08:24 09 Juli 2020
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    Westliche Länder sind entschlossen, die Coronavirus-Pandemie zur Bestrafung unliebsamer Regierungen auszunutzen: Ländern, die von COVID-19 hart getroffen seien, werde verboten, sich um Hilfe an Russland zu wenden, schreibt der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Beitrag für die chinesische Zeitung „Global Times“.

    Es habe sich gezeigt, dass bei weitem nicht alle darauf vorbereitet gewesen seien, die „Pandemie-Prüfung“ zu bestehen, schreibt der russische Außenamtschef: „Selbst unter den heutigen Umständen, da die globale Herausforderung doch eigentlich zusammenschweißen und die Gegensätze wenigstens für kurze Zeit vergessen lassen sollte, dringen erneut räuberische Haltungen durch. Nicht alle können der Versuchung widerstehen, nach dem Grundsatz ‚Jeder ist sich selbst der nächste‘ zu handeln.“

    Die Pandemie hat der Welt nach Ansicht des Ministers reichlich Fälle von mangelndem Humanismus vor Augen geführt. Dieses Manko rühre vom „unheilbaren Egoismus einer Reihe von Ländern und ihrer Regierungseliten“ her, so Lawrow. Gemeint seien damit diejenigen, die zwar von moralischer Führung und demokratischen Traditionen reden, in der Tat aber „elementare Anstandsregeln, ethische Leitplanken verwerfen und zu einem Verhalten nach dem Gesetz des Dschungels übergehen“.

    Als Beispiel führt der Außenminister die Versuche an, die Schuld für die Verbreitung des Virus auf China abzuwälzen, und auch allerlei Unterstellungen im Zusammenhang mit den Hilfen, die Russland einigen Ländern auf deren offizielle Bitten hat zukommen lassen.

    „Es kam zu absurden Anschuldigungen, dass mein Land den humanitären und medizinischen Beistand dazu benutzen wolle, den ‚geopolitischen Einfluss zu stärken‘“, so der russische Außenminister. „Es kam zu erniedrigenden, gegen die Grundnormen der Diplomatie verstoßenden Verboten, sich um medizinisch-humanitären Beistand an Russland zu wenden – unabhängig davon, wie elend die Situation war. Es zeigt sich also, dass die berühmt-berüchtigte Solidarität nach euro-atlantischem Muster wichtiger ist als das Leben Tausender normaler Bürger.“

    Laut Lawrow versuchen manche Länder, die momentane Situation für „Monopolyspiele“ auszunutzen: „für die Durchsetzung engstirnig-selbstsüchtiger Interessen, für Abrechnungen mit geopolitischen Konkurrenten“.

    Die Pandemie hat die bestehenden negativen Tendenzen und angehäuften Gegensätze laut dem Minister verschärft. Die unausweichlichen, natürlichen Folgen der Ausbreitung des Coronavirus würden künstlich erschwert durch die „Unfähigkeit der Menschheit, genauer gesagt: eines bestimmten Teils der Menschheit, das Denken nach dem Freund-Feind-Schema selbst unter den Umständen einer kollektiven Not aufzugeben.“

    „Wie, wenn nicht mit der Politisierung humanitärer Fragen und nicht mit der Entschlossenheit, die Pandemie zur Bestrafung unliebsamer Regierungen auszunutzen, ist der Unwille einiger westlicher Länder zu erklären, die sich ausgiebig über die Notwendigkeit der Einhaltung der Menschenrechte auslassen, auf die Anwendung einseitiger Wirtschaftsrestriktionen gegen sich entwickelnde Länder zu verzichten – wenigstens bis zur Normalisierung der globalen epidemiologischen Lage. Denn es sind, auch nach Einschätzung der Vereinten Nationen, diese Sanktionen, die die Möglichkeiten herkömmlicher Bürger zur Verwirklichung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Rechte einengen, die Anstrengungen zum Schutz der Gesundheit der Bevölkerung erheblich erschweren, die sozialschwächsten, ungeschützten Schichten treffen“, betont der russische Außenminister.

    Hintergrund: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte den Ausbruch der neuartigen Coronavirus-Infektion am 11. März dieses Jahres zur Pandemie erklärt. Nach jüngsten Angaben beläuft sich die Zahl aller in der Welt bekannten COVID-19-Fälle auf 5.488.825 Menschen. 349.095 Infizierte sind bereits verstorben.

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    Tags:
    Hilfe, Coronavirus, Westen, Europa, EU, China, Sergej Lawrow