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    Am Umgang mit der Corona-Pandemie entspinnen sich zwischen dem Weißen Haus und den US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) heftige Kontroversen.

    Die Koordinatorin der Corona-Task-Force des Weißes Hauses, Deborah Birx, hat mit ihrer Kritik an der Gesundheitsbehörde, die Zahl der Corona-Toten zu hoch anzusetzen, offenbar Partei für Präsident Donald Trump ergriffen. US-Beobachter erkennen einen sich verschärfenden Konflikt zwischen Trump und den Gesundheitsämtern und „politische Spiele“ der obersten Corona-Bekämpfung des Weißen Hauses.

    Während im Trump-Lager die Aufrufe zum Neustart der US-Wirtschaft immer lauter werden, wachsen die Spannungen zwischen dem Weißen Haus und CDC. CDC-Chef Robert Redfield und sein Kollege Anthony Fauci – der Chef des US National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) warnten mehrmals das Weiße Haus vor einer zu schnellen Öffnung des Landes. Wie aus dem Umfeld des Weißen Hauses zu vernehmen ist, hört Trump vor allem auf die Ratschläge von Deborah Birx.

    Birx: Vermittler oder neuer politischer Akteur im Weißen Haus?

    Das Nachrichtenportal Axios nannte Birx einen „wahren starken Doktor“ in der Corona-Arbeitsgruppe, wobei ihre „ausgezeichneten politischen Fähigkeiten“ hervorgehoben wurden. Laut Axios betont Brix stets strategisch das, was Trump hören will. So verhält sie sich äußerst kritisch gegenüber der WHO und beharrt darauf, dass die Weltgesundheitsorganisation dringend reformiert werden muss. Birx zufolge setzt die WHO die Todesrate bei den Corona-Infizierten um 25 Prozent zu hoch an. Nach „Washington Post“-Angaben hat Trumps Corona-Bekämpferin kein Vertrauen zur US-Gesundheitsbehörde. Am Donnerstag lobte Birx die jüngsten Berichte, in denen behauptet wurde, dass der landesweit rasante Rückgang der Todesrate und die Hospitalisierung die Öffnung der US-Wirtschaft beschleunigen würde.

    „Die Rolle von Doktor Birx war äußerst zweifelhaft in den vorherigen Phasen, doch es scheint, dass sie in letzter Zeit verantwortungsvoller wurde“, sagte der Ehrenprofessor von Minnesota University James Fetzer.

    Das CDC stand schon mehrmals im Bannstrahl der Kritik von Birx. Sie behauptet, dass die US-Gesundheitsbehörde die Covid-19-Statistiken künstlich nach oben verzerre. Laut Fetzer sagte Birx, dass der Verzicht des Weißen Hauses auf „Experten“ aus dem Gesundheitsministerium und sozialen Diensten der USA, WHO und CDC völlig gerechtfertigt sei.

    Birx verurteilte Übertreibungen und das Entfachen von Angst vor dem tödlichen Virus, so die US-amerikanische Aktivistin, Blogger und Chefredakteurin der Webseite Geller Report, Pamela Geller.

    „Das Niveau der Desinformation löst große Besorgnis aus“, sagte sie. „Der andauernde Lockdown unseres Landes ist der größte Fehler in der US-Geschichte. Das Weiße Haus liegt damit richtig, zu Öffnungen aufzurufen“.

    Birx versucht den Spagat zwischen Wissenschaft und Öffnungs-Forderungen

    US-Publizist Daniel Lazare hält nichts vom Vorgehen von Birx: „Deborah Birx könnte glauben, sie sei die Beschwörerin Trumps und kann ihn kontrollieren“. Doch das gelingt ihr wohl nur, indem sie ihm das sagt, was er hören will.

    Lazare ist skeptisch gegenüber den Versuchen von Birx, Trump in der Presse zu verteidigen. Ihm zufolge verzerrt sie manchmal die Realität bei ihrem Versuch, den Präsidenten zu beschwichtigen. „Auf der Pressekonferenz am 28. März sagte sie, dass auf fast 40 Prozent des Territoriums des Landes eine sehr niedrige Zahl von Covid-19-Fällen fixiert worden ist, ohne zu erwähnen, dass es Landwirtschaftsgebiete sind, wo nur 7,2 Prozent der US-Bevölkerung leben“, sagte er.

    Birx sei kein sehr guter politischer Akteur; sie versuche einfach, zwischen dem Wunsch der Trump-Administration, das Land schnell zu öffnen, und den wissenschaftlichen Fakten zu lavieren, sagte der Politologe Caleb Maupin.

    „Sie versucht eine zentristische Position einzunehmen wie Fauci“, so der Experte. „Birx und Fauci versuchen einen Mittelweg zu gehen, werden aber ständig von Trumps Leuten in der Präsidialadministration unter Druck gesetzt“.

