02:12 14 Juli 2020
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    Es ist nicht das erste Mal, dass der nordkoreanische Machthaber stirbt und doch nicht stirbt. Ob die Gerüchte über Kims Ableben wahr sind oder nicht, ist jedenfalls nicht der Punkt. Wichtiger ist, wie es bei Kims plötzlichem Tod im Land weitergehen könnte, wer in so einem Fall sein Nachfolger würde und wie das Militär sich verhielte.

    Angefangen hat es am 11. April mit den Meldungen, Kim Jong Un sei verschwunden: tot infolge einer missglückten OP – nein, doch nicht, er lebe, liege aber seit einigen Tagen im Koma. Am Tag darauf berichtete das Portal „Daily NK“ aus Südkorea (bei dem viele Überläufer aus Nordkorea tätig sind) von einer Herz-Operation. Der chirurgische Eingriff sei wegen übermäßigen Rauchens, Fettleibigkeit und Überanstrengung des nordkoreanischen Machthabers notwendig geworden. Alles sei erfolgreich verlaufen, das Chirurgenteam sei am 19. April vollzählig nach Pjöngjang zurückgekehrt.

    Einzelheiten kamen wenig später von einem japanischen Wochenmagazin:

    „Beim Besuch einer Region fasste sich der Vorsitzende der DVRK plötzlich ans Herz und fiel um. Die Ärzte, die ihn begleiteten, führten eine Herzdruckmassage durch und brachten ihn in die nächstgelegene Notaufnahme“, sagte eine anonyme Quelle laut dem Magazin.

    Laut dieser Meldung hatte man China um Hilfe ersucht, woraufhin Peking ein Flugzeug mit 50 Spezialisten und Ausrüstung an Bord nach Pjöngjang schickte. Die nordkoreanischen Ärzte operierten in der Zwischenzeit selbst, doch der Chirurg war aufgeregt, seine Hände zitterten, weshalb das Einsetzen der Gefäßprothese statt der zulässigen einen ganze acht Minuten dauerte. Als die chinesischen Notärzte eintrafen, war dem nordkoreanischen Machthaber, der inzwischen „in einen vegetativen Zustand versunken war“, nicht mehr zu helfen, hieß es.

    Alle weiteren Angaben variieren von Kim Jong Un sei tot oder komatös bis lebendig und munter. Klar ist nur, dass Kim Jong Un am 15. April bei der Feier des Sonnentags fehlte. Dieser Tag ist zugleich auch der Geburtstag seines Großvaters: des Gründers Nordkoreas Kim Il-sung.

    Was stimmt denn jetzt?

    Das chinesische Außenministerium hat nicht bestätigt, ein Ärzteteam nach Nordkorea entsandt zu haben. Der nordkoreanische Rundfunk berichtete, Kim Jong Un habe den Arbeitern gedankt, die die Sonnenstadt Samjiyon errichtet hätten. Wie er das getan hat, wurde allerdings nicht näher erläutert. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte auf ihrer Website zudem die Meldung, Kim Jong Un habe am 26. April vom Parteivorsitzenden der russischen Kommunisten ein Glückwunschtelegramm erhalten. Das südkoreanische Ministerium für die Angelegenheiten der nationalen Vereinigung teilte mit, der Regierung in Seoul „ist nichts Ungewöhnliches aufgefallen“.

    Etwas ist aber schon auffällig – und zwar, dass kein offizieller Vertreter einer Behörde vom Tod oder von einer Krankheit des nordkoreanischen Machthabers gesprochen hat. „Kim Jong Un hat sich seit geraumer Zeit nicht in der Öffentlichkeit sehen lassen, auch sind keine neuen Fotos von ihm zu sehen. Kann schon sein, dass er erkrankt ist, aber muss es gleich ein Koma sein oder der Tod?“ sagte Konstantin Asmolow, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Korea-Studien des Nahostinstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, im Sputnik-Gespräch. „Wäre wirklich etwas passiert, würde man jetzt Sonderfahrzeuge in den Straßen von Pjöngjang sehen, in der Stadt gäbe es Gerüchte, auch im diplomatischen Milieu. Auch die ausländischen Journalisten in Pjöngjang hätten etwas erfahren.“

