13:10 06 August 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    2616274
    Abonnieren

    Schwer bewaffnete Söldner sollten Nicolás Maduro in Caracas stürzen. Hinter dem Angriff stecke Washington, erklärt der venezolanische Präsident. Seine Kräfte haben den Anschlag vereitelt, aber die USA sind reich an Erfahrung, was Geheimeinsätze und organisierte Revolten gegen rechtmäßige Regierungen in Lateinamerika angeht.

    Schwer bewaffnete Söldner sollten Nicolás Maduro in Caracas stürzen. Hinter dem Angriff stecke Washington, erklärt der venezolanische Präsident. Seine Kräfte haben den Anschlag vereitelt, aber die USA sind reich an Erfahrung, was Geheimeinsätze und organisierte Revolten gegen rechtmäßige Regierungen in Lateinamerika angeht.

    Das Mordkommando kam mit Schnellbooten nach Venezuela, in Gruppen von je 40 Mann. Die Söldner sollten in La Guaira, 30 Kilometer nördlich von Caracas, an Land gehen, den Hauptstadtflughafen einnehmen und ihn halten, bis Nicolás Maduro in die USA entführt würde. Aber die Regierungstruppen haben den Angriff abgewehrt und mehr als 30 Männer wegen Grenzverletzung festgenommen. Acht Guerillas wurden bei dem Einsatz erschossen.

    Die meisten Inhaftierten sind Kolumbianer, aber es sind auch zwei Amerikaner dabei: Mitarbeiter der Söldnerfirma Silvercorp. Das hat der Chef der Firma, der ehemalige Spezialsoldat Jordan Goudreau, bestätigt. Der Auftrag der gescheiterten Mission war der Sturz des Präsidenten, hat der Söldnerchef eingeräumt. Goudreau wird in Venezuela per Haftbefehl gesucht – wie auch mehr als zwanzig weitere Hintermänner des vereitelten Anschlags, darunter zwei Mitarbeiter aus dem Beraterstab des selbsternannten Staatschefs Juan Guaidó.

    Dass der Rebellenführer die Söldneraktion angestiftet hat, schreibt sogar die „Washington Post“: Die venezolanische von Guaidó geführte Opposition habe im Oktober letzten Jahres die Privatarmee von Silvercorp für 213 Millionen Dollar damit beauftragt, eine Invasion in Venezuela zu organisieren und Maduro zu stürzen. Die USA erkennen den amtierenden Präsidenten nicht an, sondern den selbsternannten Interimsmachthaber Guaidó.

    Was in Venezuela läuft, weiß der ehemalige Präsident von Honduras Manuel Zelaya aus eigener Erfahrung zu berichten. Den Putsch in seinem Land von 2009 hat er noch gut in Erinnerung:

    „Die amerikanischen Geheimdienste haben sich direkt eingemischt, um mittels internationaler Firmen ihren Einfluss zu stärken und die Kontrolle zu ergreifen über den Staat und seine Ressourcen“, sagte Zelaya im Sputnik-Gespräch. „Dasselbe in Venezuela: Es ändert sich gar nichts. Das ist die hegemoniale Macht des Kapitalismus und sein Diktat, das die USA gar nicht anders aufrechterhalten können als durch Gewalt und Kriegsdrohungen.“

    Washingtons „Backyard“

    Der gescheiterte Überfall auf Präsident Maduro wirft abermals ein Schlaglicht auf die Strategie der Vereinigten Staaten in Lateinamerika. Die USA halten alle Länder südlich ihrer Grenzen für ihren rechtmäßigen Hinterhof, erklärt der venezolanische Politiker und Abgeordnete der Sozialistischen Partei Ángel Luis Rodríguez Gamboa im Sputnik-Gespräch: „Einmarsch und Gewaltstreich sind für die Amerikaner seit dem vergangenen Jahrhundert ganz normal“, sagt er. „Dominikanische Republik, Kuba, Nicaragua, der Putsch in Paraguay und Honduras. Wo eine Kraft an die Macht kommt, die dem Weißen Haus missfällt, da mischt sich der Nachbar aus dem Norden ein, damit können Sie rechnen. Zum militärischen Druck kommen heute die US-kontrollierten Politiker in den jeweiligen Ländern hinzu.“

    Südamerika ist reich an Bodenschätzen – und deshalb für Washington so attraktiv. 14 Prozent aller seltenen Erden lagern in den Ländern südlich der USA. Bolivien beispielsweise ist bei Lithiumvorkommen weltweit führend.

