07:35 21 Oktober 2020
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    Das russische Außenministerium wirft der japanischen Zeitung „Asahi“ vor, Tokios Verhandlungsposition im Inselstreit mit Russland mit einer „Pseudo-Sensation“ stärken zu wollen. Grund ist die Veröffentlichung einer angeblichen Aussage Leonid Breschnews aus dem Jahr 1973, die bisher nicht öffentlich bekannt gewesen sein soll.

    „Asahi“ hatte in ihrer Mittwoch-Ausgabe berichtet, dass der Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew, bei Verhandlungen mit dem japanischen Premierminister, Kakuei Tanaka, im Oktober 1973 mündlich zugegeben habe, dass die Frage der südlichen Kurilen zu den Angelegenheiten gehöre, die zwischen beiden Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch nicht gelöst seien. Japanische Diplomaten hätten ganz offiziell einen Mitschnitt des Gesprächs gemacht, der jedoch lange Zeit unter Geheimhaltung aufbewahrt worden sei, unter anderem in einem Archiv von Ex-Premierminister Miki Takeo. Erst vor kurzem sei dieser entdeckt worden.

    Das russische Außenministerium bezeichnete die Publikation am Freitag als eine „Insinuation“.  

    „In der gesamten Nachkriegszeit verfolgt unser Land konsequent die Position, dass ein Friedensvertrag auf einem allumfassenden Bekenntnis Japans zu den Ergebnissen des Zweiten Weltkriegs, einschließlich der unbestreitbaren Souveränität der Russischen Föderation über alle südlichen Kurilen beruhen muss“, hieß es aus dem Außenamt.

    „Insinuationen zu diesem Thema, zumal unter Berufung auf ‚private Archive‘ der ehemaligen japanischen Führung, sind unangebracht“, erklärte das russische Außenministerium.

    Die Publikation des japanischen Blattes bezeichnete das Moskauer Außenamt als eine „Pseudo-Sensation“, die mit dem Ziel in die Welt gesetzt worden sei, die Position Japans bei Verhandlungen zu einem Friedensvertrag mit Russland zu stärken. „Wir müssen feststellen, dass die Initiatoren dieser Publikation, unter denen wir auch japanische Offizielle vermuten, in Wunschdenken verfallen sind.“

    Die Kurilen sind eine etwa 1200 Kilometer lange Ansammlung von mehr als 30 großen und kleinen Inseln, die zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido liegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel der gesamte Inselbogen an die Sowjetunion. Japan hält die südlichen Kurilen-Inseln Iturup, Kunaschir, Schikotan und die Inselgruppe Habomai für unrechtmäßig besetzt und fordert deren Rückgabe.

    Aus diesem Grund gibt es zwischen Russland und Japan seit dem Zweiten Weltkrieg immer noch keinen Friedensvertrag. Stattdessen unterzeichneten beide Staaten 1956 eine gemeinsame Deklaration, mit der der Kriegszustand beendet wurde. Darin erklärte sich die damalige Sowjetunion bereit, im Falle eines Friedensvertrages die Inseln Schikotan sowie die Habomai-Gruppe an Japan zu übertragen. Doch Japan verlangt alle vier Inseln zurück und beruft sich dabei auf einen bilateralen Handels- und Grenzvertrag von 1855, in dem diese Inseln als japanisch anerkannt worden waren.

    Alle bisherigen Verhandlungen sind ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Russland geht davon aus, dass die Inseln als Ergebnis des Zweiten Weltkriegs Teil der Sowjetunion geworden sind und die Hoheit des heutigen Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion über sie keinem Zweifel unterliegt.

    leo/ae

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    Tags:
    Geheimnis, Kritik, Leonid Breschnew, Kurilen, Inselstreit, Japan, Russland