    Zudem sagt der Analyst, die Vertrauenswürdigkeit anonymer Quellen sei dahingestellt. Portale, die über angebliche Herz-OPs berichteten, seien keine Nachrichtenagenturen, betont Asmolow. „Ich frage mich außerdem, wie ein gewisser chinesischer Arzt das Verhalten von Kim Jong Un beobachtet haben will, wenn er doch später erst beim Patienten eintraf. Noch merkwürdiger ist, dass er diese detaillierten Informationen als anonyme Quelle an ein japanisches Magazin weitergab, wenn es doch um das Verhältnis zwischen Japan und China nicht gerade zum Besten steht.“

    Mögen die Einwände auch berechtigt sein: Dass es in Nordkorea kein geregeltes Verfahren für die Machtnachfolge gibt, bleibt eine Tatsache. Kim Jong Un selbst wurde seit dem Machtantritt von Kim Jong-il 1994 als Nachfolger vorbereitet. Aber wer sein Nachfolger wird, ist gegenwärtig ungeklärt. Einige nennen Kims Schwester, Kim Yo-jong. Andere sagen, die Lage sei absolut unübersichtlich und unwägbar.

    „In sehr kritischen Situation greift die Regel „Vergiss die Regeln, wer die Waffe hat, hat die Macht“. Wir haben nur eine vage Vorstellung vom Einfluss der vielen verschiedenen „Türme“ in Pjöngjang, wenn es sie überhaupt gibt. Außerdem ist unklar, inwiefern der eine oder andere neue Führer einen Kurswechsel für das Land begründen würde“, erklärt der Wissenschaftler Asmolow.

    Zumindest drohe dem Land keine Destabilisierung, wie auch immer das Kräfteverhältnis in Nordkorea sein mag, erklärt Asmolows Kollege und Nordkorea-Kenner Jewgeni Kim. „Im Falle des Falles kommt das Politbüro zusammen, trifft die Beschlüsse und erlässt die Verordnungen. Man soll jetzt nicht denken, die würden die Kontrolle im Land verlieren. Das Regierungssystem in der DVRK ist so aufgebaut, dass eine Übergangszeit in Abwesenheit des Machthabers keinen Einfluss auf die Stabilität hat. Als 2008 Kim Jong-il für vier Monate verschwunden war, blieb die Führung intakt, es liefen sogar Arbeiten an Atomwaffen.“

    Ein Problem mit der Nachfolge sieht Jewgeni Kim nicht: „Kompetente Menschen werden allmählich befördert, im Politbüro tauchen neue Gesichter auf – jünger als 60 Jahre, Profis in bestimmten Bereichen. Da fällt nichts zusammen.“

    Früher starben sie auch

    Die Gewissheit, dass „da nichts zusammenfällt“, rührt auch von der reichen Geschichte der falschen Todesfälle nordkoreanischer Machthaber her. Kim Jong Un selbst „stirbt“ nicht zum ersten Mal. Er war schon Mal für 40 Tage verschwunden, 2014. Damals hieß es, er habe sich einer OP am Bein unterziehen müssen. In der Öffentlichkeit erschien er dann mit einem Gehstock. Zuvor war 2012 in sozialen Netzen geschrieben worden, Kim Jong Un sei in der nordkoreanischen Botschaft in Peking überfallen worden. Medien griffen das Thema zwar auf, aber mit Vorsicht und Vorbehalten.

    Auch in der Regierungszeit von Kim Jong-il waren Spekulation über den Gesundheitszustand des nordkoreanischen Machthabers nicht selten. 2008 brodelte die Gerüchteküche, weil Kim Jong-il bei der Militärparade anlässlich der Gründung Nordkoreas und dann bei der Bestattung eines ranghohen Parteifunktionärs fehlte. Ein Jahr später hieß es, er sei an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, aber offiziell bestätigt wurde diese Meldung nie. Kim Jong-il starb am 17. Dezember 2011 an einem Herzanfall.

    Und: Im November 1986 hatte eine südkoreanische Zeitung den Tod von Kim Il-sung vermeldet. Die nordkoreanische Fahne an der innerkoreanischen Grenze wehte sogar auf Halbmast. Einige Tage später empfing Kim Il-sung den mongolischen Präsidenten am Flughafen von Pjöngjang.

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    Tags:
    Kim Jong-un, Nordkorea