    „Das ist der Zusammenhang, in den auch der Sturz von Präsident Evo Morales einzuordnen ist“, sagt der Parlamentarier Gamboa weiter. „Nicht anders war es in Brasilien und Ecuador. Die Anführer dieser Länder hatten das Bestreben nach Unabhängigkeit von Washington, nach eigenständiger internationaler Politik. Die strategische Bedeutung Lateinamerikas darf man auch nicht aus dem Blick verlieren. Daher kommt die Härte der USA bei jedem noch so kleinen Anzeichen einer Annäherung der lateinamerikanischen Länder an andere Mächte der Welt.“

    Wenn es um strategisch wichtige Gebiete geht, kennen die USA offensichtlich keine Skrupel. Im Dezember 1989 fielen die Vereinigten Staaten in Panama ein: Um angeblich ihre Bürger zu schützen und die Demokratie wiederherzustellen. Dass es darum ging, die Kontrolle über den Panamakanal zu erhalten, konnte diese offizielle Erklärung nicht verschleiern.

    Panzerwagen der US-Armee auf den Straßen von Panama, 21. Dezember 1989
    Panzerwagen der US-Armee auf den Straßen von Panama, 21. Dezember 1989

    Der damalige Präsident Manuel Noriega war zwar „unser Mann“, wie die CIA sagen würde, und hatte auch auf Washingtons Geheiß „Reformen“ im Land initiiert. Aber er wollte auch soziale Missstände (maßgeblich verursacht durch umgesetzte Empfehlungen des Internationalen Währungsfonds) im eigenen Land bekämpfen. Den Vereinigten Staaten missfiel das.

    Panama wurde alle finanzielle und militärische Hilfe entzogen, gegen Noriega wurde ein Medienkrieg angefacht: Der Präsident wurde des Drogenhandels beschuldigt und aufgefordert, das Land zu verlassen. Am Ende kamen mehr als 25.000 Soldaten mit Panzern und Artillerie. Kampfjets flogen Angriffe gegen Großstädte, die Flughäfen wurden besetzt, ebenso die Funk- und Fernsehsender. Binnen einer Woche wurde das Land komplett besetzt, der Präsident entmachtet und zu 30 Jahren Haft verurteilt. Auf einem Stützpunkt des US-Militärs wurde der Washington-freundliche Guillermo Endara als Staatschef eingesetzt.

    Brände in Panama nach Straßenkämpfen während US-Invasion, 21. Dezember 1989
    Brände in Panama nach Straßenkämpfen während US-Invasion, 21. Dezember 1989

    Die Amerikaner haben immer jemanden, auf den sie sich bei einem Putsch und Waffeneinsatz in den Ländern Lateinamerikas verlassen können, sagt der Energie- und Geopolitikexperte Carlos Andrés Ortiz: „Dass die Macht in den Händen einer sehr kleinen Gruppe konzentriert ist, die die Kontrolle über alle Ressourcen behält, passt den USA sehr gut.“ Die „Backyard“-Strategie ist eine Art feudales Staatsmodell, entstanden noch in der kolonialen Vergangenheit Amerikas, sagt der Analyst. „Dieses Denken ist unter den Eliten Lateinamerikas weitverbreitet, vor allem bei den Militärs.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Deutsche Umwelthilfe will Nord Stream 2 vor Gericht stoppen
    Millionen schauen zu: Hochzeits-Eklat in USA wird zum Viralhit – Video
    Stück Fleisch „erwacht zum Leben“ und schockiert Online-Welt – Video
    US-Außenamt deckt „Säulen russischer Propaganda“ auf – Botschaft kontert
    Tags:
    Attentat, Nicolás Maduro, Lateinamerika, Invasion, Panama, USA, Venezuela