchen Umfang die Politisierung der Pandemie mittlerweile erreicht habe, demonstriere Taiwan als zweitgrößter Hersteller von Schutzmasken, das sich nun im Aufwind westlicher Unterstützung fühle. Es bezeichne seine Maskenspenden als  „demokratische Alternative zur Pekinger Masken-Diplomatie“.

    „Das ist aber genau die Einflussnahme, die der Westen in den Hilfsaktionen Chinas, Russlands und Kubas gesehen haben will. In den Vorwürfen an die drei Nationen offenbarte sich in erster Linie das eigene Denken des Westens, der sich offensichtlich Hilfe ohne Hintergedanken nicht vorstellen kann. Das ist eine seiner Schwächen. Sie führt zu den Fehleinschätzungen, die ihn immer weiter in die Defensive drängen von Syrien bis Venezuela“, resümiert Rüdiger Rauls.

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    Tags:
    Berichterstattung, Westen, China, Coronavirus