00:23 12 Juli 2020
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    Umweltschützer haben am Samstag die Inbetriebnahme des deutschen Steinkohlekraftwerks Datteln 4 mit Protesten begleitet. Einigen Journalisten war inzwischen sogar verboten worden, sich dem Kraftwerk zu nähern, da die Polizei vermutlich Krawalle befürchtete.

    In der kleinen Stadt Datteln geht heute – zwei Wochen früher als geplant – Deutschlands letztes Kohlekraftwerk ans Netz. Mitglieder von mehreren Umweltschutzorganisationen versammelten sich am Kraftwerksgelände, um laute Kritik zu äußern.

    „Wir richten beste Grüße an die offensichtlich inkompetente Regierung“, sagte Luisa Neubauer von der Umweltorganisation Fridays for Future. „Wir werden dieses Kraftwerk verhindern, wir werden es zum Stillstand bringen, wir werden diesen Konflikt gewinnen.“

    Die Klimaaktivistin Carla Reemtsma von „Fridays for Future“ bezeichnete Datteln 4 als „Symbol des endgültigen Boykotts der Energiewende“ und rief zu seiner Schließung auf.


    Greenpeace-Aktivisten projizierten am frühen Morgen das Bild eines An- und Ausschalters und den Satz „Klimakrise - Made in Germany“ auf den 180 Meter hohen Kühlturm.

    Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg schrieb auf Twitter vom „Tag der Schande für Europa“. „Welches Zeichen senden wir dem Rest der Welt?", fragt sie.


    Aktivisten von „Fridays for Future“, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), „Ende Gelände“, Robin Wood, lokalen Initiativen und weiteren Organisationen demonstrierten mit einer Menschenkette und mehreren Mahnwachen gegen den Start des Kraftwerks.

     
    Nach Angaben der Polizei Recklinghausen vom Samstagmittag verliefen die Demonstrationen zunächst friedlich.Trotzdem hatte die Polizei Medienvertreter aufgefordert, sich als Journalisten zu erkennen zu geben, was als Verstoß gegen die Pressefreiheit eingeschätzt und eine Welle der Empörung auslöste.

    Deutscher Journalisten-Verband reagiert auf Forderung der Polizei via Twitter:

    ​Einige Minuten später erklärte die Polizei: „die Bitte, sich als Medienvertreter auszuweisen, gilt nur für Situationen, in denen diese auf Absperrstellen der Polizei bei Datteln4 treffen, wo grundsätzlich kein freier Zugang möglich ist“.

    Inbetriebnahme trotz geplanten Kohleausstiegs

    Das Kohlekraftwerk Datteln 4 geht am Samstag in den Regelbetrieb. Die Anlage gilt Klimaaktivisten als Symbol für eine aus ihrer Sicht verfehlte Politik beim Kohleausstieg. Befürworter verweisen hingegen darauf, Datteln 4 sei eines der modernsten Kohlekraftwerke. Im Gegenzug für die Inbetriebnahme würden ältere abgeschaltet, womit man die zusätzlichen Kohlendioxid-Emissionen von Datteln 4 kompensiere.

    sm/gs

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    Tags:
    Journalisten, Proteste, Umweltschutz