    Wissenschaft – Geisel politischer und wirtschaftlicher Interessen

    Die Gesundheitsbehörde CDC hält sich derzeit im Hintergrund und äußert sich eher leisetreterisch als zu Beginn der Pandemie. Medien notierten die Abwesenheit Faucis bei den Gesprächen über die Öffnung des Landes in dieser Woche. Laut CNBC-Informationen wurde eine ausführliche CDC-Anleitung zur Öffnung der Schulen, des ÖPNV und zweitrangiger Unternehmen ohne offizielle Ankündigung veröffentlicht, nachdem mehrere Bundesstaaten mit der Aufhebung von Lockdown begonnen hatten.

    Laut Maupin müssen sich CDC und andere Gesundheitsbehörden dem zunehmenden Druck in einigen Teilen der USA beugen.

    „Das wird als Untergrabung der medizinischen Gemeinschaft wahrgenommen, während sie Unterstützung braucht“, sagte der Journalist. „Das ist eine indirekte Form des Drucks; sie zeigt, dass die Gesellschaft die Wissenschaft stark beeinflusst. Man kann die ganze Geschichte verfolgen. Die Wissenschaft ist nicht unabhängig“.

    Laut dem Politologen wird die Wissenschaft immer von der Gesellschaft und den politischen Interessen, die die Studien finanzieren und gewisse Ergebnisse bevorzugen, beeinflusst. Beim Thema Aufhebung des Lockdowns prallen die Interessen verschiedener Geschäftskreise aufeinander, weil einige Unternehmen wie Walmart und Amazon vom Lockdown-Modus profitieren, während der Realsektor verzweifelt versucht, sich wieder zu öffnen.

    „Ein Teil der US-Elite will, dass die Wissenschaft sagt, dass wir uns jetzt öffnen können, ein anderer Teil der US-Elite will, dass die Wissenschaft sagt, dass wir möglichst lange geschlossen bleiben sollen“, sagte Maupin. Ihm zufolge werden die Wissenschaftler von der so genannten Elite bezahlt, damit sie das sagen, was jene wollen.

    Die dysfunktionale Dynamik zwischen CDC und dem Weißen Haus sei offensichtlich, sagt Ethan Ralph, Gründer von The Ralph Retort.

    „Ich denke, dass es absolut offensichtlich ist, dass die Spannungen bereits seit einiger Zeit bestehen“, ergänzt er. „Ich denke nicht, dass Trump tatsächlich alles zusperren wollte, er wurde einfach eingeschüchtert. Seitdem versucht er, das Land so schnell wie möglich zu öffnen. Einige halten ihn für unvernünftig, selbst in der eigenen Corona-Arbeitsgruppe“.

    „Politik und Gesundheitswesen sollen im Einklang arbeiten“

    Die CDC hat zwar auch eigene Probleme, man sollte sich jedoch daran erinnern, dass die Behörde mit Trump zu tun hat, der entschlossen ist, die Wirtschaft unabhängig von den Kosten für das Gesundheitswesen zu öffnen. Unabhängig vom Vorgehen der zuständigen Ämter werde das nicht richtig sein, so Lazare. Die Spannungen zwischen Trump und CDC wiesen auf das Chaos hin, dass seit dem Beginn der Corona-Ausbreitung in den USA Ende Januar herrsche.

    Laut der kanadischen Professorin für Gesundheitswesen und Verwaltung Kelley Lee verschärfen die Kontroversen zwischen dem Weißen Haus und der Wissenschaftsgemeinschaft das Problem.

    „Die Länder, die am effektivsten während dieser Pandemie agieren, sind Länder, wo die Vertreter der Gesundheitsbehörden und politische Anführer im Einklang handeln und wo Gesundheitsexperten bei den politischen Maßnahmen mitreden dürfen“, so Lee.

    In den USA sei das Gegenteil der Fall. Die Trump-Administration ignoriere häufig die Ratschläge der Experten und kümmere sich stattdessen nur um politische und wirtschaftliche Interessen.

    Während CDC von der Trump-Administration und ihren konservativen Anhängern scharf kritisiert wird, besteht die einzige Wahrheit darin, dass SARS-CoV-2 ein absolut neuartiger Virus ist, so Mitchell Feierstein, Generaldirektor von Glacier Environment Fund Limited.

    „Jeder hat seine eigene Vorstellung von Covid-19. Doch niemand hat bislang die Krankheit vollständig begriffen – es fehlen Daten und ein zuverlässiger Impfstoff“, so Feierstein. „Alles, was wir wissen, ist, dass dieser Virus einer Influenza überhaupt nicht ähnlich ist“.

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    USA, Donald Trump, Coronavirus, Covid-19