08:55 03 Dezember 2020
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    Deutschland bemüht sich laut einem Bericht einmal mehr um eine Vermittlung zwischen Israel und der radikalen palästinensischen Bewegung Hamas im Gazastreifen. Es geht um den Austausch von Gefangenen - doch in Israel regt sich Widerstand dagegen.

    Die Nachricht über eine deutsche Vermittlung bei den Verhandlungen Israels mit der Hamas über einen Gefangenenaustausch hat Proteste ausgelöst. Angehörige von Terroropfern sprachen sich am Mittwoch in Israel vehement gegen einen neuen Deal mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas aus.

    Nach einem Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ verhandelt auch der Bundesnachrichtendienst in der Sache zwischen den Parteien. Zwei deutsche Agenten und ein Schweizer Diplomat seien damit befasst. Die Verhandlungsmission habe bereits im Sommer 2018 begonnen, nachdem Außenminister Heiko Maas (SPD) zuvor Hilfe bei der Vermittlung angeboten habe. Der BND äußerte sich zunächst nicht zu dem Bericht.

    Anführer der Hamas-Bewegung Ismail Haniyya (Archivbild)
    © AFP 2020 / HO / IRANIAN SUPREME LEADER'S WEBSITE
    Ron Kehrmann, der auch deutscher Staatsbürger ist und dessen damals 18-jährige Tochter Tal 2003 bei einem Anschlag der Hamas auf einen Bus in Haifa getötet worden war, schrieb einen Protestbrief an die deutsche Botschaft in Tel Aviv.: „Ich verurteile es, dass Deutschland immer wieder die Rolle des Vermittlers übernimmt und eine aktive Rolle bei der Befreiung von Terroristen spielt, die Juden und Israelis in Israel brutal ermordet haben.“

    Er verwies auf einen früheren Deal mit der Hamas unter deutscher Vermittlung. 2011 hatte Israel den israelischen Soldaten Gilad Schalit gegen mehr als 1000 palästinensische Gefangene ausgetauscht. Kehrmann warnte vor einem neuen kritischen Punkt, "an dem wir vor dem Terror kapitulieren".

    Seit 2011 „wurden zehn Israelis von Terroristen ermordet, die damals freigelassen wurden“, schrieb Kehrmann. Er fordere „Deutschland auf, nicht Teil einer solchen lebensbedrohenden Aktion zur Freilassung lebendiger Terroristen zu sein“.

    Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas verhandeln nun nach Medienberichten intensiv über einen Gefangenenaustausch. Israel bemüht sich demnach um die Freilassung von zwei israelischen Zivilisten sowie um die Übergabe der Überreste von zwei 2014 im Gaza-Krieg getöteten israelischen Soldaten. Die Hamas fordere im Gegenzug die Freilassung von mindestens Dutzenden palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen.

    Gegenseitige Angriffe

    In der Nacht zu Mittwoch hat indes ein israelischer Panzer nach Armeeangaben drei Stützpunkte der islamistischen Hamas im nördlichen Gazastreifen angegriffen. Zuvor hätten militante Palästinenser eine Rakete aus dem Küstengebiet nach Israel abgefeuert, teilte die Armee mit. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht.

    Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Sie hat sich die Zerstörung Israels auf die Fahnen geschrieben. Israel hatte 2007,  nach der Entführung Schalits, die Blockade des Gazastreifens verschärft, die inzwischen von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen die Maßnahme mit Sicherheitserwägungen.

    sm/gs/dpa

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    Israel, Kritik, Hamas, Deal, Deutschland