01:08 11 Juli 2020
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    Die Corona-Pandemie stellt zweifellos eine ernste Bedrohung dar. Die Verantwortlichen werten den Rückgang der Infektionen als Beweis für die Richtigkeit des „Lockdowns“. Der damit angerichtete gesellschaftliche Schaden scheint aber den eventuellen Nutzen zu übersteigen. Teil 2 der Analyse beschäftigt sich mit den statistischen Angaben zur Pandemie.

    Die politischen Verantwortlichen stützen sich bei der Rechtfertigung ihrer harten Anti-Corona-Maßnahmen auf die Zahlen gemeldeter Infektionen und Todesfälle. Diese haben jedoch nur eine geringe Aussagekraft. So stieg die Zahl registrierter Fälle zum guten Teil einfach aufgrund der Ausweitung der Tests und wird anderseits ein großer Teil der Infizierten überhaupt nicht erfasst. Das Robert-Koch-Institut (RKI), als Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten in Deutschland dem Bundesgesundheitsministerium unterstehen, zählt alle positiv auf Sars-Cov 2 getesteten Toten als Corona-Todesfälle, unabhängig von der tatsächlichen Todesursache.

    Das Gesundheitsamt der Stadt Hamburg wertet dagegen nur jene als Corona-Todesfälle, bei denen durch eine Obduktion der Verstorbenen Covid-19 als primäre Todesursache bestätigt wurde. So stufte das Amt der Hansestadt am 9. April nur acht der vom RKI für Hamburg gemeldeten 14 Corona-Todesfälle als solche ein. Klaus Püschel, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Hamburger Uniklinikum Eppendorf (UKE), erklärte Ende April, alle der mehr als 140 untersuchten sogenannten Corona-Toten hätten schwere Vorerkrankungen gehabt.

    Das stimmt mit einer Untersuchung des nationalen italienischen Gesundheitsamts (ISS) von 2.000 Todesfällen überein, Laut dieser hatten 99 Prozent der Verstorbenen eine oder mehreren Vorerkrankungen, 48,5 Prozent sogar drei.

    Was sagen die Sterbezahlen?

    Natürlich können auch Menschen unbemerkt an Covid-19 sterben. Die vom Präsidenten des RKI, Lothar Wieler geäußerte These, dass die Sterberate wahrscheinlich sogar unterschätzt werde, erscheint dennoch wenig plausibel. Eine Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes zu den Sterbefällen zeigt für die ersten Aprilwochen eine etwas höhere Übersterblichkeit in Deutschland als durch die gemeldeten Corona-Todesfälle zu erwarten wäre. Sollte sich dies am Ende des Jahres bestätigen, müsste dies keineswegs darauf hindeuten, das die Corona-Todesfälle unterschätzt wurden. Sie könnte auch auf zunehmende Todesfälle in Folge der Gegenmaßnahmen, so durch aufgeschobene Operationen und Arztbesuche, Selbstmorde und ähnliches, hinweisen.

    Indem die Zahlen der Infizierten unter- und die der Todesfälle überschätzt werden, wird auch der daraus abgeleitete Anteil von Infizierten, die an dem Virus sterben, stark überschätzt und damit die Ausbreitung des Virus. Auf den aus den gemeldeten Daten errechneten Fallsterblichkeitsraten von rund vier Prozen beruhen die Schätzungen, dass bei einer ungebremsten Ausbreitung des Virus in Deutschland bis zu zwei Millionen Menschen sterben könnten.

    Das RKI gab die Rate für Deutschland am 30. April noch mit 3,8 Prozent an. Die Johns Hopkins Universität (JHU) gab in ihrer Länderübersicht „Mortalitäten“ in einer Bandbreite aus, die von 0,1 Prozent in Singapur über 4,4 Prozent in Deutschland und 6 Prozent in den USA bis zu mehr als 14 Prozent in Frankreich und Belgien reichen. Offensichtlich sind diese Prozentsätze nur ein Maßstab dafür, wie viele Menschen getestet wurden.

    Überschätzte Sterblichkeit

    Für die meisten Betroffenen verläuft eine Infektion mit Sars-Cov 2glimpflich. Von ihnen zeigen 80 bis 90 Prozent keine oder nur schwache Symptome. Dadurch überstiegt die Gesamtzahl der tatsächlich Infizierten mutmaßlich die der registrierten Fälle um ein Vielfaches. Und die Sterblichkeitsrate von Infizierten allgemein (Infection Fatality Ratio – IFR) wird entsprechend überschätzt wird.

    Studien auf Basis von Bevölkerungsgruppen, bei denen weitgehend alle Infizierten erfasst werden konnten, deuteten schon Anfang März auf eine IFR von weniger als 0,5 Prozent hin. Das war zum Beispiel bei den Passagieren auf dem Kreuzfahrtschiff „Diamond Princess“ der Fall. Eine japanische Studie, die die tatsächliche Zahl der Infizierten in der chinesischen Corona-Hochburg Wuhan auf Basis japanischer Heimkehrer schätzte, kam auf eine IFR von 0,12 Prozent. Die erste repräsentative Untersuchung in der Bundesrepublik, im „Hotspot“ Gangelt im Kreis Heinsberg, ergab eine Sterblichkeit von 0,37 Prozent.

    Bereits Mitte März hatten Untersuchungen darauf hingewiesen, dass auf jeden bestätigten Corona-Fall vermutlich fünf bis zehn unentdeckte Fälle kommen. Neuere repräsentative Studien, kommen auf noch viel höhere Infektionsraten und damit zugleich auf niedriger Sterberate, so auf mittlerweile einen IFR-Wert von 0,3 Prozent und darunter. Die Schweizer Initiative „Swiss Policy Research“ hat auf ihrer Webseite eine Übersicht aller bekannter Studien zur CoViD-19-Sterblichkeit erstellt.

    Keine Verharmlosung

    Damit liegt die mutmaßliche Covid-19-Sterblichkeit in der Größenordnung der schweren Wintergrippe 2017/2018, für die eine Sterblichkeitsrate von knapp 0,3 Prozent errechnet wurde. Dadurch wirkt der neue Corona-Virus keineswegs harmlos. Während der Grippewelle 2017/2018 mussten in Deutschland rund neun Millionen Infizierte einen Arzt aufsuchen und etwa 45.000 in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Mehr als 25.000 Erkrankte starben damals Schätzungen des RKI zufolge.

    Es ist daher keineswegs eine „verantwortungslose Verharmlosung“, wenn Experten wie Detlev Krüger, Vorgänger von Christian Drosten als Chef der Virologie an der Charité, „bisher keine höhere Gefährlichkeit“ des Virus als die „bestimmter Varianten des Grippevirus“ sehen. Wer generell jeden Vergleich mit der Influenza für unzulässig erklärt, stellt sich gegen den Versuch, das Risiko vernünftig einzuschätzen und einzuordnen. Zugleich macht er das Virus Sars-Cov 2 zu einer unvergleichlichen Gefahr.

    Das Risiko, an einer entsprechenden Infektion zu erkranken oder zu sterben, ist abhängig vom Alter und von Vorerkrankungen der Betroffenen. Es ist sehr unterschiedlich über die Altersgruppen verteilt. 87 Prozent der Gestorbenen in Deutschland waren laut RKI 70 Jahre oder älter, obwohl nur 16 Prozent der Erkrankten zu dieser Altersgruppe gehören. Während einer Reihe von Untersuchungen zufolge unter 65jährige nur ein sehr geringes Risiko haben, nach einer Infektion zu sterben, steigt es für über 80jährige auf 16 Prozent an. Gelingt es diese gut zu schützen, kann die Gesamtsterblichkeit von Covid-19 stark gesenkt werden.

    Bei Kinder und Jugendlichen sind den Untersuchungen nach Todesfälle sogar extrem selten. Nach dem Register stationär behandelter Kinder der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) gab es bis 18. Mai nur einen einzigen mit Covid-19 in Verbindung gebrachten Todesfall. Das RKI weist drei Todesfälle zwischen drei und 18 Jahren aus, die jeweils Vorerkrankungen hatten. Auch in anderen Ländern sind es einer Stellungnahme der DGPI und drei weiterer deutscher medizinischer Fachgesellschaften zufolge bislang wenige Einzelfälle.

    Teil 3 folgt am Mittwoch und setzt sich mit der Frage auseinander, welche Wirkung die Kontaktsperren und -beschränkungen hatten.

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    Medizin, Hamburg, Robert-Koch-Institut, Covid-19, Deutschland, Pandemie, Coronavirus